Rettungseinsatz in der Mara: Hilfe für eine Elefantenkuh
Was die meisten Menschen beim Begriff Artenschutz vor Augen haben, sind Aufklärungskampagnen, Ranger:innen auf Anti-Wilderei-Patrouillen und der Schutz von Lebensräumen. Doch Artenschutz zeigt sich auch in ganz konkreten, oft dramatischen Momenten. Nämlich dann, wenn ein Wildtier Hilfe braucht. Für die Teams von Elephant Aware und der Mara Vet Unit sind solche Einsätze Alltag – leider.
Ein Funkspruch, ein Jeep, der über staubige Pisten fährt, darin ein Team, das weiß: Jede Minute zählt. Regelmäßig fahren die Ranger:innen von Elephant Aware durch die weite Landschaft der Mara. Sie halten Ausschau nach Spuren von Wilderern und nach „ihren“ Elefanten. Die Ranger:innen sind geübt im Beobachten der sanften Riesen, halten gebührenden Abstand und erkennen schnell, wenn etwas nicht stimmt.
So auch an einem Morgen Ende April 2025. Während die Ranger:innen bei einer Patrouille eine Elefanten-Familie beobachteten, entdeckten sie, dass eine der Elefantenkühe eine frische Wunde an ihrem rechten Hinterbein hatte.
Fast im selben Moment erkannten sie noch etwas: Die Kuh hatte ein kleines, neugeborenes Kalb, die Haut hinter den Ohren noch rosa. Schutz suchend stand es unter dem Bauch seiner Mutter.
Die Mara Vet Unit eilt zur Hilfe
Die Ranger:innen informierten umgehend die Mara Vet Unit – ein mobiles Tierärzte-Team, das im Mara-Gebiet in Kenia im Einsatz ist, um verletzte oder kranke Wildtiere zu versorgen. In weniger als zwei Stunden entwickelte das Team einen Plan, um der Elefantenkuh zu helfen und machte sich auf den Weg.
Nachdem die Medikamente zusammengestellt worden waren, näherte sich das Vet-Team, unterstützt von den Ranger:innen von Elephant Aware, der Elefantenherde. Glücklicherweise hielten sich die Tiere in offenem Gelände auf, was die Situation für die Helfer:innen leichter machte – denn nichts ist herausfordernder, als einen Elefanten zu betäuben, der sich in dichtem Gestrüpp versteckt.
Nachdem die Elefantenkuh vom Betäubungspfeil getroffen war, hieß es, die restliche Herde in Schach zu halten. Die Ranger:innen nutzten ihre Fahrzeuge, um die Elefantenkuh von ihrer Herde abzuschirmen, damit das Team der Mara Vet Unit sie gefahrlos versorgen konnte.
Der WWF und „Elephant Aware“
Fälle wie dieser zeigen, wie wichtig die Patrouillen der Ranger:innen von Elephant Aware sind. Die Teams haben nicht nur ein Auge auf Wilderer und sind bei Mensch-Tier-Konflikten schnell zur Stelle, sie versorgen gemeinsam mit Tiermediziner:innen auch verletzte Tiere. Der WWF unterstützt das Siana-Gemeindeschutzgebiet deshalb unter anderem mit Ausbildung und Ausrüstung für die mehr als 100 Gemeindewildhüter:innen und dem Bau von mehreren neuen Ranger:innenstationen – darunter auch Stationen für die NGO Elephant Aware.
Das Kalb in Gefahr?
Wie zu erwarten blieb das neugeborene Kalb ganz in der Nähe seiner Mutter – eine nicht ganz ungefährliche Situation. Denn wenn die Betäubung einsetzt besteht ein erhebliches Risiko, dass die Mutter beim Zu-Boden-Gehen auf ihr Kalb fällt.
Bange Minuten verstrichen bis die Kuh anfing, mit dem Gleichgewicht zu kämpfen. Alle hielten den Atem an, um im richtigen Moment einzugreifen und das Kalb sanft von seiner Mutter wegzuschieben. Sobald sie lag durfte das Kalb wieder zu seiner Mutter.
Die Ranger:innen berichteten später wie bewegend und bemerkenswert es war zu sehen, wie das winzige Elefantenbaby, erst etwa eine Woche alt, bereits den starken Instinkt hatte, bei seiner Mutter zu bleiben und sie sogar zu beschützen. Manchmal kletterte das Kalb auf seine Mutter, um sie zu wecken, und stürmte auf jeden zu, der sich näherte!
Die Wunde stammt von einem Speer
Tierarzt Dr. Aminga entdeckte eine 40 Zentimeter tiefe Stichwunde, verursacht durch einen Speer. Die Ranger:innen von Elephant Aware hatten die Verletzung glücklicherweise rechtzeitig entdeckt, bevor sich eine Infektion darin festsetzen konnte.
Solche Verletzungen sind keine Seltenheit: Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Mensch und Tier, etwa wenn Elefanten den Feldern oder Dörfern der Menschen zu nahe kommen. Um ihre Ernten und ihr Zuhause zu schützen, vertreiben die Anwohner:innen die Tiere – und nutzen dafür manchmal leider auch Speere.
Dr. Aminga reinigte die Wunde, verabreichte die notwendigen Medikamente, während einige Helfer:innen die Elefantenkuh mit Wasser benetzten. Schließlich gab Dr. Aminga das Medikament, um die Elefantenkuh wieder aufzuwecken, und das Team zog sich zurück. Das Kalb wartete dabei die ganze Zeit bei seiner Mutter.
Sobald sie wach wurde, versuchte die Elefantenkuh sich aufzurichten und gab Laute von sich, um ihrer Herde und ihrem Baby mitzuteilen, dass sie wohlauf war. Wieder auf den Beinen machte sie sich nach einigen wackeligen Schritten gemeinsam mit ihrem Kalb auf den Weg zu ihrer Herde.
Ein Happy-End – dank schneller Hilfe
Das gesamte Team der Mara Vet Unit und von Elephant Aware ist erleichtert, dass das Kalb und seine Mutter nun eine Chance auf ein unbeschwertes Leben in der Mara haben.
Genau das ist es, was diese Arbeit so wertvoll macht: Zu wissen, dass auch kleine Momente und schnelles, beherztes Eingreifen dazu beitragen, die Zukunft der Elefanten und anderer Wildtiere in der Mara zu sichern.
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Unganisha -
Afrikanische Elefanten