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Stand: 10.09.2019

Gemeinschaftlichen Unternehmen schützen den Wald

Goldgelb glänzend hängt die halbmondförmige Bienenwabe hoch oben im Geäst des Baumes. Geschickt klettert Por den Baum hinauf, ein Bündel rauchender, dünner Zweige zieht er dabei an einem Seil hinter sich her. „Das Feuer darf nicht zu stark sein, um die Königin oder die Larven nicht zu gefährden", erklärt der junge Honigsammler aus der Provinz Mondulkiri im Osten Kambodschas.

Honigwabe im Baum. © WWF
Honigwabe im Baum. © WWF

Por gehört zur indigenen Gruppe der Phnom. Viele Indigene ernten traditionell Honig, Bambus oder andere Naturressourcen aus den tropischen Trockenwäldern Mondulkiris. Oben an der Bienenwabe angekommen vertreibt Por die Bienen mit dem Qualm der kokelnden Zweige und schneidet dann mit einem schmalen Messer vorsichtig ein großes Stück aus dem oberen Teil der Wabe heraus. Hier sitzt der meiste Honig, während die Larven im unteren Teil der goldgelben Wabe weiter versorgt werden können.

Die Honigsammler aus Mondulkiri sind geschickte Kletterer und können selbst an unerreichbar scheinende Bienenkolonien am äußersten Astwerk hoher Bäume gelangen. Doch die Kletterei ist nicht ungefährlich. Der WWF arbeitet in Mondulkiri mit den traditionellen Honigsammlern zusammen, um deren Einnahmen zu steigern und eine nachhaltige und sichere Honigernte zu fördern. In speziellen Kursen haben Por und andere Honigsammler die sogenannte Rafter-Technik gelernt, bei der ein langer Baumstamm horizontal oder leicht schräg auf zwei Pfähle gelegt wird. An diesem vom Honigsammler gut erreichbaren Stamm bauen die Bienen ihre Waben, und die Honigsammler können den Honig ernten, ohne klettern zu müssen. Da immer nur ein Teil der Wabe entnommen wird, kann sogar mehrfach Honig geerntet werden; die Brutwaben bleiben intakt, die Bienen ersetzen den geernteten Honig.

Mondulkiri: Juwel der Artenvielfalt

Mondulkiri liegt im Nordosten Kambodschas in der Trockenwaldregion der Eastern Plains Landscape ("Landschaft der östlichen Ebenen"), die als ökologisches Juwel des Landes gilt. Die faszinierende Landschaft von der Größe Frankreichs wird von grünen Hügeln gesäumt und ist von einem Mosaik tropischer Laubwälder, sogenannter Trockenwälder, überzogen. Sie beherbergt zahlreiche gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten wie Elefanten, Leoparden, Malaienbären, Leierhirsche, bedrohte Wildrinder und Kleideraffen, die ihren Namen ihrer Fellzeichnung verdanken.

Gemeindeunternehmen statt Monokulturen

Doch die biologische Vielfalt ist durch illegale Kautschuk-, Maniok- oder Zuckerrohrplantagen bedroht, die in riesigen Monokulturen angebaut werden. Der Wald wird zerstört und der überwiegend indigenen Bevölkerung der Zugang zu den Naturressourcen verwehrt, die sie zum Überleben brauchen. Deshalb arbeitet der WWF eng mit der lokalen Bevölkerung im Umfeld der Schutzgebiete Phnom Prich Wildlife Sanctuary und Srepok Wildlife Sanctuary zusammen.

 

Produkt dieser Gemeindeunternehmen ist nicht nur der goldgelbe Mondulkiri Honig, auch Pfeffer, Wachs, oder Duftstäbchen aus Bambus werden in gemeinschaftlich organisierten Unternehmen produziert und in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh oder in anderen Provinzen verkauft. Mit Unterstützung des WWF lernen die Gemeindemitglieder nicht nur nachhaltige Produktionstechniken wie die Rafter- beziehungsweise Sparren-Imkerei, sondern bekommen über ihren vom WWF initiierten Dachverband auch Hilfe bei der Suche nach Absatzmärkten und der Vermarktung der Produkte. Die Einnahmen aus dieser kleinbäuerlichen Landwirtschaft tragen zur langfristigen Sicherung ihrer Existenzgrundlagen bei.

Schutzgebiete sichern Einkommen und bewahren die Natur

Auf dem Weg zum Honig. © WWF
Auf dem Weg zum Honig. © WWF

Voraussetzung dafür ist, dass Flächen zu sogenannten Gemeindeschutzgebieten ausgewiesen werden, die den Gemeinden den fairen Zugang zu Naturressourcen sichern. Der WWF erarbeitete daher gemeinsam mit den Gemeinden Managementpläne für solche Gemeindeschutzgebiete und unterstützt bei der Umsetzung der notwendigen Schritte der Antragstellung. Mit Erfolg: Bislang wurden 17 Gemeindeschutzgebiete durch das Umweltministerium der Provinz anerkannt. Knapp 35.000 Hektar Waldfläche wurden so geschützt.

 

Die gemeinschaftlichen Unternehmen sind über einen Dachverband organisiert, an den sie ihre Produkte verkaufen und der für den Transport und die Vermarktung sorgt. Auch Pors Honig wird auf diese Weise in vielen Läden in Phnom Penh verkauft. Gemeinsam entscheiden die Mitglieder, in welcher Höhe die Einnahmen für die Anschaffung neuer Geräte und Materialien in die verbesserte Produktion oder in Gemeindepatrouillen zum Schutz der Gebiete investiert werden, und wie viel als Gewinn an die Familien ausgezahlt wird.

Waldschutz in goldgelb

„Der Mondulkiri-Honig ist sehr rein und duftet wundervoll nach Wildblumen. Und er hat diese einzigartige goldene Farbe", schwärmt der junge Familienvater Por, während er vorsichtig mit den Händen den glänzenden Honig aus der Wabe in einen Eimer drückt.

 

Die Trockenwälder der Eastern Plains Landscape und ihre Artenvielfalt können nur dann auf Dauer geschützt werden, wenn Menschen wie Por anstelle von Wilderei und Kahlschlag von alternativen Einkommensquellen leben können. Deshalb versucht der WWF, Naturschutzziele mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung zu vereinen und so den Erhalt der einzigartigen Region als geschützten Rückzugsort für gefährdete und bedrohte Tierarten sicherzustellen.

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