Stand: 17.09.2026
Seit 2005 arbeitet der WWF Deutschland bereits zum Roten Panda und seit 2019 widmet er sich dem Schutz der Roten Pandas in Bhutan, einem Himalaya-Staat nur etwa so groß wie die Schweiz, und doch extrem wichtig für den Erhalt der Art. Viel weiß man nicht über die hier lebenden, scheuen Einzelgänger. Aber in 19 von 20 Distrikten wurden die geheimnisvollen Katzenbären nachgewiesen – und ihre Zahl nimmt ab.
Woher man das weiß? Rote Pandas machen ihre Hinterlassenschaften immer am selben Ort. Die bekannten „Panda-Klos“ bleiben aber immer häufiger ungenutzt. Neue entdeckt man selten.
Zudem schlagen sich Panda-Expert:innen durch Bambusgestrüpp und klettern auf Bäume. Dort suchen sie nach Kratzspuren.
Die Erforschung der Bestände ist die wichtigste Grundlage für einen wirksamen Schutz!
Gen-Analysen helfen bei der Suche
Im Gegensatz zu anderen Arten lassen sich einzelne Rote Pandas nicht anhand ihrer Fellzeichnungen voneinander unterscheiden. Es ist also fast unmöglich, sie durch Aufnahmen aus Kamerafallen zweifelsfrei zu identifizieren und zu zählen. Abhilfe schaffen nur genetische Untersuchungen. Deshalb sammeln Ranger:innen systematisch Kotproben der Roten Pandas, die im Nachbarland Indien im Labor genetisch ausgewertet werden.
Doch der Kot der Roten Pandas ähnelt stark dem von Stachelschweinen. Vor allem bei nicht mehr frischem Kot ist eine Unterscheidung kaum möglich. Außerdem sind Genproben äußerst empfindlich. Bei unsachgemäßem Umgang kommt es schnell zur Kontaminierung mit fremder DNA. Deshalb schult der WWF das Feldpersonal genau und hat ein Handbuch zur Probennahme entwickelt.
Proben aus schwer zugänglichen Bergregionen
Wo soll man anfangen, nach Hinterlassenschaften von Pandas in den weiten, zerklüfteten Bergregionen zu suchen? Um möglichst viele Proben effektiv und gezielt sammeln zu können, hat der WWF zunächst eine Wahrscheinlichkeitskarte für die Verbreitung der Roten Pandas erstellt.
Grundlage hierfür waren Beobachtungen von Schutzgebietspatrouillen und Daten aus allgemeinen Monitorings, die übereinandergelegt wurden. So gehen die Ranger:innen nur Strecken ab, in denen mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent Rote Pandas leben.
Laut dem aktuellem Stand der genetischen Untersuchungen leben in Bhutan noch gut 300 Rote Pandas. „Viele sind das nicht“, so Dr. Stefan Ziegler, Asien-Leiter beim WWF Deutschland. „Eine Krankheitswelle könnte sie alle auslöschen.“ Trotzdem machen selbst solche Zahlen Hoffnung. Die DNA-Proben deuten auf eine gute genetische Vielfalt der Panda-Bestände in Bhutan hin – auch wenn sich an den Genen sogar vergangene Bedrohungen ablesen lassen! Wichtig sind nun effektive Schutzmaßnahmen, damit die Zahlen steigen können.
Den Roten Panda schützen – mit den Menschen vor Ort
Für Straßen, Siedlungen und Wasserkraftwerke wird immer mehr Wald gerodet. Da ein großer Teil seines Lebensraums in Bhutan außerhalb der Schutzgebiete liegt, kann der Rote Panda nur mit Hilfe der lokalen Gemeinden effektiv geschützt werden. Daher bemüht sich der WWF, die Menschen Bhutans in die Umweltschutzarbeit mit einzubeziehen. In Workshops wird sowohl bei der lokalen Bevölkerung als auch bei Regierungsbediensteten das Bewusstsein für die Bedrohung der Pandas geschärft.
Vergangene Untersuchungen haben gezeigt, dass in der Bevölkerung Bhutans nur wenig über den Roten Panda und seine Bedrohungen bekannt ist. Um heute schon die Katzenbären von morgen und mit ihnen wertvolle Natur für viele weitere Arten und uns Menschen zu schützen, klären wir als WWF in Umweltclubs an Schulen über den Schutz der Tiere und ihres Lebensraums auf.
Auch die Förderung eines naturverträglichen Tourismus schafft alternative Einkommensquellen. Dazu zählen etwa Homestays, bei denen Reisende bei lokalen Familien wohnen, die Ausbildung von Naturführer:innen sowie die Unterstützung regionalen Kunsthandwerks.
