Die Regenwälder des Kongobeckens sind nach dem Amazonas das zweitgrößte zusammenhängende tropische Regenwaldgebiet der Welt. Sie beherbergen seltene und endemische Arten und sind seit Jahrtausenden Heimat indigener Völker. Im Sangha-Trinational-Schutzgebiet ist es Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und der Republik Kongo gelungen, einen Teil dieser einzigartigen Ökoregion unter Schutz zu stellen. Doch der menschengemachte Druck auf die Biodiversität und das kulturelle Erbe wächst.

Eine Gruppe von Waldelefanten, aufgenommen von einer Kamerafalle in Dzanga Sangha.
Eine Gruppe von Waldelefanten, aufgenommen von einer Kamerafalle in Dzanga Sangha © WWF International

Rund 3,6 Millionen Quadratkilometer umfasst das tropische Regenwaldgebiet des Kongobeckens, das sich über mehrere Länder in Zentralafrika erstreckt: von den Küstenländern Kamerun, Gabun, Äquatorialguinea und der Republik Kongo bis zur Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo.

Es ist eine der intaktesten Ökoregionen der Welt mit einer vielfältigen und zum Teil endemischen Tier- und Pflanzenwelt.

Die dichten Regenwälder, Sümpfe, Lichtungen und Flusslandschaften sind einige der letzten Habitate für gefährdete und vom Aussterben bedrohten Arten wie den Afrikanischen Waldelefanten und die Westlichen Flachlandgorillas. Das Kongobecken ist zudem seit Jahrtausenden Heimat indigener Völker, der Pygmäen.

Ausbeutung des Kongobeckens durch die Kolonialmächte

Im 20. Jahrhundert hat das Kongobecken durch die Kolonialmächte empfindlichen Schaden genommen: Diese nutzten bestehende Handelsrouten, um Wälder und Bodenschätze auszubeuten; die einheimische Bevölkerung wurde entlang von Straßen umgesiedelt, um ihre Arbeitskräfte nutzen und gezielt missioniarisch tätig werden zu können, und zugleich die traditionelle Nutzung durch die lokale Bevölkerung eingeschränkt.

Heute stehen immerhin 15 Prozent des Kongobeckens, welches das zweitgrößte zusammenhängende tropische Regenwaldgebiet der Welt nach dem Amazonas beheimatet, unter Schutz. Ein Erfolg für den Erhalt der Biodiversität und den Klimaschutz. Zu verdanken ist dieser dem Zusammenwirken der souveränen Staaten im Kongobecken nach Ende der Kolonialzeit sowie der finanziellen, technischen und konzeptionellen Unterstützung internationaler Naturschutzorganisationen.

Nationalparks schützen heute 15 Prozent des Ökosystems

Nebel über dem Regenwald am Sangha-Fluss, Dzanga-Sangha.
Nebel über dem Regenwald am Sangha-Fluss, Dzanga-Sangha © IMAGO / imagebroker

Ein wichtiges Schutzgebiet befindet sich im Nordwesten des Kongobeckens: Das „Trinational de la Sangha“ (TNS) bündelt drei benachbarte Nationalparks, den Dhanga-Ndoko-Nationalpark in der Zentralafrikanischen Republik, Lobéké in Kamerun und Nouabalé-Ndoki in der Republik Kongo, zu einem grenzübergreifenden Schutzgebiet, das zu den am besten verwalteten Gebieten im Kongobecken zählt.

Im Jahr 2012 hat die UNESCO das Sangha-Trinational in die Liste der Welterbe aufgenommen – eine wichtige Anerkennung für die bereits in den 1980er Jahren begonnenen Naturschutzaktivitäten in der Region und für die im Schutzgebiet tätigen Organisationen, darunter der WWF.

„Der Status als UNESCO-Weltnaturerbe und die damit verbundene Erfüllung von Konventionen hat auch die Arbeit des WWF in der Region gestärkt und verbessert.“

Dr. Thomas Breuer, WWF-Seniorreferent für Zentral- und Westafrika

Der Sangha-Trinational ist UNESCO Welterbe

Schild am Eingang zum Nationalpark Dzanga-Ndoki, Baï-Hokou, Unesco-Weltnaturerbe.
Schild am Eingang zum Nationalpark Dzanga-Ndoki, Baï-Hokou, Unesco-Weltnaturerbe © IMAGO / Imagebroker

Durch die langjährige Zusammenarbeit des Managements des TNS mit Regierungspartnern, internationalen Nichtregierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen ist es gelungen, erfolgreichen Ökotourismus in der Region zu etablieren.

Jobs als Parkranger:innen und in der Tourismusindustrie selbst stärken die Region wirtschaftlich und schärfen das Bewusstsein der Bevölkerung in den umliegenden Gemeinden für die Bedeutung des Naturschutzes.

Das reiche kulturelle Erbe der Region, darunter traditionelle Jagd- und Sammelpraktiken, Musik, Tanz und spirituelle Rituale, ist eng mit den Wäldern verbunden.

Dem in der Region etablierten Ökotourismus gelingt es zunehmend, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Fortbestand dieser kulturellen Praktiken unterstützen. Entscheidend sind dabei die Anerkennung traditioneller Nutzungsrechte, der gesicherte Zugang zu Waldressourcen und verlässliche Einkommensmöglichkeiten.

