Von Juni 2024 bis August 2025 untersuchten Forscher:innen die bedeutenden Ökosysteme Kenias von Tsavo, der Maasai Mara und Amboseli bis zu den weitläufigen Trockenlandschaften im Norden und Osten, sowie Meeres- und Süßwasserökosysteme.
Hoffnung für Kenias Wildtiere
Mehr Elefanten, mehr Nashörner: Kenias neue Wildtierzählung zeigt, dass sich konsequenter Artenschutz auszahlt. Doch Straßenbau, Klimawandel und zunehmender Nutzungsdruck bedrohen die wilden Lebensräume und viele andere Arten weiterhin. Kenias Natur ist weltberühmt – und sichert auch den Menschen wichtige Lebensgrundlagen.
Naturschutz in Zahlen
Noch vor wenigen Jahrzehnten schien das Überleben der Nashörner in Kenia ungewiss. Wilderei hatte die Bestände Anfang der 1980er-Jahre auf nur 318 Tiere schrumpfen lassen. Heute zählt das Land wieder mehr als 2.100 Nashörner.
Auch die Elefantenbestände wachsen seit Jahren kontinuierlich und liegen inzwischen wieder bei fast 42.000 Tieren, wie Kenias aktuelle Wildtierzählung belegt.
Es ist erst die zweite, landesweite und umfassende Zählung überhaupt und liefert eine beispiellose Datengrundlage zur Lage von Kenias Natur.
„Wirksamer Naturschutz braucht belastbare Daten.“
Johannes Kirchgatter, Projektleiter östliches Afrika, WWF Deutschland
Die wichtigsten Ergebnisse
Als großer Erfolg jahrzehntelanger Erhaltungsmaßnahmen, Anti-Wilderei-Arbeit, intensiver Überwachung, besseren Lebensraummanagements und der engen Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften gelten nicht nur die wachsenden Bestände der Spitzmaulnashörner und Elefanten. Auch andere Arten zeigen erste Zeichen der Erholung wie die Giraffen oder zumindest weitgehend stabile Bestände wie die Löwen. Von Entwarnung kann trotzdem leider keine Rede sein.
Besonders kritisch bleibt die Lage für stark bedrohte Arten wie den Bergbongo oder die Hirola – zwei der seltensten Antilopen der Welt. Auch die Bestände von Pangolinen, sowie zahlreicher kleiner Säugetiere und der Wasservögel in Kenias bedeutenden Feuchtgebieten gehen weiterhin dramatisch zurück – oft weitgehend unbeachtet, weil es an Forschung und Finanzierung fehlt.
Kenias atemberaubende Tierwelt im Fokus der Forschung
Herausforderungen für Kenias Natur
Kaum ein Land steht so sehr für Afrikas wilde Schönheit wie Kenia. Weltbekannt sind die riesigen Gnuherden, die jährlich durch die Maasai Mara ziehen und die hohe Löwendichte der kenianischen Savanne. Das Land beherbergt außerdem einige der bekanntesten letzten „Super Tusker“, Elefanten mit gigantischen Stoßzähnen.
Doch während einige ikonische Arten wie die Nashörner und Elefanten von Schutzmaßnahmen profitieren, geraten andere immer stärker unter Druck – vor allem in den offenen Savannen.
Lebensraumverlust, Klimawandel, Wilderei und zunehmende Nutzung durch Menschen und Vieh verdrängen Wildtiere in immer kleinere Gebiete.
Auch wenn sich Populationen erholen, warten neue Herausforderungen: Schutzgebiete stoßen an ihre Grenzen und Konflikte zwischen Mensch und Tier nehmen zu.
Warum Zählungen so wichtig sind
Für die aktuelle Zählung in Kenia wurden rund 264.000 Quadratkilometer Landesfläche erfasst. Die Teams waren dafür unter anderem mehr als 1.500 Flugstunden im Einsatz: Von Luftzählungen großer Säugetiere über die Erfassung mit Kamerafallen und Sichtungen am Boden bis hin zu großflächigen Untersuchungen von beispielsweise Elefantenkot in Waldgebieten wurden verschiedene Methoden kombiniert.
Denn nur wenn bekannt ist, wie viele Tiere wo leben, wie sich ihre Bestände entwickeln und welche Lebensräume sie nutzen, lassen sich Erhaltungsmaßnahmen gezielt planen.
„Wirksamer Naturschutz braucht belastbare Daten“, sagt Johannes Kirchgatter, Afrika-Referent beim WWF Deutschland. „Trends lassen sich außerdem nur erkennen, wenn man Vergleichspunkte hat.“ Die aktuelle, zweite große nationale Zählung in Kenia liefert damit eine wichtige Grundlage für den Naturschutz und politische Entscheidungen.
Zusammenleben von Mensch und Natur
Die Zählung zeigt deutlich, dass Naturschutz in Kenia weit über klassische Nationalparks hinausgehen muss. Denn viele Wildtiere leben heute in Landschaften, die sie mit Menschen und Nutztieren teilen.
Neben dem Schutz ikonischer Arten müssen stärker ganze Ökosysteme, Wanderkorridore und großflächige Lebensräume gesichert und wiederhergestellt werden. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Gemeindeschutzgebiete. Sie bieten Wildtieren Rückzugsräume außerhalb staatlicher Nationalparks und schaffen gleichzeitig Einkommen für lokale Gemeinden.
Mehr noch: Intakte Ökosysteme sichern Wasserquellen, speichern Kohlenstoff und machen Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels. Kenias Natur ist ein einzigartiges Erbe – und sichert zugleich vielen Menschen vor Ort wichtige Lebensgrundlagen.
-
Kenia und Tansania -
Das Gemeindeschutzgebiet Kitirua -
Unganisha – gemeinsam die Natur schützen -
David, ein Elefant mit „doppelter Staatsbürgerschaft“