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Leuchtturm „Long An“Das Müllprojekt für den Mekong ist gestartet

Ein Besuch im Projektgebiet in der Long-An-Provinz im Mekong-Delta

Vietnam ist ein wunderschönes, tropisches Land mit atemberaubender Natur und wertvollen Pflanzen und Tieren. Und es gehört gleichzeitig zu den fünf Ländern, von denen weltweit am meisten stinkender und gefährlicher Plastikmüll ins Meer gelangt.

Der WWF geht dieses gewaltige Problem an. Mit einem maßgeschneiderten Modellprojekt für die Provinz Long An im Mekong-Delta. Wenn das Projekt gelingt, kann es Vorbild sein. Und so langfristig das gigantische Müllproblem von ganz Vietnam lösen.

Ozeanretter werden © WWF
Müllbehälter für Gemeinde in Vietnam © GettyImages

Mit 50 € tragen Sie beispielsweise zur Bereitstellung von Müllbehältern für Schulen und Gemeinden bei, damit der Müll korrekt gesammelt werden kann.

Müllkarren für Gemeinde in Vietnam © GettyImages

Mit 80 € können Sie zum Beispiel die Anschaffung von Müllkarren für die Gemeinden unterstützen, damit der Müll eingesammelt und abtransportiert werden kann.

Aufklärungsarbeit Vietnam © Thomas Cristofoletti / WWF US

Mit 150 € leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung in Vietnam, um Druck auf die Regierungen und Unternehmen zu erzeugen.

Kompost ist der Schlüssel zum Erfolg

Und das ist der Plan: In Long An hat der WWF ein genau auf die Region und ihre Probleme zugeschnittenes Abfallwirtschaftskonzept entwickeln lassen. In einem Teil der Stadt Tan An wird der Abfall jetzt getrennt gesammelt. Etwa 4.500 Familien machen mit. Sie alle sind intensiv aufgeklärt und darin geschult worden, ihren Müll schon zu Hause sorgfältig zu sortieren. Denn: Recycling kann nur funktionieren, wenn die Wertstoffe von Anfang an, jeden Tag, in jedem einzelnen Haus penibel getrennt werden. Aus dem Biomüll – also z.B. Bananenschalen, Kaffeesatz, Obst- und Gemüseresten und allen anderen Küchen- und Gartenabfällen (immerhin 60 Prozent der privaten Müllmenge) entsteht hochwertiger Kompost.

Und der Restmüll wird deponiert oder verbrannt. Mit Spendengeldern konnten inzwischen spezielle Müllkarren angeschafft werden. Sie haben getrennte Fächer für Wertstoffe (Plastik, Glas, Papier), Biomüll und Restmüll. Die Karren sind klein und wendig und können deshalb gut durch die engen, teilweise unbefestigten, bei Regen oft matschigen Straßen der Stadt gezogen werden. Die Sammler sollen streng darauf achten, dass der Müll auch wirklich richtig getrennt wird. Haushalte, bei denen das nicht klappt, bekommen Besuch von der Frauenunion – und die hat im sozialistischen Vietnam einiges zu sagen.

Bisherige Lage im Projektgebiet Long An am Mekong © WWF
Bisherige Lage im Projektgebiet Long An am Mekong © WWF

Biomüll – das grüne Gold für Vietnams Abfallwirtschaft

Die sorgfältige private Trennung - vor allem des Komposts - ist entscheidend für den Erfolg des gesamten Modellprojekts. Denn: „Unser Abfallwirtschaftskonzept zeigt, dass für Kompost in Vietnam gutes Geld gezahlt wird“, sagt WWF-Experte Bernhard Bauske. Durch die Erlöse, die mit Kompost erzielt werden, kann sogar ein großer Teil der anfallenden Müllsammel- und Entsorgungskosten finanziert werden! Das wäre ein großartiger Erfolg. Aber dazu muss der Müll eben äußerst penibel und sauber getrennt werden, damit keine hochgiftigen Schadstoffe in den Kompost geraten. Etwa durch auslaufende Batterien oder das Quecksilber und die Scherben kaputter Glühbirnen. Derart verunreinigt ist Kompost kaum zu gebrauchen. Tatsächlich gibt es in Vietnam einen hohen Bedarf an Kompost und Kompostprodukten. Er wird verkauft an Farmer, Landschaftsgärtner und Gärtnereien. Je höher die Kompostqualität ist, umso größer wird die

Nachfrage und damit der erzielbare Gewinn. Kompost ist also ein wichtiger Baustein des Modellprojekts, er trägt entscheidend zur Finanzierung des Abfallwirtschaftskonzepts bei. Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen Grund, warum der Kompost gründlich vom Rest des Mülls getrennt werden muss: Die Verbrennung des Restmülls funktioniert nur bei halbwegs trockenem Müll gut. Also Müll mit wenig organischen Anteilen. Sonst ist die Verbrennungstemperatur zu niedrig und hochgiftige Dioxine und Furane werden durch die Schornsteine in die Luft geblasen. Durch die strenge private Mülltrennung können übrigens auch Plastik und andere Wertstoffe sortenreiner gewonnen werden. Das wiederum erhöht die Einnahmen aus der Verwertung der jeweiligen Abfallteile. Und es reduziert die Plastikanteile im Restmüll. Am Ende gelangt auch weniger Plastikmüll in die Meere.