In den entlegeneren Gebieten rund um den Sangha-Trinational beispielsweise sind Naturschutzprojekte sowie Unternehmen der FSC-zertifizierten Holzindustrie oft die einzigen Motoren ländlicher Entwicklung.

Inklusiver Naturschutz, Stärkung der indigenen Bevölkerung

Das Sangha-Trinational ist in vielerlei Hinsicht ein Best Practice-Beispiel für erfolgreiches Schutzgebietsmanagement und gelungene Beteiligung lokaler Gemeinschaften.

In den letzten Jahren ist es – nach Kritik aus menschenrechtlicher und traditioneller Perspektive – gelungen, den Naturschutz inklusiver zu gestalten und so die Zivilgesellschaft und insbesondere die indigene Bevölkerung zu stärken.

Und das Engagement des WWF zahlt sich aus: Es ist gelungen, eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den lokalen Organisationen zu etablieren, unter anderem durch ein Einführung eines funktionierenden Beschwerdemanagements, durch juristische Unterstützung der indigenen Bevölkerung und nicht zuletzt dank einer fundierten Ausbildung der Rangerinnen und Ranger, welche im TNS im Einsatz sind.

„Erfolgreiche Schutzgebiete benötigen langfristige Maßnahmen, Schutz- und Klimaschutzstrategien sowie eine ausreichende und nachhaltige Finanzierung.“

Dr. Thomas Breuer, WWF-Seniorreferent für Zentral- und Westafrika

Der Druck auf die Biodiversität des Kongobeckens wächst

Holzfäller einer FSC-Kooperation der BaAka in Kamerun.
Holzfäller einer FSC-Kooperation der BaAka in Kamerun © Brent Stirton / Getty Images /WWF-UK.jpg

Und trotzdem ist der steigende Druck durch menschliche Aktivitäten auf das gesamte Kongobecken auch im TNS spürbar. Industrieller Holzeinschlag und großflächige agroindustrielle Rodungen sowie extraktive Industrien wie Bergbau und Ölförderung verschmutzen das Süßwasser, bedrohen Tierbestände und gefährden das fragile Ökosystem.

Der WWF beobachtet mit großer Sorge, wie die Degradation auch den Sangha-Trinational erreicht: Illegaler Holzschlag und Brandrodungen der Kleinbauernlandwirtschaft lassen die Randzonen des TNS erodieren. Mensch-Wildtier-Konflikte und die gezielte Jagd auf „Buschfleisch“ haben das Potenzial, ganze Schutzgebietsprogramme zu gefährden.

Weitere Bedrohungen entstehen durch die politische Instabilität der Region und künftige (potenzielle) Wanderungen von Klimaflüchtlingen. Auswirkungen des Klimawandels lassen sich bereits heute beobachten: So reduziert ein heißeres Mikroklima die Verfügbarkeit von Wildfrüchten, das knappe Nahrungsangebot lässt Waldelefanten die Felder der Anrainer plündern, was die Anzahl der Mensch-Wildtierkonflikte erhöht.

Erfolgreich durch lokale Gemeinden

Berggorilla Lebensraum © Ralph Frank / WWF
Berggorilla Lebensraum © Ralph Frank / WWF

Die Finanzierung bleibt eine große Herausforderung, denn die Einnahmen aus dem Tourismus reichen bei Weitem nicht aus, um das TNS nachhaltig zu finanzieren.

Zwar bietet der länderübergreifende Sangha-Trinational spektakulärste Möglichkeiten, um Wildtiere im dichten Regenwald zu beobachten: Gerade das Gorilla-Trekking ist eingebettet in jahrzehntelange Forschung und die Anwesenheit der Forscherinnen und Forscher schützt die Gebiete rund um die Stationen. Dennoch bleibt der Tourismus im Kongobecken nicht zuletzt aufgrund der politischen Instabilität der Region und vielerorts noch unzureichender Infrastruktur ein fragiles Geschäft.

Trotz anhaltender Herausforderungen zeigt das Sangha-Trinational-Gebiet, dass Natur-, Klima- und Biodiversitätsschutz dann tragfähig werden, wenn sie lokal verankert sind und aus der Region selbst getragen werden. Zunehmend übernehmen lokale Organisationen Verantwortung, artikulieren mit wachsendem Selbstbewusstsein den Wert ihrer Wälder und sind bereit, sich den Herausforderungen zu stellen. Dieses nachhaltige Engagement verbunden mit Stolz auf das eigene, indigene Erbe ist ein ermutigendes Signal für die Zukunft das bedeutendsten Regenwaldgebietes Afrikas.

So können Sie helfen

  • Wald im Dzanga-Sangha Schutzgebiet © Andy Isaacson / WWF-US Dzanga-Sangha

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    Armut lindern, für Gesundheit und Bildung sorgen und so die Lebensbedingungen der Menschen verbessern: Das ist nachhaltige Entwicklung im Nationalpark Dzanga-Sangha. Weiterlesen ...

  • Prisca Bougoe bereitet im Wald eine Falle vor © Andy Isaacson / WWF-US Kultur und Menschenrechte

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