Naturschutzgroßprojekt Krautsand

An der Tideelbe bewahren und erweitern wir einen einzigartigen Lebensraum
Stand: 27.08.2026

Im Süßwasserbereich der Tideelbe, an der Grenze zur Brack­wasserzone, liegt die Elbinsel Krautsand, die nach der Sturmflut 1976 eingedeicht wurde. Ihre besonderen Ökosysteme haben eine nationale Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland. Der WWF schützt gemeinsam mit der NABU-Stiftung diese Lebens­räume an der Tideelbe nachhaltig - und erschafft neue.

Zurück zu einem Naturparadies

Königspriel auf Kahlesand © Claudi Nir / WWF-Deutschland
Königspriel auf Kahlesand © Claudi Nir / WWF-Deutschland

Der Mensch hat den Lebensraum Tideelbe massiv verändert. Durch Eindeichungen gingen 90 Prozent der Überflutungsflächen verloren. Die Nutzung des Grünlands wurde intensiviert, Elbnebenarme wurden abgetrennt, die Fahrrinne immer wieder vertieft. Starker Wellenschlag schädigt die Watt-, Röhricht- und Auwaldflächen am Hauptstrom. Flachwassergebiete und Nebenelben wie die Wischhafener Süderelbe verschlicken. Und der Süßwasserbereich versalzt immer mehr. Viele ästuartypische Tiere und Pflanzen sind bereits stark gefährdet.

Nun wird Krautsand mit seinen Gewässern in ein echtes Naturparadies zurückverwandelt, der Einfluss von Ebbe und Flut wiederhergestellt und vergrößert. So bekommen Fische, Kleinkrebse, Vögel und Insekten, aber auch seltene Pflanzen wieder bessere Lebensbedingungen.

Unter dem Motto „Gemeinsam die Vielfalt der Tideelbe schützen“ wird das Projekt den einzigartigen Naturraum beleben und auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Bund und das Land Niedersachsen fördern die Umsetzung der Renaturierung zusammen mit fast 14 Millionen Euro. Im nächsten Schritt werden nun die benötigten Flächen durch die NABU-Stiftung gekauft und für die Umsetzung der Maßnahmen durch den WWF aufgestockt.

„Wir freuen uns sehr, dass wir auf Krautsand jetzt mit der Umsetzung der geplanten Maßnahmen beginnen können. Mit der Renaturierung von tidebeeinflussten Lebensräumen leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung bedrohter Küstenökosysteme.“

Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland

Planungsraum Naturschutzgroßprojekt Krautsand © Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, GIS User Community
Planungsraum Naturschutzgroßprojekt Krautsand © Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, GIS User Community

Laufzeit:

Projekt I 2020 - 2023 (Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans, kurz PEPL)

  • Erfolgreich abgeschlossen durch die Inkraftsetzung des PEPL durch die Fördermittelgeber und die Naturschutzbehörde am 24.01.2024.

Projekt II 2026 – 2034 (Umsetzungsphase):

  • Start der Umsetzungsphase war am 01.06.2026

Projektgebiet: 2.805 Hektar, Insel Krautsand, ausgenommen die Ortschaft Krautsand; weitgehend ausgewiesen als Natura2000-Gebiet gemäß der EU-Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Was wir umsetzen wollen: Wasserbaulichen Maßnahmen wie die Revitalisierung von Wischhafener Süderelbe und Ruthenstrom, Schaffung von zwei Grünland-Wasserlandschaften, die auch bei Ebbe nicht trockenfallen. Die Entwicklung von Uferlebensräumen auf erworbenen Flächen, Entwicklung von artenreichem Grünland aus Weiden und Äckern, die Umwandlung von Pappelforsten in naturnahe Auen- und Marschenwälder und die Neuentwicklung tidebeeinflusster Weichholzauwälder.

Lebensräume: überwiegend Grünland von ehemaligen Prielen und Gräben durchzogen, Nebenarme der Tideelbe, ästuartypische Lebensräume wie vegetationsfreie Wattflächen, Süß- und Brackwasserröhrichte sowie Fragmente von tidebeeinflussten Auwäldern.

Geschütze Arten: Finte, Fluss- und Meerneunaugen, Schlammpeitzger, Rohrdommel, Kiebitz, Uferschnepfe Rotschenkel, Großer Brachvogel, Wasserfledermaus, Sumpfdotterblume, Seefrosch, Grüne Mosaikjungfer (44 Arten Rote Liste bundesweit; 75 Arten Rote Liste Niedersachen, 30 Arten europaweit geschützt.) Und der Schierlings-Wasserfenchel, ein Doldenblütler, gedeiht nirgends sonst auf der Welt.

NGP Krautsand Logos der Förderer und Partner: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, World Wide Fund For Nature, Bundesamt für Naturschutz, NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Land Niedersachsen
  • Tideems © Gerrit Denekas Ästuarschutz an Elbe und Ems

    An Elbe und Ems, zwei wichtigen Ästuaren der Nordsee, hat sich die ökologische Situation in den vergangenen 25 Jahren (1997-2022) dramatisch verschlechtert. Weiterlesen...

  • Ästuartypsiche Lebensräume in der Wischhafener Süderelbe © Claudi Nir WWF 1 Lebensraum Elbeästuar

    Ästuare sind Lebensräume, die vom täglichen Einfluss von Ebbe und Flut abhängig sind. Er ließ wertvolle Lebensräume in den Unterelbmarschen entstehen. Weiterlesen ...

  • Zugvögel am Elbufer © Christian Ohde / imago images Tier- und Pflanzenarten im Elbeästuar

    An und auf Krautsand kommen 44 Arten vor, die bereits auf der deutschen Roten Liste stehen und 75 Arten, die auf der Roten Liste Niedersachsens stehen. Weiterlesen ...

  • Containerschiffe in der Elbmündung © Karl-Ulrich Stocksieker / WWF Tideelbe – Fluss trifft Meer

    Die Tideelbe als größtes Ästuar Deutschlands und eines der größten Ästuarien Europas fällt daher gesamtstaatliche Bedeutung zu. Weiterlesen ...