In Kenia und Tansania haben die Menschen viel Erfahrung mit Elefanten – und mit Bienen. Und gelegentlich hat beides miteinander zu tun. Denn Bienen sind nicht nur Bestäuber und Produzenten von Honig – sie können noch etwas anderes ganz hervorragend: Sie schützen Elefanten und Menschen!

Wie das geht? Elefanten mögen keine Bienen. Und so können „Zäune” aus Bienenstöcken zu natürlichen Barrieren werden, die die Dickhäuter von den Feldern der Menschen fernhalten. Dafür werden die Bienenstöcke in regelmäßigen Abständen aufgestellt und untereinander mit Draht verbunden. Berührt ein Elefant den Draht, schwärmen die Bienen aus und die Elefanten ergreifen die Flucht.

Das hilft Menschen und Elefanten gleichermaßen: Denn treffen Mensch und Elefant aufeinander, kann es zu tragischen Unfällen kommen – manchmal sogar mit tödlichem Ausgang für beide Seiten. Das passiert zum Beispiel dann, wenn Elefanten auf der Suche nach Wasser und Nahrung die Felder der Menschen zertrampeln. Immer wieder werden Elefanten aus Rache getötet, und den Menschen fehlt die für ihren Lebensunterhalt so wichtige Ernte, wenn erst einmal ein Trupp Elefanten die Felder geplündert hat. 

Bienen könnten bei diesem Konflikt Teil der Lösung sein.

Bienen als Helferinnen

Imker in Afrika © WWF / James Morgan
Imker in Afrika © WWF / James Morgan

Bei der Arbeit in Unganisha und anderen Projektregionen wie in KAZA setzt der WWF auf die Imkerei als eine Möglichkeit, nachhaltige Einkommensquellen zu schaffen. Denn angesichts der Klimakrise wird es für die Menschen immer wichtiger, ihren Lebensunterhalt nicht nur über den Anbau von Feldfrüchten zu bestreiten – denn Ernten können in extremen Jahren mager ausfallen.

Der Verkauf von Honig und anderen Bienenprodukten kann in schwierigen Jahren zusätzliches Einkommen schaffen, wenn sonst nicht genug zum Leben bliebe. Und so ist die Imkerei einer von vielen Bausteinen, um die Lebensbedingungen vor Ort an die Auswirkungen der Klimakrise anzupassen.

Ganz konkret heißt das: In Tansania stellte der WWF zwischen Juli 2020 und Juni 2021 insgesamt 400 Bienenstöcke und Imkerei-Ausrüstung bereit und schulte die Menschen aus den Gemeinden vor Ort in der Bienenzucht. In Kenia wurden 1.200 Bienenstöcke bereitgestellt und 50 Menschen in der Bienenzucht geschult.

Die Bienenprojekte sind auch wichtig für Frauen, denn sie werden in den ländlichen Gesellschaftsstrukturen häufig an den Rand gedrängt. Beispielhaft hierfür sind die „Bee Queens“ aus Naleppo, einem kleinen Dorf im Gemeindeschutzgebiet Nasaru-Olosho. Eine Gruppe von Frauen hat sich hier dem von Männern dominierten Geschäft der Bienenzucht verschrieben. Ziel der Frauen: Die für die Artenvielfalt so wichtigen Bestäuber-Insekten schützen und gleichzeitig ihren eigenen Lebensunterhalt durch den Verkauf von Honig und anderen Bienenprodukten verdienen.

Elefanten und Bienen

Bienenstock-Zaun zum Schutz vor Elefanten in Thailand © Thomas Cristofoletti / Ruom for WWF
Bienenstock-Zaun zum Schutz vor Elefanten in Thailand © Thomas Cristofoletti / Ruom for WWF

Und dann ist da eben noch die andere Aufgabe, welche Bienen inzwischen für die Menschen in einigen Regionen Afrikas übernehmen: Das von der Elefantenschutz-Organisation „Save the Elephants“ ins Leben gerufene Projekt „Elephant and Bees“ bringt Honig und den Schutz von Elefanten und Menschen zusammen.

Es ist ein einzigartiges Projekt, das von einem tiefen Verständnis für Elefanten zeugt, denn hier werden Erkenntnisse über natürliche Verhaltensweisen der Dickhäuter genutzt, um die Menschen zu schützen: Elefanten meiden Afrikanische Honigbienen instinktiv. Sie haben regelrecht Angst vor ihnen. Denn Elefanten haben zwar eine dicke Haut, aber der Stich einer Biene in die empfindlichen Ohren oder in den Rüssel ist auch für die grauen Riesen schmerzhaft.

Initiiert wurde das inzwischen preisgekrönte Projekt Dr. Lucy King von „Save the Elephants“. Sie spielte Elefanten Geräusche von aufgescheuchten Bienen vor und beobachtete, dass die Elefanten begannen, Staub aufzuwirbeln und sich zu schütteln und schließlich die Flucht ergriffen. Die Elefanten stießen sogar ein Alarmsignal aus, um andere Tiere vor den Bienen zu warnen.

Der logische Schluss für die Mitarbeiter:innen von Save the Elephants: „Zäune“ aus Bienenstöcken als natürliches Abschreckungsmittel gegen Elefanten könnten die Felder der Menschen schützen. Und so ist es auch. Die Modellprojekte in Kenia waren erfolgreich: Die Felder der Menschen sind geschützt und die Gemeinden verdienen mit dem Verkauf des als „elefantenfreundlich“ ausgezeichneten Honigs zusätzlich Geld. Das „Save the Elephants“-Projekt macht inzwischen Schule und wurde von der Organisation nun auch auf Mosambik, Tansania, Uganda und sogar Asien ausgeweitet.

WWF-Projekt im Enduimet-Gemeindeschutzgebiet

Und auch der WWF setzt auf Bienen bei der Elefantenabwehr: Im Dorf Tingatinga, in der Enduimet Wildlife Management Area, wurde ein etwa zwei Kilometer langer Bienenstockzaun, bestehend aus 200 Bienenstöcken, installiert. Die Bienenstöcke gehören den beiden neu gegründeten Imkergruppen und werden von ihnen verwaltet. Der Zaun schützt etwa 1.640 Hektar Ackerland vor Elefantenangriffen.

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