Im Süßwasserbereich der Tideelbe, an der Grenze zur Brack­wasserzone, liegt die Elbinsel Krautsand, die nach der Sturmflut 1976 eingedeicht wurde. Die besonderen Lebens­räume und Arten, die es hier gibt, haben eine nationale und gesamtstaatliche Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland. Der WWF Deutschland will gemeinsam mit der NABU-Stiftung diese Lebens­räume an der Tideelbe nachhaltig schützen und neue schaffen.

Sie sollen im Naturschutzgroßprojekt Krautsand im Land­kreis Stade in Niedersachsen gesichert und weiterentwickelt werden. Damit wird das Naturschutzgroßprojekt zu einem „Leuchtturm-Vorhaben“ für den Schutz von tidebeeinflussten Flussmündungen. Das Naturschutzgroßprojekt wird im Rahmen des Bundes­programms „chance natur“ – Bundesförderung Natur­ schutz – gefördert.

Planungsraum Krautsand © Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, GIS User Community
Planungsraum Krautsand © Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, GIS User Community

Laufzeit: Projekt I 2020 - 2023 (Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans); Projekt II 2024 – 2034 (Umsetzungsphase, wird auf Basis des Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans beantragt)

Planungsraum: 2.805 Hektar, Insel Krautsand, ausgenommen die Ortschaft Krautsand; weitgehend aus gewiesen als Natura2000-Gebiet gemäß der EU-Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Lebensräume: überwiegend Grünland von ehemaligen Prielen und Gräben durchzogen; Nebenarme der Tideelbe, ästuartypische Lebensräume wie vegetationsfreie Wattflächen, Süß- und Brackwasserröhrichte sowie Fragmente von tidebeeinflussten Auwäldern.

Geschütze Arten: Finte; Fluss- und Meerneunaugen, Rohrdommel, Kiebitz, Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Wasserfledermaus, Sumpfdotterblume, Seefrosch, Grüne Mosaikjungfer (40 Arten Rote Liste bundesweit; 111 Arten Rote Liste Niedersachen, 52 Arten europaweit geschützt)

Die Tideelbe ist das größte Ästuar in Deutschland – also eine von Ebbe und Flut beeinflusste Flussmündung – und auch eines der größten Ästuare Europas. Sie steht weitgehend unter europäischem Naturschutz.

Artenparadies Tideelbe

Das Artenparadies Krautsand

Krautsand ist geprägt von ausgedehnten Marschengrünländereien, ein „Land-Wasser-Mosaik“ aus Weiden und Wiesen, Prielen, Gräben und Ufersäumen. Diese haben nationale und internationale Bedeutung als Brut- und Rast­gebiet für Vögel. Zehntausende Gänse, Brachvögel, Gold­regenpfeifer und andere Zugvögel rasten und überwintern hier im Herbst, Winter und Frühjahr.

Die ehemalige Insel wird durchzogen von Wasserläufen und ist eingerahmt von der Wischhafener Süderelbe und dem Ruthenstrom, zwei Nebenarmen der Tideelbe. Ihre Süßwasser-Watten mit Prielen und Flachwasserzonen, Süßwasser-Tideröhrichte und Tide-Auwälder sind heute selten geworden.

Und der Schierlings-Wasserfenchel, ein Doldenblütler, gedeiht nirgends sonst auf der Welt als im Süßwasserbereich des Elbästuars.

  • Ästuartypsiche Lebensräume in der Wischhafener Süderelbe © Claudi Nir WWF 1 Lebensraum Elbeästuar

    Ästuare sind Lebensräume, die vom täglichen Einfluss von Ebbe und Flut abhängig sind. Er ließ wertvolle Lebensräume in den Unterelbmarschen entstehen. Weiterlesen ...

  • Zugvögel am Elbufer © Christian Ohde / imago images Tier- und Pflanzenarten im Elbeästuar

    An und auf Krautsand kommen 40 Arten vor, die bereits auf der deutschen Roten Liste stehen und 111 Arten, die auf der Roten Liste Niedersachsens stehen. Weiterlesen ...

Bedrohte Vielfalt

Die seltenen an die Tideelbe angepassten Arten sind keineswegs in Sicherheit. Denn die Nutzung des Ästuars durch den Men­schen hat ihren Lebensraum massiv verändert und tut es noch. Durch Eindeichungen gingen 90 Prozent der Über­flu­tungs­flächen verloren. Die Nutzung des Marschengrünlands wurde intensiviert. Elbnebenarme sowie Zuflüsse wurden abgetrennt und die Fahrrinne wird für die Schifffahrt gerade zum neunten Mal vertieft. Dies verändert die Strömungs­verhältnisse, die Wasserstände und den Wasserhaushalt. Starker Wellenschlag schädigt die Watt-, Röhricht- und Auwaldflächen am Haupt­strom. Flachwassergebiete und Nebenelben wie die Wisch­hafener Süderelbe verschlicken. Und der Süßwasserbereich versalzt immer mehr. Viele ästuartypische Tiere und Pflanzen sowie spezialisierte Brutvogelarten sind bereits stark gefährdet.

Der WWF will gemeinsam mit der NABU Stifung Nationales Naturerbe den Ästuar-Lebensraum renaturieren und ein Naturparadies Krautsand schaffen.

Alter Deich Asselersand © Claudi Nir / WWF Deutschland
Aktuelles aus dem Naturschutzgroßprojekt
Hier informieren wir über wichtige Schritte im Projektverlauf und Veranstaltungen vor Ort.
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Drohnenaufnahme von Krautsand © Landkreis Stade
Projektphasen: Der Ablauf
Das Naturschutzgroßprojekt wird in mehreren Phasen über einen langen Zeitraum entwickelt.
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Ehemaliger Priel Kahlesand © Claudi Nir / WWF Deutschland
Mögliche Maßnahmen
Die Maßnahmen, mit denen der ökologische Wert gefördert werden soll, sind vielfältig.
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Bauernhof auf Krautsand © Claudia Nir / WWF Deutschland
Zusammenarbeit vor Ort
Es braucht viele Unterstützer, um ein solch umfangreiches Projekt zu bewältigen.
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Königspriel auf Kahlesand © Claudi Nir / WWF-Deutschland
Das Projektbüro
Wer arbeitet am und für das Naturschutzgroßprojekt Krautsand?
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Projektträger und Fördermittelgeber

Fördermittelgeber Naturschutzgroßprojekt Krautsand © WWF Deutschland

Projektträger sind die Umweltstiftung WWF (Projektmanagement) und die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe (Flächenkauf). Das Naturschutzgroßprojekt wird im Rahmen des Bundes­programms „chance natur“ – Bundesförderung Natur­ schutz – gefördert. Mit diesem Programm leistet die Bundes­regierung einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der bio­logischen Vielfalt und des nationalen Naturerbes in Deutschland. Es fördert heraus­ragende großflächige Gebiete, denen aus nationaler Sicht eine besondere Bedeutung für den Naturschutz zukommt.

Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz (75 Prozent) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMU), durch das Nieder­sächsische Umweltministerium (12,5 Prozent) sowie durch den WWF und die NABU-Stiftung (12,5 Prozent). Die Bewilligungs­behörde ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasser­wirtschaft, Küsten und Naturschutz.

  • Containerschiffe in der Elbmündung © Karl-Ulrich Stocksieker / WWF Tideelbe – Fluss trifft Meer

    Die Tideelbe als größtes Ästuar Deutschlands und eines der größten Ästuarien Europas fällt daher gesamtstaatliche Bedeutung zu. Weiterlesen ...