Durch anhaltende Schutzmaßnahmen in Sabah und Sarawak gibt es in Malaysia eine Population von wilden Orang-Utans mit etwa 13.000 Tieren.

Borneo-Orang-Utan in Bukit Piton / Malaysia © WWF-Malaysia / David James
Bornean orangutans images captured within the Bukit Piton Class 1 Forest Reserve in Lahad Datu, Sabah.

In Borneo gab es 1973 noch um die 288.500 Orang-Utans. Wie viele andere Tierarten sah sich jedoch auch der Orang-Utan im Laufe der Jahre verschiedenen Gefahren und Bedrohungen ausgesetzt, sodass seine Zahl laut IUCN um fast zwei Drittel auf nunmehr 104.700 (Stand 2016) gefallen ist.

Doch noch ist nicht alles verloren, denn die Entwicklung in Malaysia gibt Anlass zur Hoffnung. Die Gesamtzahl der wilden Orang-Utans in Sabah und Sarawak ist stabil und wird auf 13.000 Tiere geschätzt.

Dieses Niveau kann gehalten werden, wenn ein gutes Wald- und Erhaltungs-Management entwickelt und umgesetzt wird, und darüber hinaus bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für den Artenschutz geschaffen und gefördert wird.

Der Orang-Utan ist weiter bedroht

Dennoch ist dies kein Grund, sich zurückzulehnen. Im Gegenteil, es ist die Ermahnung, mehr zu tun, um die Zukunft der Orang-Utans in den Wäldern Borneos zu sichern.

Die beiden Hauptbedrohungen für Orang-Utans in Sabah sind Entwaldung sowie Umwandlung großer Bereiche ihres Habitats in Agrarland oder zur Erweiterung der Infrastruktur. Als Baumbewohner brauchen die Orang-Utans Bäume nicht nur zum Schutz, sondern auch zur Fortbewegung und Futterbeschaffung.

In Sabah liegt deshalb der Fokus des WWF Malaysia besonders auf der Renaturierung des Waldes, um ihren Lebensraum zu sichern, wie Dr. Henry Chan, Schutzprogramm-Direktor von WWF Malaysia betont. Diese ist eine der drei Säulen „Protect, Produce, Restore“ (Schutz, Produktion, Wiederherstellung) des Living Landscape Approach in Sabah.

„Für den WWF-Malaysia ist Bukit Piton Forest Reserve das Aushängeschild beim Thema Waldrenaturierung.“

Dr. Henry Chan, WWF Malaysia

Der Hügel Bukit Piton und liegt in Lahad Datu, Sabah. Bis 2007 war Bukit Piton Forest Reserve das Paradebeispiel für die Folgen massiver Entwaldung. Der Bereich war 1980 großflächig gerodet und nach damals gängiger Praxis nicht nachhaltig bewirtschaftet worden.

Zu jener Zeit lebten noch um die 300 Orang-Utans in Bukit Piton, die es zu schützen galt.

Ein aufwändiges Wiederaufforstungsprogramm des WWF

Wiederaufforstung im Orang-Utan-Schutzgebiet Bukit Piton in Malaysia © WWF-Malaysia / Mazidi Abd Ghani
Aerial view

Deshalb startete der WWF 2007 mithilfe des Sabah Forestry Departments (SFD) ein Bewaldungsprogramm. Offene und dadurch ungeschützte Flächen wurden mit schnellwachsenden Arten wie dem Binuang (Octomeles sumatrana) und dem Laran (Neolamarckia cadamba) bepflanzt. Um die Ernährung der Orang-Utans zu sichern, kamen Sengkuang (Drachenapfel, Dracontomelon dao), Terpa (Brotfruchtbaum, thocarpus spp.) und Feigenbäume (Ficus spp.) hinzu.

Laut Orang-Utan Schutzprogramm-Managerin Donna Simon dauerte der Wiederaufbau über ein Jahrzehnt, doch 2019 waren 2.400 Hektar des Bukit Piton Forest Reserve wieder mit Bäumen bepflanzt.

„Unsere Anstrengungen tragen Früchte. Eine Vielzahl von Wildtieren konnte in dem Gebiet schon beobachtet werden, der wohl größte Erfolg ist jedoch, dass die Orang-Utans zurückgekehrt sind und hier einen Zufluchtsort und Futter finden. Sogar Jungtiere wurden gesichtet, ein sehr schöner Beweis dafür, dass die Tiere sich wohlfühlen und nicht länger verzweifelt um ihr Überleben kämpfen müssen“, sagt Simon.

Das Projekt lief nicht immer reibungslos. Der WWF konnte dadurch wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen, die er nun in seine Maßnahmen zum Orang-Utan-Schutz einfließen lässt.

