Tief im Herzen des Kongo-Beckens, in Dzanga-Sangha, wo üppige Regenwälder und eine einzigartige Tierwelt das Bild prägen, verändert Solarstrom das Leben der Menschen und den Natur- und Artenschutz nachhaltig: 98 Prozent des Stromverbrauchs werden hier schon durch Sonnenenergie gedeckt.

Waldelefanten auf der Dzanga Bai © Andy Isaacson / WWF-US
Waldelefanten auf der Dzanga Bai © Andy Isaacson / WWF-US

„Es ist ein außergewöhnlicher Ort“, sagt Felix Safouet, der als Solartechniker in Dzanga-Sangha arbeitet. „Es ist der einzige Ort auf der Welt, an dem man eigentlich zu jeder Zeit Waldelefanten beobachten kann.“ Neben Waldelefanten leben hier auch Flachlandgorillas, Bonobos und viele andere seltene Wildtiere.

Vor allem aber eine Begegnung mit den Waldelefanten bleibt Menschen aus der Region und Tourist:innen gleichermaßen unvergessen: Jeden Tag versammeln sich die Elefanten auf einer natürlichen Waldlichtung namens Dzanga Bai, um in den Salzwiesen nach lebenswichtigen Mineralien zu suchen.

Von einer Plattform mit Blick auf die Salzwiesen aus beobachten Wissenschaftler:innen das Verhalten dieser sanften Riesen und identifizieren einzelne Tiere. Ihre Erkenntnisse fließen in Schutzstrategien für diese Tierart ein, die 2021 als vom Aussterben bedroht eingestuft wurde.

14 Solaranlagen gibt es bereits

Auf einem Haus wird eine Solarpaneel befestigt.
Auf einem Haus wird eine Solarpaneel befestigt © APDS

Mit seiner Arbeit an Solaranlagen leistet Felix Safouet einen maßgeblichen Beitrag zum Naturschutz in Dzanga-Sangha. 14 Solaranlagen haben er und sein Team bislang in der Region installiert. Zusammen decken diese fast den gesamten Stromverbrauch innerhalb und außerhalb des Parks.

Eine der Solaranlagen befindet sich auf der Beobachtungsplattform in der Dzanga Bai, weitere gibt es am Hauptbüro des Parks, an der Öko-Lodge für Besucher:innen, auf den Häusern von Mitarbeiter:innen, bei einem nahegelegenen Krankenhaus, einem Fußballfeld und einem medizinischen Labor.

Die Solaranlage ermöglicht, dass das Feldlabor läuft und Proben kontinuierlich gekühlt gelagert werden können. Im Labor werden Proben, etwa von verstorbenen Tieren, systematisch untersucht – beispielsweise auf Infektionskrankheiten. So können mögliche Epidemien frühzeitig erkannt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Zoonosen, also Erregern, die auch den Menschen infizieren können.

„Bevor die Solaranlagen installiert wurden, war der Park ausschließlich von Generatoren abhängig“, erzählt Felix Safouet. Und das ist an einem Ort wie Dzanga-Sangha durchaus herausfordernd, denn Generatoren benötigen viel Kraftstoff. Zum einen ist dieser teuer, zum anderen zieht sein Transport nach Dzanga Sangha logistische Probleme nach sich, da die Straßen schlecht sind. Immer wieder fielen Generatoren aus, sodass die Stromversorgung begrenzt war und die Mitarbeitenden des Parks ihrer Arbeit nur eingeschränkt nachgehen konnten.

Der Zugang zu Strom stärkt den Naturschutz

Das lokale Team auf der Beobachtungsplattform für die Waldelefanten.
Das lokale Team auf der Beobachtungsplattform für die Waldelefanten © Jean Philippe Denruyter

Mit Solarenergie ist das jetzt anders. Die Sonne liefert zu regelmäßigen Zeiten Strom, sodass ein reibungsloser Betrieb gewährleistet ist. Auch abgelegene Waldgebiete, in denen die Parkmitarbeiter:innen früher keinen Strom hatten, können nun mit Solarenergie versorgt werden.

„Auf der Elefantenbeobachtungsplattform gab es keine Möglichkeit, Kamera- oder Laptop-Akkus aufzuladen. Das hat die Forschungsarbeit dort erheblich eingeschränkt“, sagt Felix Safouet. Jetzt können Wissenschaftler:innen ihre Arbeit ohne Unterbrechung fortsetzen. Auch die Stützpunkte der Eco Guards verfügen nun über Lademöglichkeiten für ihre Kommunikationsgeräte. So können sie rund um die Uhr in Kontakt bleiben, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass der Akku schwach werden könnte.

