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Stand: 23.09.2018

Großartiger Erfolg in Nepal: Anzahl der Tiger fast verdoppelt

Auf diese Zahl kann Nepal stolz sein: 235 Tiger wurden laut einer Studie aktuell in Nepal gezählt. Damit hat sich die Zahl der bedrohten Großkatzen von 121 im Jahr 2009 bis heute nahezu verdoppelt. Wenn sich dieser positive Trend fortsetzt, wird Nepal wohl als erstes Tigerland das Ziel erreichen, die Zahl seiner frei lebenden Tiger bis zum Jahr 2022 zu verdoppeln.

Tiger in einer Kamerafalle in Nepal © DNPWC / WWF-Nepal
Tiger in einer Kamerafalle in Nepal © DNPWC / WWF-Nepal

Dieses Ziel wurde 2010 auf dem „Tigergipfel" in Sankt Petersburg von 13 Tigerstaaten formuliert, in denen heute noch Tiger leben oder vor nicht allzu langer Zeit vorkamen. Das Jahr 2022 gilt nicht nur als realistische, sondern auch als symbolische Zielmarke, denn es wird laut chinesischem Kalender wieder das Jahr des Tigers sein. Das kleine Land im Himalaja hat aber schon jetzt eine absolute Vorreiterrolle im Tigerschutz eingenommen. Die Zerschneidung wichtiger Lebensräume und Wilderei gehören zu den größten Gefahren für die imposanten Raubkatzen. Wie hat Nepal es trotzdem geschafft, die Lebensbedingungen für den Tiger zu verbessern und ihn effizient vor Wilderern zu schützen?

Tigerschutz in Nepal: Verantwortungsvoll und konsequent

„Der politische Wille, die Bereitstellung finanzieller Mittel und die gut koordinierte Zusammenarbeit von Umweltschutzorganisationen, Politik und Kommunen machen den Erfolg dieses Landes möglich", meint Kathrin Hebel, Tigerexpertin vom WWF Deutschland. Vier wichtige Meilensteine zum Schutz der Tiger werden dabei seit Jahren in Nepal umgesetzt und immer weiter ausgebaut:

1. Effektives Management von Schutzgebieten:

Ranger-Patrouille in der Terai-Arc-Region © Gary Van Wyk / The Ginkgo Agency / Whiskas / WWF UK
Ranger-Patrouille in der Terai-Arc-Region © Gary Van Wyk / The Ginkgo Agency / Whiskas / WWF UK

Nepal hat erkannt, dass es nicht reicht, ein Gebiet auf dem Papier zum Schutzgebiet zu erklären, es muss auch effektiv verwaltet und streng kontrolliert werden. Dazu wurden Ranger ausgebildet, Wachposten errichtet und unter anderem vom WWF und anderen Umweltschutzorganisationen mit geeigneter Ausrüstung ausgestattet.

Aber auch Maßnahmen zum Schutz der Wälder als wichtiger Lebensraum für Tiger und andere Arten werden umgesetzt. So trägt der Tigerschutz gleichzeitig zum Klimaschutz bei. Denn wo viele Tiger leben, ist das Ökosystem des Waldes größtenteils intakt, den wir alle so dringend als Kohlenstoffspeicher brauchen, um die Erderhitzung noch zu bremsen.

2. Einrichtung von Wildkorridoren

Auf der Suche nach geeigneten Revieren legen junge Tigermännchen lange Wanderungen zurück. Erst wenn sie ein passendes Revier gefunden haben, werden sie geschlechtsreif. Deshalb ist die Vernetzung von Schutzgebieten durch grüne, unbesiedelte Korridore so wichtig. Manchmal kommen aber auch Grünbrücken oder Tunnel unter Autobahnen zum Einsatz, um den Tieren das Wandern zu ermöglichen.

