Bis zu 19 Millionen Hektar Land sind verbrannt, davon mehr als zwölf Millionen Hektar Wald und Buschland. Fast drei Milliarden Wirbeltiere starben, wurden verletzt oder aus ihren Lebensräumen vertrieben. 34 Menschen verloren ihr Leben. Fast 3.000 Häuser wurden durch die Brände 2019/20 zerstört.

Wie wurde in den letzten Monaten den von Flammen und Hunger bedrohten Tieren geholfen? Und wie begegnet man den massiven Verlusten von Lebensraum für Mensch und Tier? Diese Fragen beschäftigen seit den verheerenden Bränden Menschen und Umweltschutzorganisationen weltweit, nicht nur in Australien.

Um hungernde Säugetiere in besonders betroffenen Gebieten mit Nahrung zu versorgen, wurden per Hubschrauber hunderttausende Möhren und Süßkartoffeln über den Nationalparks abgeworfen. Zahllose verletzte Wildtiere wurden von Wildtierzentren aufgepäppelt und wieder ausgewildert. "Aber das ist erst der Anfang", verspricht Dermot O'Gorman, Geschäftsführer des WWF Australien. "Denn die Verwüstung ist beispiellos und die vor uns liegende Aufgabe immens."

Ein mobiles Wildtier-Krankenhaus auf Rädern

Mobiles Wildtier-Krankenhaus © WWF Australien
Mobiles Wildtier-Krankenhaus © WWF Australien

Bereits vor zwei Jahren hatte das Team vom „Byron Bay Wildlife Hospital“ in Australien die Idee, ein mobiles Krankenhaus zu entwickeln. Als es 2019/20 zu den verheerenden Buschfeuern kam, war klar, dass das „Mobile Wildlife Hospital“ dringender denn je benötigt wird. Dank Spendengeldern des WWF Australien von über 150.000 Euro konnte das Projekt nun fertiggestellt werden.  

Ende November 2020 wurde der riesige LKW in Byron Bay vorgestellt. „Die Feuerkrise hat uns gezeigt, wie dringend wir schnell und vor Ort Tiernothilfe leisten müssen. Vor allem im Osten Australiens, wo die Koalas besonders bedroht sind und gleichzeitig die Chancen auf erfolgreiche Behandlungen am größten sind“, erklärt Darren Grover vom WWF Australien.  

Gerade jetzt, wo der australische Sommer und damit die Feuer-Saison wieder beginnt, ist das Team des größten mobilen Tierkrankenhauses des Kontinents überglücklich, dass seine Arbeit endlich losgehen kann.  

Das fahrende Krankenhaus ist mit zahlreichen medizinischen Geräten zur Durchführung von Röntgen, Ultraschall, Endoskopie, Anästhesie und vielem mehr ausgestattet. Das Gefährt ist komplett autark. Der Strom stammt aus Solarzellen, kommuniziert wird per Satellit, es gibt einen Wassertank und ein Abfallsystem.  

Die Spenden für das mobile Krankenhaus stammen aus dem „Koalas Forever Program”, mit dem der WWF Australien die Anzahl der Koalas in Ost-Australien bis 2050 verdoppeln will, so Darren Grover. 

Gemeinsam für Waldschutz und energiepolitischen Wandel

Auch wenn australische Eukalyptuswälder Buschbrände überleben können, wird es Jahrzehnte dauern, bis sich die Wälder erholt haben und Tier- und Pflanzenarten hier wieder Nahrung und Lebensraum finden. Einige Wälder werden wohl nie wieder ihren früheren Zustand erreichen. Dabei war Australien schon vor der Brandkatastrophe 2019/20 ein Abholzungs-Hotspot, vergleichbar mit dem Amazonas.

Der WWF Australien kämpft dafür, dass die Abholzung der verbliebenen Wälder gestoppt wird und sich die bereits gerodeten Wälder regenerieren können. Mit dem WWF-Aktionsplan "Towards Two Billion Trees" könnte Australien in Zukunft sogar eine weltweit führende Rolle bei der Wiederaufforstung von Wäldern und Waldflächen einnehmen.

Wiederaufforstung mit der Hilfe von Drohnen

Pflanzen werden per Drohne gesät © WWF Australien / Paul Fahy
Pflanzen werden per Drohne gesät © WWF Australien / Paul Fahy

Um die massiven Folgen der Feuerkatastrophe von 2019/20 zu bewältigen und eine Regeneration der Biodiversität zu gewährleisten, setzt der WWF Australien im Rahmen seines „Regenerate Australia”-Programmes erstmals Drohnen ein. Gemeinsam mit der Firma „Airseed Technologies” wird dieses Vorhaben umgesetzt.  

Das Ziel von „Airseed Technologies” sind 100 Millionen gepflanzte Bäume bis 2024. Dafür werden Drohnen mit bis zu 25 Kilogramm Samen beladen. Die Samen selbst stecken in speziellen Hülsen, die einerseits Tiere davon abhalten sollen, die Samen zu fressen, andererseits liefern sie wichtige Nährstoffe für die Pflanzen mit, so dass diese schneller anwachsen. 

Dann geht es für die Drohnen ab in die Luft und die verschiedensten Pflanzenarten werden gesät.  

Für herkömmliche Methoden zur Aussaat benötigt man viele menschliche Helfer – und kann vielleicht 800 Setzlinge pro Tag in die Erde bringen. Jede Drohne hingegen kann täglich bis zu 40.000 Samen aussähen. Ein Drohnenpilot kann gleichzeitig fünf Drohnen steuern. 

In Hülsen präparierte Samen © WWF Australien / Paul Fahy
In Hülsen präparierte Samen © WWF Australien / Paul Fahy

Doch die Arbeit mit den Drohnen ist nicht alles. Das Team von „Airseed Technologies” rund um Andrew Walker geht in vier Schritten vor: Zunächst wird geguckt, welche Arten von Pflanzen an welchen Stellen ins Ökosystem eingeführt werden sollen. Dann werden die speziellen Hülsen für die Samen präpariert. Erst dann werden die Drohnen eingesetzt und sähen die Samen aus. Der vierte Schritt ist der aufwändigste: die Überwachung und der aktive Schutz der ausgesäten Pflanzen.   

Bisher wurden schon 100.000 Bäume gepflanzt, um die Heimat der Koalas wieder bewohnbar zu machen. Doch nicht nur dieses kurzfristige Ziel motiviert das Team von Andrew Walker: „Wir wollen den Klimawandel mildern und den Verlust der Biodiversität in Australien bekämpfen”, betont er.

Langfristig wird es weiterer innovativer Lösungen bedürfen, um den Klimawandel einzudämmen, Tier- und Pflanzenarten bei der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung zu unterstützen und ihre Lebensräume zu schützen. 

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