„Der Rote Panda, wissenschaftlich Ailurus fulgens genannt, schien mit seinem Latein fast am Ende. Als Überlebenskünstler hat er zwar die letzte Eiszeit in den Bergregionen des Himalaja-Bogens überlebt, doch nun setzen ihm Waldverlust, Wilderei und der Klimawandel stark zu. Doch es gibt Hoffnung, denn durch unsere Arbeit vor Ort verstehen wir immer besser, die Ansprüche der Art an ihren Lebensraum und können so wichtige Schutzmaßnahmen treffen.“
Dr. Stefan Ziegler, Asienexperte beim WWF Deutschland
Waldweiden und wilde Hunde
In Bhutan spielt Wilderei heute keine große Rolle mehr für das Überleben der Roten Pandas. Eine große Bedrohung sind allerdings die sogenannten Waldweiden: Die lokalen Hirt:innen treiben ihr Nutzvieh in die Wälder – und dieses zerstört den Bambus, die wichtigste Nahrungsquelle der Roten Pandas. Das muss jedoch nicht sein. Der WWF unterstützt die Bevölkerung dabei, Grasflächen als Weideland und Wasserquellen außerhalb der Wälder anzulegen und zu erhalten.
Wir informieren außerdem darüber, wie wichtig es ist, die eigenen Hunde zu impfen. Denn Hütehunde und viele verwilderte Tiere, die von ihren Besitzer:innen nicht mehr gefüttert werden, können Staupe oder Tollwut übertragen – Krankheiten, die für Katzenbären tödlich sind. Von den Impfungen der Hunde profitiert auch die Bevölkerung, denn die Tollwut ist in diesem Teil der Welt noch endemisch.
Aktionsplan für die Roten Pandas
Rote Pandas reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums. Werden Wälder zerschnitten oder Bambusbestände zerstört, verlieren die Tiere wichtige Nahrungsquellen und etablierte Wanderkorridore. Der Schutz der Bergwälder ist deshalb für das Überleben der Katzenbären von entscheidender Bedeutung. Der WWF setzt sich in Bhutan gezielt dafür ein, Lebensräume besser miteinander zu vernetzen, degradierte Waldflächen wiederherzustellen und natürliche Bambusbestände langfristig zu erhalten.
Gemeinsam mit den bhutanischen Naturschutzbehörden hat der WWF 2025 den Aktionsplan 2.0 zum Schutz des Roten Pandas in Bhutan entwickelt – ein bedeutender Meilenstein für den Erhalt der stark gefährdeten Katzenbären. Ein besonderer Fokus liegt darauf, bestehende Wissenslücken über die Lebensweise der scheuen Tiere zu schließen, etwa zu ihrer Lebensraumnutzung und ihrem Fortpflanzungsverhalten.
Gleichzeitig sollen Ranger:innen in den Bereichen Datenerhebung, Monitoring und Wildtierrettung geschult werden, denn auch Muntjaks, Moschustiere und verschiedene Fasanarten teilen sich den Lebensraum mit den Katzenbären und tappen in von Wilderer:innen ausgelegte Schlingfallen. Damit die Ranger:innen die Schutz- und Monitoringmaßnahmen in den schwer zugänglichen Bergregionen effektiv umsetzen können, erhalten sie wichtige Ausrüstung wie Kamerafallen, GPS-Geräte und Forschungsequipment.
Darüber hinaus sieht der Aktionsplan vor, wichtige Lebensräume zu kartieren, sie stärker miteinander zu vernetzen und durch die Aufforstung degradierter Waldflächen die Regeneration natürlicher Bambusbestände zu fördern.
Die Umsetzung hat bereits begonnen: Gemeinsam mit Behörden, Ranger:innen und weiteren Projektpartner:innen hat der WWF den Forstdistrikt Trashigang im Osten Bhutans als erstes Schwerpunktgebiet ausgewählt. Im Mittelpunkt steht hier der Aufbau eines modernen Monitoringprogramms. In der Gemeinde Bartsam in Ostbhutan wurden auf zwei Hektar degradierte Forstflächen mit einheimischen Bambusarten aufgeforstet. Weitere zehn Hektar wurden bereits für die Aufforstung identifiziert.
Jedes Verbreitungsland zählt!
Auch in den angrenzenden Ländern Indien und in Nepal schützt der WWF die Roten Pandas und ihre Lebensräume. Wir fördern eine grenzübergreifende Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Ziel: die Katzenbären auf unserer Erde zu erhalten!
Der Rote Panda ist das Wappentier des kleinen indischen Bundestaats Sikkim, der im südlichen Himalaya zwischen China, Nepal und Bhutan liegt und erst 1975 der Indischen Union beitrat. Mehr als zehn Jahre lang war der WWF Deutschland dort aktiv und hat sich erfolgreich für den Schutz des Roten Pandas eingesetzt.
240 Hektar Lebensraum konnten durch Aufforstung zurückgewonnen und die Wilderei stark eingedämmt werden. „Bevor sich der WWF des Roten Pandas angenommen hat, waren die Tiere de facto schutzlos. Wir sind Deutschland dafür sehr dankbar, dass sich das geändert hat“, versichert Priya Shrestha vom WWF-Büro Sikkim.
Der Rote Panda als Inspiration
Dass der Rote Panda ein ganz besonderes Tier ist, hat übrigens auch die Mozilla-Foundation erkannt. Der „Firefox“, einer der weltweit meistbenutzten Internet-Browser, verdankt seinen Namen nämlich eben jenem kleinen drolligen Katzenbären. Allerdings haben die Logo-Designer nicht genau hingeschaut, denn der Firefox ähnelt tatsächlich eher einem Fuchs als einem Roten Panda.
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