Eine neue WWF-Analyse zeigt: Die EU ist Drehscheibe für den globalen Handel mit Haien und Rochen. 184.000 Tonnen Haifleisch wurden zwischen 2009 und 2019 allein von Spanien aus exportiert.

In Portugal angelandete Blauhaie © Nuno Quieroz
In Portugal angelandete Blauhaie © Nuno Quieroz

Haie und Rochen spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem Meer, da sie für die Regulierung ihrer Beuteorganismen sorgen, dadurch Lebensräume vital halten und den Austausch von Nährstoffen in den verschiedenen Ozeanschichten fördern.

Dass sie außerdem unter der Überfischung der Meere erheblich leiden und weltweit eine begehrte Handelsware sind, bleibt von der Öffentlichkeit bislang nahezu unbemerkt. Bis zu 100 Millionen Haie und Rochen sterben jedes Jahr durch die Fischerei.

Eine neue WWF-Analyse von über 250 Ländern und Territorien zeigt jetzt: Im weltweiten Handel mit Haifleisch und Haiflossen spielt die Europäische Union eine zentrale Rolle! Sowohl beim Import, Export als auch beim Konsum der Fische sind EU-Staaten wichtige Märkte und Brückenhändler und nehmen damit eine Schlüsselrolle im globalen Handelsnetzwerk ein. 184.000 Tonnen Haifleisch wurden zwischen 2009 und 2019 allein von Spanien aus in 85 Länder exportiert.

Weltweite Nachfrage nach Hai- und Rochenfleisch

Schillerlocken © Heike Zidowitz / WWF
Schillerlocken © Heike Zidowitz / WWF

Die vom WWF beauftragte wissenschaftliche Analyse macht erstmals auch die wichtigen Zwischenhändler, Beziehungen und Netzwerke innerhalb der globalen Handelsströme sichtbar.

So wird deutlich: Im letzten Jahrzehnt bestanden die wichtigsten Handelsbrücken für Haifleisch zwischen Japan und Spanien, Portugal und Spanien, Großbritannien und Spanien, Japan und Panama sowie China und Japan.

„Oft steht die Nachfrage nach Haiflossen aus dem asiatischen Raum im Mittelpunkt, doch unsere Analyse zeigt, dass weltweit eine beträchtliche Nachfrage nach Fleisch von Haien und Rochen besteht, die den Rückgang dieser Arten mit vorantreibt“, bestätigt Heike Zidowitz, Haiexpertin des WWF Deutschland.

Insgesamt gehen 22 Prozent der Im- und Exporte im gesamten globalen Haifischhandel auf europäische Länder zurück. Das bedeutet: Mehr als jeder fünfte gefischte Hai wurde über ein EU-Land eingeführt oder weiterverkauft. Die EU ist zu einem Hauptversorger der östlichen und südostasiatischen Märkte geworden.

Aber auch nach Deutschland werden durchschnittlich jährlich immerhin 32 Tonnen frisches Haifleisch importiert, das meist als „Schillerlocken“, den geräucherten Bauchlappen des Dornhais, verkauft wird. Im Vergleich zu den Importmengen anderer Staaten ist diese Menge jedoch gering.

2,6 Milliarden Dollar wurden zwischen 2012 und 2019 weltweit mit Hai- und Rochenfleisch umgesetzt. Eine weitere Erkenntnis aus der WWF-Analyse ist, dass der globale Handel mit Hai- und Rochenfleisch in Umfang und Wert fast doppelt so groß ist wie der Handel mit den eigentlich sehr viel teureren Haiflossen.

Mehr Transparenz und Kontrolle

Als Folge der extremen Überfischung sind einige Populationen bereits um 95 Prozent zurückgegangen. 36 Prozent aller Hai- und Rochenarten sind bereits bedroht. Über das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) wird der Handel mit 43 gefährdeten Hai- und Rochenarten reguliert oder ist ganz verboten (Sägerochen).

„Der Handel mit Haifleisch ist ein komplexes und undurchsichtiges Geschäft, das transparenter werden muss.“

Heike Zidowitz, Haiexpertin WWF Deutschland

Aus der Machtposition, die die EU durch ihre zentrale Rolle auf dem Weltmarkt innehat, muss auch ihre Verantwortung resultieren, mehr Aufschluss über die gefangenen und gehandelten Arten zu geben, illegale Haifischerei einzudämmen und die Rückverfolgbarkeit zu erhöhen.

„Der Handel mit Haifleisch ist ein komplexes und undurchsichtiges Geschäft, das transparenter werden muss. Rückverfolgbarkeit ist vom Fang bis zu jeder Stufe der Lieferkette erforderlich, um sicherzustellen, dass der Handel legal und überschaubar bleibt, und um geschützte Arten vom Markt fernzuhalten“, so Zidowitz.

Mit der Fischereikontrollverordnung und der Verordnung zur Bekämpfung illegaler und unregulierter Fischerei (IUU) verfügt die EU bereits über gute Instrumente. Ein umfassendes Managementsystem für alle Haifischereien existiert jedoch bisher nicht.

Kein Hai auf unseren Tellern

Katzenhaifleisch zum Verkauf in Kroatien © Simone Niedermüller / WWF
Katzenhaifleisch zum Verkauf in Kroatien © Simone Niedermüller / WWF

Das Verschwinden der Haie und Rochen ist auch ein Hinweis auf den dramatischen Zustand unserer Meere. Überfischung stellt zwar zurzeit die größte Bedrohung dar, Klimawandel und Lebensraumzerstörung setzen die Bestände aber zusätzlich unter Druck.

Der WWF empfiehlt, wenn möglich ganz auf Hai- und Rochenfleisch zu verzichten. Nur die allerwenigsten Tiere dürften aus nachhaltiger und rückverfolgbarer Fischerei stammen, und zumindest in Europa spielen Haie und Rochen auch für die Ernährungssicherheit keine bedeutende Rolle.

Haie und Rochen gibt es seit 450 Millionen Jahren auf dieser Erde. Sorgen wir dafür, dass sie auch in Zukunft unsere Ozeane bereichern.

WWF-Podcast mit Heike Zidowitz zum Thema Haie

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