Ein Korridor für Wildtiere

Etwas östlich von Lahad Datu in Bagahak wird ein ökologischer Korridor entstehen, um für Wildtiere eine Verbindung zwischen dem Tabin Wildlife Reserve und dem Silabukan Forest Reserve zu schaffen. Der fünf Kilometer lange und 200 Meter breite Korridor soll eine wichtige Route für Orang-Utans, Elefanten und andere Tierarten werden. Das Projekt des WWF Malaysia wird bis zur Fertigstellung fünf Jahre brauchen und wird von Beiersdorf und Evonik finanziert.

Der ökologische Korridor soll regelmäßige und saisonabhängige Bewegungen ermöglichen, ohne dass Mensch und Tier sich in die Quere kommen. Im Tabin Wildlife Reserve leben etwa 1.000 Orang-Utans, im Silabukan Forest Reserve etwa 50, auch deshalb ist die Verbindung zwischen den Gebieten so wichtig, um den Genpool beider Populationen zu erweitern.

Mindestens eine Elefantengruppe ist beim Wechseln der Schutzgebiete beobachtet worden.

Unterstützung der lokalen Bevölkerung

Gaharu-Tee aus dem Community-Projekt © Melyen Manggat / WWFMY
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Auch in Sarawak arbeitet der WWF daran, den Lebensraum der Orang-Utans zu erhalten. Schätzungen nach leben weniger als 2.000 Orang-Utans vor allem in Schutzgebieten wie zum Beispiel Batang Ai National Park, Lanjak Entimau Wildlife Sanctuary und Ulu Sungai Menyang Conservation Area, die alle an Siedlungen und an Kalimantan, den indonesischen Teil Borneos, angrenzen.

In Ulu Sungai Menyang liegt der Fokus darauf, das Auskommen der Bevölkerung zu sichern, damit die umliegenden Wälder nicht gerodet werden müssen, in denen die kleinste Unterart Pongo pygmaeus pygmaeus lebt, die auf der Roten Liste bedrohter Tierarten des IUCN steht.

Dazu wurde 2016 das ambitionierte Green Economy Projekt ins Leben gerufen, das vom deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit über die Internationale Klimainitiative unterstützt wird. Zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung in Ulu Sungai Menyang  arbeitet der WWF mit dem Forest Department Sarawak (FDS), der Gemeinde Rumah Manggat und einem Privatunternehmen zusammen. 

Der WWF Malaysia hat unter anderem 11.000 Agarwood-Setzlinge (Aquilaria microcarpa), auch gaharu genannt, bereitgestellt, die 2017 mithilfe vieler Freiwilliger auf 5,5 Hektar Land der Gemeinde Rumah Manggat gepflanzt wurden. Traditionell wird aus dem aromatischen Holz Räucherwerk und Parfum hergestellt, die Bevölkerung kann nun aber auch hochwertigen biologischen gaharu-Tee herstellen. Das generiert den Menschen von Rumah Manggat eine zusätzliche Einkommensquelle, was den Druck mindert, neue Flächen zu roden.

Der WWF Malaysia wird weiter mit unterschiedlichen Partnern zusammenarbeiten, um die Bewohner Rumah Manggats in den Bereichen Waldpflege und Schädlingsbekämpfung, Teeproduktion und -vermarktung zu unterstützen, genauso bei der Erarbeitung von Angeboten für Freiwillige, die in der Gemeinde wohnen und bei der Arbeit mithelfen möchten.

Ein optimistischer Ausblick – trotz Herausforderungen

Henry Chan vom WWF Malaysia © Rahana Husin
Henry Chan vom WWF Malaysia © Rahana Husin

Ein Rückschlag war die Covid-19-Pandemie, da weder Tourist:innen noch Freiwillige nach Rumah Manggat kommen konnten, um vor Ort zu helfen. Genauso war es dem Team des WWF Malaysia nicht möglich, wie sonst einmal im Monat anzureisen, um die Bevölkerung zu unterstützen und zu schulen. Trotzdem ist das Team weiter optimistisch und sucht nach immer neuen Wegen, diese Herausforderungen zu meistern.

Dr. Chan betont, dass die Naturschutzarbeit des WWF Malaysia auf Dauer angelegt ist und der Unterstützung vieler bedarf, um den Lebensraum der Orang-Utans weiter zu schützen und Eingriffe zu reduzieren.

Er plant eine Ausweitung auf den Gunung Lesung-Ulu Sebayau-Sedilu Nationalpark in Sarawak und eine gezielte Zusammenarbeit mit Palmölplantagen und kleinen Betrieben, um auch sie von Maßnahmen zu überzeugen, die dem Schutz der Borneo-Orang-Utans dienen werden.

So können Sie den Orang-Utans helfen

  • Orang Utan mit Nachwuchs © naturepl.com / Anup Shah / WWF Orang-Utans

    Orang-Utans sind die größten heute noch lebenden Baumsäugetiere sowie die einzigen überlebenden Großen Menschenaffen Asiens. Weiterlesen ...