Das Projekt „Wiederherstellung von Waldlandschaften in Ostafrika“ des WWF hat entscheidend dazu beigetragen, die Lebensrealitäten der lokalen Gemeinden zu verändern. Doch welche konkreten Auswirkungen hat das Engagement für die lokalen Gemeinschaften in den Projektgebieten? Sechs Beteiligte berichten, wie aktiver Waldschutz und nachhaltiger Feldfruchtanbau heute zusammenwirken und wie daraus verlässliche Einkommens- und Lebensperspektiven entstanden sind.
In Kenia, Tansania und Sambia hat der WWF gemeinsam mit lokalen Gemeinden degradierte Waldlandschaften wiederhergestellt und nachhaltige Einkommensmöglichkeiten geschaffen. Nach fünf Jahren intensiven Engagements zeigt sich eine signifikante Veränderung: der Schutz der Wälder und die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft haben nicht nur den Erhalt der Biodiversität unterstützt, sondern auch die Lebensbedingungen von mehr als 7.400 Menschen spürbar verbessert.
Das WWF-Projekt wirkt: Blick in die beteiligten Communities
Wanderfeldbau, Siedlungsdruck und Brände bedrohen die Wälder
In Kenia, Tansania und Sambia befinden sich einige der ökologisch wichtigsten Waldlandschaften der Welt. Heute bedecken diese einst weitläufigen Wälder nur noch einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Fläche. Und sie stehen weiter massiv unter Druck: Für Landwirtschaft – vorrangig Wanderfeldbau – und Viehhaltung sowie für den Bau neuer Siedlungen werden immer mehr Flächen benötigt. Die Nachfrage nach Brennholz und unkontrollierte Waldbrände führen zu weiterer Zerstörung. All dies gefährdet wiederum die Lebensgrundlagen der Menschen, die von den natürlichen Ressourcen abhängig sind.
Wir verdienen heute gut, ja, aber was noch wichtiger ist: Wir sehen unsere Wälder jetzt als etwas, das es zu schützen und nicht auszubeuten gilt.“
Akakulubelwa Muleya, Projektteilnehmer aus Kapeya, Sambia
Ganzheitlicher Projektansatz geht über Aufforstung hinaus
Der WWF hat daher von Anfang 2021 bis April 2026 das Projekt zur Wiederherstellung von Waldökosystemen in Ostafrika durchgeführt. Doch es umfasste mehr als nur das Pflanzen von Bäumen. Ziel war es, die ökologischen Funktionen, die Biodiversität und die Produktivität in entwaldeten und degradierten Gebieten wiederherzustellen und gleichzeitig das Wohlergehen der dort lebenden Menschen zu fördern. Der ganzheitliche Ansatz „Forest Landscape Restoration” (FLR) berücksichtigt die Bedürfnisse und Rechte der Bevölkerung und schafft die Grundlage dafür, dass Mensch und Natur in Einklang leben können.
Drei Projektkomponenten haben wir in Zusammenarbeit mit den Gemeinden vor Ort adressiert:
1. Die Wiederherstellung von Wäldern, Weide- und Uferland,
2. die Verbesserung der Lebensgrundlage der an die Wälder angrenzenden Gemeinden durch den Aufbau land- und forstwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten.
3. sowie die Einflussnahme zur Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen für die Wiederherstellung von Waldlandschaften.
Im Zentrum des Projektes standen Modelllandschaften mit einer Fläche von insgesamt 37.500 Hektar in ausgewählten, landestypischen Gebieten Tansanias, Kenias und Sambias.
Projektgebiet Kenia: Aberdare-Berge, Naivasha-See und -Seebecken
Nebelverhangene Bergwälder und Bambusdickichte, alpine Moorlandschaften, Gebirgsbäche und Wasserfälle prägen den Aberdare-Nationalpark. Hier leben Elefanten und Spitzmaulnashörner, Riesenwaldschweine, Bongos und die seltene Afrikanische Goldkatze. Die fortschreitende Entwaldung bedroht nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Lebensgrundlagen der umliegenden Gemeinden. Darüber hinaus sind die Bergwälder der Aberdares von zentraler Bedeutung für die Klimaregulation und Wasserversorgung weiter Teile Kenias.
Projektgebiet Tansania: Küstenregionen und Miombo-Wälder der Ruvuma-Landschaft
Die für das Modellprojekt ausgewählte Ruvuma-Landschaft ist geprägt von Miombo-Trockenwäldern mit lichten, feuerangepassten Baumbeständen. Auch Flusssysteme, Feuchtgebiete und Savannen sind Teil des Ökosystems. Die Landschaft bietet Elefanten, Antilopen und zahlreichen Vogelarten Lebensraum und bildet zugleich die Lebensgrundlage vieler ländlicher Gemeinschaften, die auf Waldprodukte und kleinbäuerliche Landwirtschaft angewiesen sind.
