Die Tropenwälder unserer Erde sind gigantisch, uralt und voller Leben. Sie sind die mächtigsten Klimaschützer unseres Planeten. Doch ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern, sinkt weltweit bedenklich. Asiens Primärwälder sind als grüne Speicher bereits weitgehend verloren, der Amazonas kämpft seit Jahren. Nun stoßen selbst die Urwälder Afrikas an ihre Grenzen, die als letzte stabile Puffer galten. Diese Entwicklung straft bisherige Klimamodelle als zu optimistisch.

Riesige, von Lianen umrankte Stämme ragen wie Säulen aus morastigen Böden voller Farne, Moose und Laub. Das dichte Blätterdach der bis zu 45 Meter hohen Bäume verdunkelt den Himmel. Die Luft ist feucht und schwer, zerschnitten durch Rufe von Bonobos, Waldelefanten und exotischen Vögeln wie dem Kongopfau.

Das Kongobecken mit dem Salonga Nationalpark im Herzen des Kongobeckens ist das größte Regenwaldschutzgebiet Afrikas und nach dem Amazonas das zweitgrößte der Welt. Hier entscheidet sich, wieviel Kohlenstoff unser Planet in Zukunft noch binden kann.

Kohlenstoffsenken: Die enorme Fähigkeit tropischer Regenwälder

Durch ihre Photosynthese nehmen tropische Wälder gigantische Mengen Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und speichern den darin enthaltenen Kohlenstoff in ihrer Biomasse – also in Stämmen, Rinden, Blättern, im Wurzelwerk und im Boden.

Wie ein natürlicher Schwamm saugen sie unsere Emissionen auf. Durch Brandrodung und Abholzung jedoch wird der gespeicherte Kohlenstoff schlagartig als CO2​ wieder freigesetzt. Die Wälder befeuern dann den Treibhauseffekt, statt ihn zu bremsen.

Von der Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle – Eine Begriffsklärung

  • Solange Ökosysteme jährlich mehr Kohlenstoff binden, als sie durch natürliche Zersetzung und Zerstörung wieder abgeben, bezeichnet man sie als Kohlenstoffsenken oder Carbon-Senken.
     
  • Geben die Wälder genauso viel CO2 wieder ab, wie ihre verbliebenen Bestände speichern können, spricht man von Sättigung.
     
  • Sobald Wälder durch Rodung, Brände und das Absterben von Bäumen mehr Gas freisetzen, als sie aufnehmen können, werden sie zu klimaschädlichen Kohlenstoffquellen.

Besorgniserregend: Asiens Wälder bereits CO2-Quelle, Amazonas am Limit

Die Kronen der Bäume im Regenwald aus der Vogelperspektive, dazwischen sieht man den Amazonas.
Das Kronendach des Regenwaldes im Amazonasbecken. © Day's Edge Productions / WWF-US

Die drei größten tropischen Regenwälder unserer Erde liegen im Amazonas, im Kongobecken und in Südostasien. Noch binden diese Wälder als riesige Kohlenstoffsenke jährlich 7,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Doch die Natur als kostenloser Speicher schwächelt.

Allein in den vergangenen 25 Jahren haben sich die Wälder in Südostasien, insbesondere in Indonesien und Malaysia, durch Rodungen für Plantagen, unkontrollierte Brände und die Entwässerung von Torfböden von Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffquellen entwickelt.

Dem Amazonas droht dasselbe Schicksal, wenn der Waldverlust im aktuellen Tempo anhält. Der brasilianische Amazonas, in welchem der größte Teil der Regenwälder liegt, wirkt bereits seit 2001 nicht mehr als Kohlenstoffspeicher, sondern als Quelle!

Warum ausgerechnet die Tropenwälder so wichtig sind

Blätterdach im Regenwald, Brasilien © Jody MacDonald / WWF-US
Blätterdach im Regenwald, Brasilien © Jody MacDonald / WWF-US

Tropenwälder sind deutlich bessere Kohlenstoffbinder als andere Waldtypen. Denn sie wachsen ganzjährig und ihre riesigen Bäume bilden viel Biomasse. Durch konstante Wärme und Feuchtigkeit photosynthetisieren sie das ganze Jahr CO2 und lagern es in ihren massiven Stämmen und tiefen Bodenschichten ein – bis zu 50 Prozent mehr als boreale oder gemäßigte Wälder.