Stopp die Plastikflut im Mekong © James Morgan / WWF

Noch wird wenig recycelt, gar nicht getrennt

Die bisherigen, traurigen Erfahrungen mit dem Schicksal von begonnenen und dann wieder aufgegebenen Mülltrennungsprojekten in Vietnam machen eines klar: Für eine funktionierende Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft fehlte es bislang sowohl an politischem Willen und Problembewusstsein als auch an Know-how, Infrastruktur und finanziellen Mitteln. „Wir müssen in Long An deshalb kontinuierlich bei der Stange bleiben und die Qualität der Abfallsammlung permanent nachjustieren und sichern“, sagt WWF-Experte Bauske. „Das wird ein zentrales Element unseres Projektes sein.“ Und da es ein Modellprojekt ist, muss alles darangesetzt werden, dass es gelingt. Nur so werden andere Städte und Provinzen überzeugt und machen mit.
Ein Leuchtturm sein unter vielen gescheiterten

Anläufen – das wird eine wahrlich schwere Aufgabe. Denn generell - auch das hat das Abfallwirtschaftskonzept ergeben - sind die technischen und ökologischen Standards der Abfallbehandlung in Vietnam bisher äußerst schlecht. In ländlichen Gegenden wird der Müll oft gar nicht eingesammelt. Die Menschen vergraben ihren Plastikmüll im Garten. Überall, in Hinterhöfen, am Wegesrand oder im Feld, kokeln giftig-stinkende Müllfeuer vor sich hin. Oder der Müll wird einfach säckeweise in den Fluss geworfen und gelangt über das weit verzweigte Mekong-Delta ins Meer. Wichtig ist deshalb, dass das Müllprojekt für die Mekong-Region dringend auf die abgelegenen Dörfer und schwer erreichbaren ländlichen Regionen erweitert wird.

Erste Schritte auf einem langen Weg

Bei einem Treffen im Februar 2019 mit Entscheidungsträgern in der Provinzhauptstadt Tan An erläuterten vom WWF beauftragte Abfall-Experten und Vertreter des WWF weitere Details der Umsetzung. Etwa 50 Personen waren gekommen: Die Umweltbehörde, das regionale Volkskomitee, Vertreter der Frauenunion und Einwohner der Stadt – sie alle waren neugierig und wollten mehr über ihr neues Abfallwirtschaftskonzept erfahren. Auch wenn auf der Versammlung skeptische Töne zu hören waren - das Volkskomitee will das Müll-Projekt für den Mekong weiter unterstützen. Mit Hilfe des WWF konnte schon vieles detailliert

geplant werden: Der genaue Weg der Müll-Sammelfahrzeuge ist bereits festgelegt, so dass möglichst viele Haushalte erreicht werden. Zentral gelegene Sammelstellen sind geplant und zahlende Abnehmer gefunden für den Kompost und für das recycelbare Plastik. Am Abend verließen die WWF-Mitarbeiter die Stadt Tan An, um von Ho Chi Minh City nach Hause zu reisen. Auf dem Weg kündeten immer wieder schwarze Rauchfahnen von brennenden Müllhaufen mitten in der Natur. Plastiktüten, Folien und Verpackungen wirbelten am staubigen Straßenrand umher. Es ist also noch unglaublich viel zu tun. Aber ein Anfang ist gemacht.

Der Mekong: Schlüsselrolle für das Plastikmüll-Problem

WWF-Plastikmüllprojekte in Vietnam © WWF
WWF-Plastikmüllprojekte in Vietnam © WWFLupe


Der Mekong ist ein gewaltiger Strom, der durch sechs asiatische Länder fließt. Er gehört zu den zehn Flüssen, die weltweit am meisten Plastik in die Meere eintragen.

Lage:
Südostasien

Länder: China, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam

Länge: mit über 4.300 km der zwölftlängste Fluss der Welt

Bedeutung: eine der größten Binnenfischereien der Welt, Transport von Menschen und Waren, Bewässerung und Fruchtbarkeit der Böden, Touristenmagnet

Ozeanretter werden © naturepl.

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