Projektgebiet Sambia: Trockenwälder des Silowana-Komplex
Die Projektgebiete in Sambia liegen im Silowana-Komplex, einem Teil des grenzüberschreitenden Kavango-Sambesi-Schutzgebietsnetzwerks (KAZA). Sein Herzstück ist der 530.000 Hektar große Sioma-Ngwezi-Nationalpark, welcher von Wildschutzgebieten und staatlichen Waldreservaten umgeben ist. Auch in Sambia ist der Wanderfeldbau mit seinem hohen Flächenverbrauch eine Hauptursache für fragmentierte Waldlandschaften und den Verlust biologischer Vielfalt. Ein weiteres Problem ist die wachsende Nachfrage nach sambischem Teakholz und anderen Harthölzern.
Wie Waldlandschaften wiederhergestellt wurden
Diese einzigartigen Herausforderungen der Projektgebiete erfordern gezielte Maßnahmen zur Wiederherstellung der wichtigen Waldlandschaften. Sie führten bis zum Abschluss des Projektes zu bemerkenswerten Erfolgen, die entscheidend für die Verbesserung der ökologischen und sozialen Bedingungen waren.
In Tansania wurden neue Dorfwaldreservate geschaffen. Dadurch konnten 6.390 Hektar Fläche renaturiert und 24.816 Hektar Wald durch ordnungsgemäße Bewirtschaftung und Brandmanagement geschützt werden.
In Kenia konnten in den Modellgebieten der Aberdare-Berge und des Naivasha-Seebeckens 106,2 Hektar landwirtschaftlicher Fläche wiederaufgeforstet, 40 Kilometer Uferland kartiert und wiederhergestellt sowie 441,61 Hektar Wald durch Pflanzungen renaturiert werden.
In Sambia wurden sechs Waldbewirtschaftungsgruppen gegründet, die nun eine Gesamtfläche von 101.136 Hektar Wald verwalten.
Verbesserung der Lebensgrundlage der angrenzenden Gemeinden
Ein zentraler Aspekt war die Stärkung der lokalen Gemeinschaften. Während des Projektes haben wir gemeinsam robuste wirtschaftliche Strukturen für Produkte aus Waldlandschaften aufgebaut – darunter Baumtomaten in Kenia, Sesam und Sonnenblumen in Tansania sowie Teufelskralle und Mongongo-Öl in Sambia. Die ökonomischen Effekte sind messbar: Die Gesamteinnahmen der Begünstigten stiegen in Kenia um 54 Prozent, in Tansania um 41 Prozent und in Sambia um 40 Prozent gegenüber dem Ausgangswert.
In den Modellregionen in Kenia wurden 447 Gemeindemitglieder in nachhaltigen Praktiken für Landnutzung geschult, davon waren 28 Prozent Frauen. Auch die Produktpalette der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern konnten wir um neue Kulturen erweitern.
In Tansania haben sich Frauengruppen gebildet, die im Umgang mit Ölpressmaschinen geschult wurden. Insgesamt wurden 9.679 Menschen – davon rund 30 Prozent Frauen – durch das Projekt befähigt, Einnahmen aus nachhaltigen Holzverkäufen, naturschonender Landwirtschaft, Nicht-Holz-Waldprodukten und Ökotourismus zu erzielen.
In Sambia erreichte das Projekt 2.000 Menschen in sechs Zielgemeinden, davon 40 Prozent Frauen und 32 Prozent Jugendliche. Sie erhielten Ausrüstung wie etwa Imkereigeräte oder Mühlen zur Verarbeitung von Mongongo- und Teufelskralle. Durch Schulungen in nachhaltiger Landwirtschaft, Unternehmertum und Wertschöpfung erhielten sie zudem einen Zugang zu neuen Waldprodukten und Einkommensmöglichkeiten.
Wirkung des Projektes über die Modellregionen hinaus
Die während des WWF-Projektes erprobten Ansätze lassen sich auf andere Regionen mit ähnlichen Bedingungen übertragen. Darüber hinaus hat sich das Projekt für die Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen eingesetzt – mit Erfolg!
Kenia unterzeichnete am 21. März 2025 seine National Landscape and Ecosystem Restoration Strategy, die die Wiederherstellung degradierter Landschaften und Aufforstung des Baumbestandes beinhaltet. Tansania hat sich verpflichtet, bis 2030 insgesamt 5,2 Millionen Hektar degradierter Flächen wieder herzustellen. Sambia arbeitet ebenfalls an einer nationalen Strategie und wird dabei weiterhin vom WWF unterstützt.
Damit haben alle drei Länder wichtige politische Voraussetzungen für die Wiederherstellung und den langfristigen Schutz ihrer Waldlandschaften geschaffen.
Dieses Projekt wurde unterstützt durch das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
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Kenia und Tansania