Im Januar 2026 schenkt eine seltene Zwillingsgeburt Zuversicht für die stark gefährdeten Berggorillas. Die Tiere erhalten nun besonderen Schutz durch die Verwaltung des Virunga-Parks, da dieser inmitten des Kriegsgebietes in der Demokratischen Republik Kongo liegt.

Tief im Dschungel im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben Wildhüter:innen des Nationalparks am 3. Januar 2026 ein kleines Wunder entdeckt! Gorillaweibchen Mafuko trägt zwei Neugeborene an ihrer Brust. Fest hält sie die Winzlinge in ihren Armen und schmiegt sie beschützend an sich.

Die Parkverwaltung hat nun eine engmaschige Überwachung und Schutz für Mafuko und ihre Babys eingerichtet.

Ein kleines Wunder: Zwillingsgeburt extrem selten

Berggorilla-Weibchen Mafuko bekommt Zwillinge im Virunga Nationalpark
Das Berggorilla-Weibchen Mafuko im Virunga-Nationalpark mit ihren beiden neugeborenen Zwillingssöhnen © picture alliance / Cover Images | Virunga National Park/Cover Images

Zwillingsgeburten bei Menschenaffen sind äußerst selten. Und sie sind, insbesondere in den ersten Monaten, extrem anstrengend für die Mutter, denn der Nachwuchs ist vollständig von ihr alleine abhängig – der Vater spielt keine Rolle.

Milchproduktion und Energiebedarf für zwei Säuglinge gleichzeitig seien sehr hoch, erklärt eine Sprecherin des Parks. Auch körperlich sei die Fürsorge für die Gorillamutter sehr anstrengend, da diese für ihre eigene Nahrungssuche weite Strecken zurücklege und nun gleich zwei Babys dabei tragen muss. 2016 hatte Mafuko schon einmal Zwillinge zur Welt gebracht, doch diese waren innerhalb der ersten Woche verstorben.

Eines der letzten Rückzugsgebiete der Berggorillas

Berggorilla bei Nahrungsaufnahme © Ralph Frank / WWF
Berggorilla bei Nahrungsaufnahme © Ralph Frank / WWF

Das 22-jährige Gorillaweibchen gehört zur mit nunmehr 59 Tieren größten Gorillagruppe im Virunga-Park.

Insgesamt gibt es heute noch etwa 1.000 gefährdete Berggorillas. Sie leben ausschließlich in den geschützten Gebieten des Virunga Massivs im Dreiländereck der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Uganda sowie im Bwindi Impenetrable Nationalpark in Uganda. Die Region erstreckt sich von den tropischen Tieflandwäldern und Savannen über dichte Regenwälder bis zu den aktiven und erloschenen Vulkanbergen auf etwa 4.500 Meter Höhe. Hier findet sich eine der größten Artenvielfalten Afrikas.

Der Virunga-Nationalpark

Ein Waldstück im Virunga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo © Kate Holt / WWF-UK
Ein Waldstück im Virunga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo © Kate Holt / WWF-UK

Der 1925 gegründete Virunga-Nationalpark ist Afrikas ältester Nationalpark und heute UNESCO-Weltnaturerbe. Und dieser Nationalpark steht unter enormem Druck, denn er liegt in einer politisch instabilen Region. Zum einen tobt seit Jahrzehnten ein brutaler Bürgerkrieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Milizen dringen immer wieder auch in den Virunga-Park vor. 2007 töteten sie sieben ausgewachsene Berggorillas, darunter drei Silberrücken.

Mithilfe internationaler Gelder wurde seitdem Kongos Naturschutzbehörde ICCN, die die Nationalparks verwaltet, modernisiert und ihre Kapazitäten erhöht. Ein Teil des Virunga-Nationalparks wurde durch elektrische Zäune geschützt und die Ranger:innen trainiert.

Bedrohung durch Bürgerkrieg, Wilderer und illegalen Holzeinschlag

Jungpflanzen im Virunga Nationalpark © Mone Van Geit / WWF Belgien
Jungpflanzen im Virunga Nationalpark © Mone Van Geit / WWF Belgien

Die zweite große Bedrohung für die Regenwälder des Schutzgebietes sind illegale Baumfällungen. Aufgrund von Flüchtlingsströmen hat sich die Bevölkerungsdichte in der Region drastisch erhöht und damit der Bedarf an Feuerholz und Holzkohle – die primäre Energiequelle.

Um das fragile Ökosystem der Virungas zu entlasten und den Lebensraum der Berggorillas langfristig zu sichern, kümmert sich der WWF seit 2007 um eine nachhaltige Holzversorgung der lokalen Bevölkerung in der Region. Durch ein Aufforstungsprogramm soll der Bedarf langfristig vollständig aus dauerhaft nachhaltig genutzten Wäldern gedeckt werden.

Der WWF schützt den Lebensraum der letzten Berggorillas

Berggorilla mit Jungtier © Martin Harvey / WWF
Berggorilla mit Jungtier © Martin Harvey / WWF

Ebenfalls erfolgreich ist die Vermarktung von einfachen, energiesparenden Holzkohleöfen, die der WWF entwickelt hat: Sie werden vor Ort von vier Frauenkooperativen, die der WWF aufgebaut und ausgebildet hat, aus lokal verfügbarem Material gebaut.

Die Anstrengungen in der Region zeigen erste Erfolge. Die Zahl der Berggorillas im Virunga-Nationalpark wächst langsam an auf aktuell etwa 1.000 Tiere. Ihr Status auf der Roten Liste wurde daher von „vom Aussterben bedroht auf „stark gefährdet“ reduziert.

Eine weitere Gefahr für die Gorillapopulation erwächst durch den Klimawandel. So zeigte eine 2019 veröffentlichte Studie, die auf Daten basiert, welche das Karisoke Research Center des Dian Fossey Gorilla Fund über fünf Jahrzehnte gesammelt hat, einen Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und häufigeren Regenfällen auf der einen Seite und erhöhtem Stress bei den Primaten auf der anderen. Solche Stressmarker gelten in der Primatenforschung als Risikofaktoren für Gesundheit, Lebensdauer und Reproduktion.

Die Geburt der Gorilla-Zwillinge, zwei männliche Jungtiere, ist ein positiver Zuwachs für die Berggorilla-Population im Virungamassiv und schenkt zu Jahresbeginn 2026 Zuversicht. Und sie erinnert uns daran, dass die Anstrengungen zum Schutz der Berggorillas nicht nachlassen dürfen!

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