3. Lösung von Mensch-Tiger-Konflikten

Das Sammeln von Feuerholz kann gefährlich sein © James Morgan / WWF US
Das Sammeln von Feuerholz kann gefährlich sein © James Morgan / WWF US

Wird ein Rind von einem Tiger gerissen, kann daran eine ganze Existenz zerbrechen. Deshalb werden den oft bettelarmen Menschen Entschädigungszahlungen für gerissene Rinder gezahlt und feste Stallungen errichtet, um die Tiere vor allem nachts zu schützen. Tiger sind scheue Jäger, die sich Dörfern in der Regel nicht von sich aus nähern. Doch zum Feuerholz sammeln müssen die Einheimischen, meist Frauen, oft tief in den Wald und damit in den Lebensraum des Tigers eindringen. Der Einsatz von mit Rinderdung betriebenen Biogasanlagen zur Energieerzeugung hilft hier, Konflikte mit Tigern zu vermeiden. Das gewonnene Biogas genügt, um eine kleine Kochstelle zu betreiben, auf der Essen zubereitet werden kann. Die Frauen müssen also nicht mehr in den Wald, um Feuerholz zu finden. Die gefährlichen Begegnungen zwischen Mensch und Tigern werden deutlich reduziert. Der WWF hat allein 170 solcher Biogasanlagen gemeinsam mit der Deutschen Entwicklungsbank (KfW) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und rund 400 Stallungen für den Schutz von Rindern und Ziegen bereitgestellt. Dieses gemeinsame Engagement wird hoffentlich auch in Zukunft fortgesetzt und weiter ausgebaut werden.

"Die Menschen sind das Herz des Tigerschutzes."

Kathrin Hebel

Doch der beste Schutz frei lebender Wildtiere in einer so dicht besiedelten Landschaft ist vor allem, wenn sich die Anwesenheit der Tiere für die Menschen vor Ort auch finanziell lohnt. Daher ist der Aufbau von Ökotourismus ein weiterer wichtiger Ansatz. Nicht nur die Tiger, sondern auch Nashörner und Elefanten locken immer mehr Touristen in einige Schutzgebiete. Sie übernachten zunehmend in sogenannten Home Stays bei lokalen Familien und werden dort auch entsprechend verpflegt. Andere Dorfbewohner arbeiten als Touristenführer oder Wildhüter. Die Menschen vor Ort erleben also, dass die Anwesenheit der Wildtiere ihre Region attraktiver macht. Das bedeutet auch, dass sie besser darauf aufpassen, dass diese Tiere nicht durch Wilderei verschwinden.

4. Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels

Chinesische Werbung für Tigerprodukte © Caroline Liou / WWF
Chinesische Werbung für Tigerprodukte © Caroline Liou / WWF

Die Grenzkontrollen zu den Nachbarländern, aber auch die Überwachung bekannter, illegaler Handelsrouten werden immer weiter verbessert und Zollbeamte, Grenzpolizei und Staatsanwälte geschult.

Besonders in China und in Vietnam gibt es immer noch eine große Nachfrage nach Tigerprodukten, die als Statussymbol, Talisman oder vermeintliches Heilmittel in der Traditionellen Chinesischen Medizin reißenden Absatz finden. Der WWF kämpft seit Jahren gegen diesen absurden Handel und setzt sich für Aufklärung, aber auch für höhere Strafen bei Wilderei und illegalem Wildtierhandel sowie für nachhaltige Einkommensquellen für die Menschen vor Ort ein.

Mehr Tiger, mehr Gefahren?

Paradoxerweise setzt der großartige Erfolg das kleine Land aber auch enorm unter Druck. Kathrin Hebel: "Mehr Tiger bedeuten auch: Mehr Begehrlichkeiten bei den Wilderern. Und die Nachfrage nach Tigerprodukten ist leider ungebrochen." Nepal darf in seinen Schutzbemühungen also nicht nachlassen, sondern muss die erfolgreichen Maßnahmen auch in Zukunft konsequent umsetzen und die dafür notwendige Infrastruktur erhalten.

Die anderen Tigerstaaten müssen endlich dem Beispiel Nepals folgen und ebenfalls ihre Verantwortung zum Erreichen der globalen Tigerschutzziele wahrnehmen. Gerade die südostasiatischen Länder halten sich sehr bedeckt, was ihre Tigerbestände und ihre Bemühungen zum Schutz dieser Tiere betrifft. Kein Tigerland darf sich hinter den Staaten verstecken, die ihren Tigerschutz erfolgreich umsetzen.

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