Seit 1997 habituiert der WWF in Dzanga-Sangha Gorillas – mittlerweile leben dort drei Gorillagruppen, die an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt sind. Sogenannte Gorilla-Tracker, meist indigene BaAka, folgen den Tieren in die Tiefen des Regenwaldes und beobachten sie aus nächster Nähe. Dadurch schützten sie die Gorillas vor Wilderei und gewinnen gleichzeitig neue Erkenntnisse über die bedrohte Art. Eine der habituierten Gruppen ist die Familie um Silberrücken Makumba, zu der auch der 14-jährige Tembo gehört. Nun haben die Tracker beobachtet, dass Tembo sich aufmacht, seine Gruppe zu verlassen. Bis er eine eigene Familie gründen kann, wird es aber wahrscheinlich noch ein bisschen dauern.

Paul Mboko, Tracker in Dzanga-Sangha © Emmanuel Konyal
Paul Mboko, Tracker in Dzanga-Sangha © Emmanuel Konyal

„Vor zwei Monaten habe ich bemerkt, dass Tembo gehen wird. Er benahm sich nicht mehr so wie früher, hat weniger gespielt und hielt sich am Rand auf“, berichtet Paul Mboko, einer der Tracker in Dzanga-Sangha. „Außerdem hat er sich manchmal mit Mabor, dem zweiten Weibchen der Gruppe, gepaart“, ergänzt Dieudonné Ngombo. „Und wenn er sich der Gruppe näherte, griff Makumba, sein Vater, ihn an.“

Kein Wunder, denn Westliche Flachlandgorillas leben in sogenannten polygynen Haremsgruppen, die aus einem dominanten Silberrücken und mehreren Weibchen mit ihrem Nachwuchs bestehen. Polygynie bedeutet in der Biologie, dass sich ein Männchen mit vielen Weibchen paart, die Weibchen jedoch nur diesen einen Paarungspartner haben. Der Silberrücken hat also alleinigen Anspruch auf die Weibchen seiner Gruppe, erklärt Paul Mboko: „Am ersten Tag nach Tembos Abwesenheit passte Makumba besonders gut auf das Weibchen Mabor auf.“

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Silberrücken Makumba © naturepl.com / Anup Shah / WWF
Silberrücken Makumba © naturepl.com / Anup Shah / WWF

Westliche Flachlandgorillas gelten ab vier Jahren als jugendlich, im zehnten, elften Lebensjahr kommen die männlichen Tiere in die Pubertät, die mehrere Jahre andauert. Die meisten der jungen Schwarzrücken verlassen in dieser Zeit ihre Familien. Manche warten aber auch, bis sie von ihrem Vater, dem dominanten Silberrücken, vertrieben werden. „Auch für Tembo war es nicht leicht zu gehen“, so Paul Mboko, „deshalb streift er immer noch in der gleichen Gegend umher und kehrt manchmal zur Gruppe zurück.“

Für die Gründung einer eigenen Familie sind Schwarzrücken jedoch noch zu jung, meist ziehen sie eine Weile allein durch die Wälder. Besonders häufig tummeln sich einzelne Gorillamännchen an den sogenannten Bais – diese sumpfigen Waldlichtungen dienen den Tieren nicht nur zur Nahrungsaufnahme, sondern auch zur sozialen Interaktion. Manchmal halten sich an den Bais mehrere Gorillagruppen gleichzeitig auf; die Chancen für einen einzelnen Gorilla, hier Kontakt zu einem Weibchen zu knüpfen, stehen also gut.

Jean-Bernard Dicky, Tracker in Dzanga-Sangha © Emmanuel Konyal
Jean-Bernard Dicky, Tracker in Dzanga-Sangha © Emmanuel Konyal

Während der Pubertät bildet sich das charakteristische Aussehen der männlichen Westlichen Flachlandgorillas heraus: Der markante Kopf und die besonders breite Brust, die mit zunehmendem Alter immer unbehaarter wird. Mit ungefähr 15 Jahren sind Gorillamännchen ausgewachsen, ihr Fell am Rücken wird grau – daher die Bezeichnung Silberrücken. Ist Tembo einmal zu einem solchen Silberrücken herangereift, kann er eine eigene Familie gründen. „Dafür muss er mindestens 20 Jahre alt sein“, schätzt Jean-Bernard Dicky. Denn ein Silberrücken kann sich nur fortpflanzen, wenn er eine Gruppe dominieren und verteidigen kann. Das gelingt nicht allen Gorillamännchen, manche bleiben ihr Leben lang ohne Nachwuchs. Wünschen wir Tembo das Beste!

Dieudonné Ngombo, Tracker in Dzanga-Sangha © Emmanuel Konyal
Dieudonné Ngombo, Tracker in Dzanga-Sangha © Emmanuel Konyal

Der Abschied von Tembo fällt auch den Trackern schwer – schließlich kennen sie Tembo von klein auf. Für sie ist es fast so, als lebten sie mit den Gorillas zusammen. Dieudonné Ngombo war sogar bei Tembos Geburt dabei. „Bei Tembo hatten wir immer etwas zu lachen“, sagt er, „er hat die Kleinen und manchmal sogar Makumba immer geärgert und geneckt. Der Abschied fällt sehr schwer, aber es muss sein. Und Jean-Bernard Dicky fügt hinzu: "Wer weiß, vielleicht gehört seine Familie eines Tages ja auch zu unseren habituierten Gorillasgruppen".

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