Wir schwimmen in Seen, ohne zu merken, dass sie früher einmal Flüsse waren, die durch eine Staumauer abrupt zum Stillstand gebracht wurden. Wir verbringen unsere Freizeit auf schnurgeraden Flussradwegen, ohne darüber nachzudenken, dass der Deich, der den geraden Lauf erzwingt, den Fluss von seiner Aue trennt.
Eigentlich sind Flüsse dynamische, sehr lebendige Naturphänomene. Mal klein, mal riesig, mal tief, mal flach, mal klar, mal trüb. Und immer in Bewegung. Wir haben Flüsse Jahrzehntelang eingezwängt, unterbrochen, aufgestaut, ausgeleitet und ihrer Kraft beraubt. Um Platz für Landwirtschaft und Siedlungen zu schaffen, um Wasser für Fabriken zu extrahieren, um sie schiffbar zu machen und um Strom zu produzieren. Diese Änderungen haben unsere Bäche und Flüsse ökologisch stark geschwächt. Ihre Selbstreinigungskraft ging verloren, ihre charakteristischen Arten ebenfalls. Ihr ökologischer Zustand ist nicht gut. Im Jahr 2021 erreichen nur neun Prozent aller Oberflächengewässer in Deutschland den durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderten „guten ökologischen Zustand“.