Auch neu angepflanzte und bewirtschaftete Wälder binden Kohlenstoff. Die Speicherkapazität von Primärwäldern können sie aber nie erreichen.

Schlimmer noch: „Wenn wir die bestehenden, riesigen Kohlenstofflager im Amazonas oder auch im Kongo-Becken verlieren, kann keine noch so ambitionierte Baumpflanzaktion diesen Verlust kurzfristig ausgleichen“, so Dr. Julia Barske, Team Lead Congo Basin beim WWF Deutschland. „Denn wir verlieren nicht nur das Potential weiterer CO2-Aufnahme aus der Atmosphäre. Extrem viel bereits gebundenes CO2 aus den alten tropischen Riesen wird nun zusätzlich freigesetzt.“

Letzter Puffer Kongobecken

Von den drei größten tropischen Regenwäldern der Welt verfügt nur noch das Kongobecken über ausreichend intakte Waldflächen und eine geringe Entwaldungsrate, um eine starke Kohlenstoffsenke zu bilden.

Der Regenwald im Kongo bindet jährlich rund 600 Millionen Tonnen mehr Kohlendioxid, als er freisetzt. Das entspricht fast dem gesamten CO2-Ausstoß Deutschlands! Als einer der größten zusammenhängenden Regenwälder der Erde spielt der Salonga Nationalpark dabei eine Schlüsselrolle.

Doch neue Daten zeigen, dass selbst in den lange als stabil geltenden afrikanischen Tropenwäldern eine Sättigung eintritt. Sie stoßen also an ihre Speichergrenzen und werden teilweise bereits von der CO2-Senke zur Quelle. Grund ist nicht allein die Abholzung – ein Biomasseverlust von hunderten Millionen Tonnen im Jahr – sondern auch die Austrocknung und Trockenlegung von Torfmooren.

Faszination Torfmoor

Blick auf tropisches Torfmoor mit tropischen Pflanzen im Hintergrund.
Das größte tropische Torfmoor der Welt liegt im Kongobecken © Roger de la Harpe/iStock/GettyImages

Torfmoore sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Das größte tropische Torfmoor der Welt liegt im Kongobecken. Lange waren seine enormen Ausmaße gar nicht bekannt.

Cuvette Centrale heißt das Moor (französisch für „zentrales Becken“). Es lagert unter sumpfigem Regenwald etwa 30 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – vergleichbar mit drei Jahren globaler fossiler CO2-Emissionen.

Seit über 11.000 Jahren hat sich hier Torf aus abgestorbenen Pflanzen gebildet, der im wassergesättigten Zustand große Mengen Kohlenstoff speichert. Die Moore machen nur vier Prozent der Waldfläche aus, speichern aber unterirdisch so viel wie die restlichen 96 Prozent der gesamten oberen Wälder. Trocknen diese Moore aus oder werden für die Landwirtschaft umgewandelt, setzen sie massiv CO2 frei.

Klimawandel – Zerstörerische Spirale

Abgeholzter Regenwald © Sonja Ritter / WWF Germany
Abgeholzter Regenwald © Sonja Ritter / WWF Germany

An den Torfmooren wird besonders deutlich, was auch für die Regenwälder gilt: Der Klimawandel verstärkt sich selbst! Steigende Temperaturen trocknen Wälder und Moore aus. Diese setzen durch intensive Brandzeiten und anhaltende Dürren zusätzlich CO2 frei und heizen die Klimakrise weiter an.

Heizt der Mensch durch hohe Emissionen die Spirale weiter an, könnten bis Ende des 21. Jahrhunderts mehr als die Hälfte aller Tropenwälder zur gefährlichen Kohlenstoffquelle werden – und wiederum die Klimakrise stärker befeuern.

Wachsen die Bäume durch mehr CO2 in der Atmosphäre nicht schneller? Doch, aber das Baumsterben überholt das Wachstum. Das Freisetzen von Kohlenstoff durch tote Bäume überwiegt zunehmend die Neuaufnahme durch lebende Bäume.

„Wir müssen alles daran setzen, dass die Tropenwälder ihren Klimabeitrag weiter leisten und nicht den Klimawandel weiter verschärfen!“

Dr. Julia Barske, Team Lead Congo Basin, WWF Deutschland

Großes Problem: Bisherige Klimamodelle zu optimistisch

Der natürliche Klimapuffer Tropenwald schrumpft schneller, als viele Klimamodelle vorhergesagt haben.