Die Hürden auf dem Weg zu fast 100 Prozent Solarenergie

Felix Safouet, ein Ingenieur, der das Dzangha-Sangha Team seit 2019 unterstützt.
Felix Safouet, ein Ingenieur, der das Dzangha-Sangha Team seit 2019 unterstützt © APDS

Doch der Weg dorthin war nicht immer einfach. Bereits im Jahr 2010 gab es im Park erste Versuche, mithilfe von Solaranlagen Strom zu gewinnen. Doch die Anlagen fielen aufgrund defekter Batterien oder Problemen bei der Installation schnell aus. Zudem verfärbten sich die Paneele im regenreichen Klima aufgrund von Korrosion grün. Da es vor Ort keine Kapazitäten im Bereich der Solartechnik gab, blieben einige der defekten Anlagen jahrelang außer Betrieb.

Kein Wunder, dass die lokalen Gemeinden der Solartechnologie zunächst skeptisch gegenüberstanden. „Die Wahrnehmung der Solarenergie war noch immer von einem gewissen Misstrauen und einem Mangel an Informationen geprägt“, sagt Felix Safouet. „Aber mit sichtbaren, konkreten Ergebnissen hat sich die Einstellung geändert.“

„Dieser Erfolg hat mich davon überzeugt, dass Solarenergie viel mehr als nur eine Alternative ist: Sie ist eine praktikable, nachhaltige und unverzichtbare Lösung für Länder, in denen der Zugang zu Strom nach wie vor sehr begrenzt ist.“

Felix Safounet, Ingenieur in Dzangha Sangha

Solarstrom verändert das Leben der Menschen

Viel Solarenergie für Dzangha-Sangha.
Viel Solarenergie für Dzangha-Sangha © APDS/ WWF Kamerun

Im Rahmen des WWF-Projekts „Energizing Communities and Conservation“ errichtet Felix Safouet nicht nur in Parks Solaranlagen, sondern auch in den umliegenden Gemeinden. „Die Installation von Solaranlagen an Orten, an denen niemand einen Zugang zu Elektrizität für möglich gehalten hätte, ist eine enorme Motivationsquelle“, sagt er. „Es ist ein tolles Gefühl, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.“

Der Alltag der Menschen in Dzanga-Sangha hat sich verändert: Die Gemeindemitglieder spielen in der Abenddämmerung Fußball und nutzen dabei die solarbetriebenen Flutlichter des Spielfelds. Die meisten Unternehmen haben eine kleine Solaranlage installiert und entscheiden sich für günstige Energie und saubere Luft statt für teure, umweltschädliche Generatoren. Misstrauen ist zu Vertrauen geworden.

Wenn die Sonne das Leben von Mensch und Tier erhellt

Hin und wieder begegnet Felix Safouet bei seinen Wartungsarbeiten im Hauptbüro einem Waldelefanten – eine Erinnerung an die vielen Lebewesen, denen seine Arbeit zugute kommt. Hier in Dzanga-Sangha haben Menschen und Elefanten gleichermaßen eine bessere Zukunft unter den wärmenden Strahlen der Sonne.

Dieser bemerkenswerte Fortschritt in Dzanga-Sangha wurde unter anderem durch die Europäische Union ermöglicht, die seit Jahren massiv in nachhaltige Energielösungen im gesamten Kongobecken investiert – zur Stärkung der Gemeinden, zum Schutz der Tierwelt und zur Erhellung des Weges in eine grünere Zukunft.

Das Projekt wird unter der Aufsicht der Dzanga-Sangha-Schutzgebiete durchgeführt, die gemeinsam vom WWF-Büro der Zentralafrikanischen Republik und dem Ministerium für Wald, Wasser, Jagd und Fischerei der Zentralafrikanischen Republik mit Unterstützung der EU-Delegation in der Zentralafrikanischen Republik sowie der FTNS (Fondation Trinational de la Sangha Accueil – Fondation TNS) verwaltet werden.

This solar energy work is implemented under the supervision of the Dzanga-Sangha Protected Areas, co-managed between WWF-Central African Republic office and the Central African Republic Ministry of Forest, Water, Hunting and Fishing with the support EU delegation in CAR, as well as the FTNS (Fondation Trinational de la Sangha Accueil - Fondation TNS).

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