Die Regenwälder des Amazonas brennen wie lange nicht mehr. Dahinter stecken Kalkül und das ganz große Geld. Mensch und Tier bleiben auf der Strecke – und das nicht nur in Südamerika. Der Amazonas beeinflusst unser Weltklima und ist kurz davor, sich in eine riesige Savanne zu verwandeln.

Irgendwann zerstört der Regenwald sich teilweise selbst. Dann nämlich, wenn nur noch so wenig von ihm übrig ist, dass es im verbliebenen Wald nicht mehr ausreichend regnet. Schon jetzt ist der Amazonas so stark entwaldet, dass die Folgen tausende Kilometer weiter südlich deutlich spürbar sind. Die Wälder in Uruguay, Paraguay und Argentinien brennen ungewöhnlich stark. Die feuchten Luftströme aus dem Amazonas, die sogenannten fliegenden Flüsse, bringen nicht mehr genug Wasser.

Dramatische Verluste im Amazonas-Regenwald

Es herrscht Goldgräberstimmung im Amazonas. Rodung und Brandrodung in großem Stil kennen nur den Wert des Waldes, der von seinen Hölzern, seinen Bodenschätzen und vor allem seiner Fläche als Ackerland ausgeht. „Das Jahr ist noch nicht zu Ende, doch schon jetzt sehen wir eine Entwaldung auf Rekordniveau“, warnt Roberto Maldonado, Südamerika-Experte beim WWF Deutschland. „Wir gehen davon aus, dass die Entwaldungsrate um ein Drittel höher liegt als im letzten Jahr, was eine Katastrophe ist!“ Noch erschreckender, was diese Katastrophe nach sich zieht: Bis Ende des Jahres wahrscheinlich mehr als 200.000 Brände.

  • Brandrodung im Amazonas © Marizilda Cruppe / WWF-UK Ausverkauf des Amazonas

    Ein quadratisches Loch zerreißt die Wildnis des Amazonas-Regenwaldes. Wie mit dem Lineal gezogen, etwa 10.000 Hektar groß und kein Einzelfall. Brandgerodete Flächen wie diese sind das Symptom einer perfiden Art von Landraub. Weiterlesen...

Vom Regenwald zur Feuerhölle

Immer trockener wird es im Amazonasgebiet, immer mehr Feuer werden bewusst gelegt, um Land zu gewinnen und immer öfter geraten diese Brände außer Kontrolle. „Wobei auch außer Kontrolle geratene Feuer neue Anbaufläche schaffen“, bemerkt Roberto Maldonado. Im September 2020 gab es allein im brasilianischen Amazonas über 32.000 verschiedene Brandherde. Bis ins Weltall sind die Rauchschwaden zu sehen. Im Wald gibt es kaum ein Entrinnen. Hier leben die seltenen Jaguare – und hier verlieren die drittgrößten Raubkatzen der Erde nun ihr Leben und ihren Lebensraum im Feuer. Hunderte weitere, teils endemische (also nur hier vorkommende) Arten sind betroffen. Und auch Menschen leben in den Regenwäldern des Amazonasbeckens.

Die Amazonas-Regenwälder beherbergen zehn Prozent aller auf der Welt lebenden Arten, binden zwölf Prozent des Süßwassers der Erde und speichern so viel Kohlendioxid wie kein anderes Ökosystem auf den Kontinenten.

Die Bedeutung des Amazonas in drei Zahlen

5,3 Millionen Quadratkilometer groß ist der Amazonas-Regenwald heute, 60 Prozent davon liegen in Brasilien. Brasilien hat den größten Anteil am Amazonas und großen Anteil an der Katastrophe. Denn Brasiliens Regierung und Präsident Jair Bolsonaro schaffen die Stimmung für die fortschreitende Zerstörung: Bei illegaler Entwaldung winkt die Straffreiheit. Beamten, die Umweltverbrechen aufdecken wollen, drohen Disziplinarverfahren und Entlassungen. Gesetzesänderungen sollen Schutzgebiete und indigene Territorien dem Raubbau öffnen. „Präsident Bolsonaro will der ständig wachsenden, exportorientierten Agrarindustrie und dem Bergbausektor Flächen zur Verfügung stellen, auf die sie derzeit keinen Zugriff haben“, so Roberto Maldonado vom WWF. „Hinter der verheerenden Regenwald-Zerstörung in Brasilien stehen Landnutzungskonflikte und Landraub.“

Werden Sie aktiv und schützen Sie den Wald

Ein Urwald vor dem Kipp-Punkt

Regenwolken über dem Amazonas © NASA
Regenwolken über dem Amazonas © NASA

Einzigartig auf der Erde, erzeugen die Tropenwälder des Amazonas etwa die Hälfte ihres Regens durch Verdunstung selbst. Gibt es weniger Bäume, gibt es weniger Regen – und wiederum weniger Bäume. Ein Teufelskreis ohne Entrinnen für große Teile des Amazonas-Regenwaldes. „Der Mensch hat den Wasserkreislauf des Amazonas bereits aus dem Gleichgewicht gebracht. Aber es gibt einen Moment, den sogenannten Kipp-Punkt, ab welchem sich die Zerstörung verselbständigt und wir sie nicht mehr aufhalten können“, erklärt Maldonado. „Wir sind unmittelbar vor diesem Moment und haben mit Glück noch 20 bis 30, mit Pech nur noch fünf Jahre, um den Amazonas zu retten.“ Wo heute noch Regenwald ist, könnte morgen Savanne sein. Fatal für die Artenvielfalt, fatal für den Menschen, fatal für das Weltklima.

Was hilft?

Weiträumige Schutzgebiete können den Amazonas-Regenwald über der kritischen Größe erhalten – auch in Brasilien. Der größten Entwaldungsfront der Welt im Süden des Amazonas steht die mehr als zehn Millionen Hektar große Juruena-Landschaft entgegen, in welcher der WWF zahlreiche Schutzgebiete unterstützt, einschließlich des Juruena-Nationalparks. „Hier konnten wir die Entwaldung bis jetzt entscheidend verlangsamen. Schon ein Blick auf Google Earth reicht aus, um das zu sehen“, so Roberto Maldonado.

Für die Menschen - für die Natur

Abgesehen von Kontrolle und Überwachung im Feld gegen den Raubbau an der Natur, helfen nachhaltige Einkommensquellen vor Ort, die Wälder langfristig zu schützen. Der WWF unterstützt die lokale Bevölkerung im Amazonas-Gebiet seit 2007 – und ganz aktuell durch eine Corona-Nothilfe. „Die Menschen in den Schutzgebieten brauchen Hilfe und werden dafür auch Gegenleistungen erbringen“, so Roberto Maldonado. „Diese Menschen können mit uns den Wald schützen, wenn sie nicht in die Hände von Spekulanten fallen.“ Es fehlt an Essen, es fehlt an Informationen, es fehlt an medizinischer Ausrüstung. Es fehlt am Nötigsten, das schnelle Maßnahmen nun zur Verfügung stellen.

Politischer Druck und Druck auf Unternehmen für entwaldungsfreie Lieferketten, Umweltbildung an Schulen, die Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort und nicht zuletzt die Unterstützung indigener Gemeinschaften: Der Schutz des Regenwaldes ist so vielfältig wie der Regenwald selbst. Und so umfassend. Schließlich geht es hier um den größten Tropenwald der Erde und eines der Herzstücke unseres Planeten.

Schützen Sie die Wälder der Welt

Helfen Sie uns, die Vernichtung zu stoppen.

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