Die Berechnungen für das 1,5-Grad-Ziel legen bisher oft zugrunde, dass Tropenwälder noch über Jahrzehnte hinweg zuverlässig große Mengen CO2​ speichern. Wenn die Wälder aber früher als erwartet gesättigt sind oder sogar selbst zur Kohlenstoffquelle werden, bleibt der Menschheit weniger Spielraum für eigene Emissionen.

Mit den Wäldern verlieren wir so viel mehr

Die Tropenwälder unserer Erde sind nicht nur wichtige CO2-Speicher. Sie beeinflussen auch das regionale und globale Wetter.

Die Wälder des Kongobeckens beispielsweise erzeugen Wolken und Regen, die bis in die Sahelzone reichen. Waldverlust hier bedeutet weniger Niederschlag dort, fast 3.000 Kilometer Luftlinie entfernt. Die Folgen sind weitreichend. Ernten und Ernährungssicherheit sind gefährdet. Es drohen Migration und Konflikte um Wasser und Land.

Schutzgebiete und indigene Territorien wirken!

Indigener Häuptling der Kayapo Indianer © Mauri Rautkari / WWF
Indigener Häuptling der Kayapo Indianer © Mauri Rautkari / WWF

Mitten im Herzen des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes liegt das riesige, geschützte Territorium der Kayapó-Mekrãgnotí. In kreisrunden Dörfern lebt das indigene Volk hier im Einklang mit dem Wald, den es intensiv schützt.

Studien beweisen, wie effektiv dieser Schutz ist: Die Wälder im indigenen Schutzgebiet nehmen jährlich 10 Millionen Tonnen Kohlendioxid auf, während der umliegende, ungeschützte Wald durch Rodungen für Bergbau, Weideland und Sojaplantagen längst zu einer Kohlenstoffquelle geworden ist.

Waldelefanten als Klimaschützer

Junges afrikanisches Waldelefanten-Kalb mit Familie
Junges afrikanisches Waldelefanten-Kalb mit Familie © naturepl.com / Bruce Davidson / WWF

Entscheidend für den Erhalt gesunder Tropenwälder als starke Kohlenstoffsenken ist auch eine intakte Tierwelt. Denn Tiere sind die unentbehrlichen Gärtner des Waldes. Sie verbreiten Samen über weite Strecken, bestäuben Blüten und regulieren durch ihr Fressverhalten das Pflanzenwachstum.

Ein eindrucksvolles Beispiel für diese „grüne Arbeit“ sind die Waldelefanten im Kongo-Becken: Mit Vorliebe fressen sie kleinere, schnellwachsende Pflanzen und dünnen so das Unterholz aus. Dadurch haben die langsam wachsenden, massiven Urwaldriesen mehr Raum und Ressourcen.

Wälder, in denen Waldelefanten leben, können signifikant mehr Kohlenstoff speichern als Wälder ohne sie.

„Echter Schutz kann nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort funktionieren.“

Dr. Julia Barske, Team Lead Congo Basin, WWF Deutschland

Schluss mit der Zerstörung

Der WWF schützt gefährdete Arten wie die vom Aussterben bedrohten Waldelefanten, stärkt die Rechte indigener Völker weltweit und setzt sich mit Nachdruck für die Ausweisung und Vernetzung streng geschützter Waldgebiete ein.

Um großräumig Landschaften zu erhalten, verbinden wir rund um unseren Planeten außerdem Naturschutz und nachhaltige Nutzung: Umweltfreundliche Waldwirtschaft, schonende Anbaumethoden und weitere, nachhaltige Einkommensquellen ermöglichen Entwicklung im Einklang mit der Natur und stärken die Lebensgrundlagen indigener und lokaler Gemeinschaften.

Tropische Regenwälder sind mit Abstand die wichtigsten Ökosysteme für die Eindämmung des Klimawandels, während die Moore und Permafrostböden jedoch die wichtigeren Speicher ist. Nur ein großer tropischer Regenwald bleibt eine starke Kohlenstoffsenke. Wir müssen die noch stehenden Primärwälder in Asien, Südamerika und Afrika dringend schützen.

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