Sowas von süß, sowas von bedroht: Schuppentiere. Sie sind die am häufigsten illegal geschmuggelten Säugetiere der Welt und durch diesen illegalen Handel akut bedroht.

Wenn es um illegalen Wildtierhandel geht, denken viele automatisch an Artensterben, den Schwund von Biodiversität und die damit einhergehende Bedrohung für den Menschen. Häufig haben wir Bilder von toten Tieren vor Augen – oder von dem, was von den Tieren noch übriggeblieben ist und als Produkt auf Märkten oder in Läden verkauft wird.

Weitaus seltener haben wir im Blick, wie sich illegaler Wildtierhandel auch auf den Nachwuchs von geschmuggelten Tieren auswirken kann. Ganz besonders gilt dies auch für die am häufigsten illegal gehandelten Säugetiere der Welt: die Schuppentiere.

Weltweit gibt es acht Arten von Schuppentieren, vier in Afrika und vier in Asien. Alle acht Arten stehen als „bedroht“ auf der Internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN). Drei von ihnen werden direkt als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Es sieht nicht gut aus für die Schuppentiere.

Sind Schuppentiere gefährlich?

Schuppentiere stellen, wie die meisten anderen Wildtiere auch, in ihrem eigenen Lebensraum keine Gefahr für den Menschen dar.

Doch wenn sie gehandelt werden, erhöht sich das Risiko der Übertragung von Viren und neu auftretenden Infektionskrankheiten auf den Menschen. So stand zu Beginn der Corona-Pandemie das Pangolin im Verdacht, einer der Zwischenwirte des Virus gewesen zu sein, das so auf einem Markt vom Tier auf den Menschen hätte übergehen können. Diese Theorie ist mittlerweile widerlegt.

Trotzdem können gerade im illegalen und schlecht regulierten Wildtierhandel Krankheitserreger auf den Menschen überspringen. Der WWF setzt sich daher zusammen mit seinen Partner:innen gegen solchen Handel ein.

Schuppentiere sind unkaputtbar und doch hilflos

Schuppentier © naturepl.com / Jabruson / WWF
Schuppentier © naturepl.com / Jabruson / WWF

Dabei haben die Schuppentiere, auch Pangoline genannt, bereits mehrere Millionen Jahre auf der Erde überlebt. Gerade weil sie robust sind und eine Selbstverteidigungsstrategie beherrschen, gegen die selbst die geschicktesten und stärksten Raubtiere der Welt wenig ausrichten können.

Hat beispielsweise ein Löwe, Leopard oder Tiger vor, ein Pangolin zu vertilgen, so rollt sich das Schuppentier zu einer Kugel zusammen und klappt die scharfkantigen Schuppen nach außen. Raubtiere können dem Tier dann kaum mehr etwas anhaben, der Panzer ist einfach zu stark, unkaputtbar. Die Raubtiere müssen meist hungrig weiterziehen.

Gegen Menschen hingegen sind die Urzeit-Wesen machtlos. Wilderer sammeln die zusammengerollten Pangoline einfach ein. Sie haben es insbesondere auf die Schuppen und das Blut sowie das Fleisch der Tiere abgesehen.

Vor allem die Schuppen der Pangoline werden als vermeintliches Wundermittel der Traditionellen Asiatischen Medizin gehandelt. Sie sollen Blutstauungen auflösen, den Milchfluss bei stillenden Müttern anregen, Schwellungen und Entzündungen reduzieren oder Rheumaschmerzen lindern. Dabei bestehen Pangolinschuppen lediglich aus Keratin, genau wie unsere Fingernägel. In einigen afrikanischen Ländern werden ihnen auch magische Kräfte zur Abschreckung böser Geister oder für besondere Gesundheit nachgesagt. Auch ihr Fleisch wird verzehrt.

Stress durch Wilderei führt zu Schuppentier-Frühgeburten

Gewildertes Schuppentier mit Jungem © DNPW Zambia
Gewildertes Schuppentier mit Jungem © DNPW Zambia

Im Kavango-Sambesi-Schutzgebietsnetzwerk (KAZA), das zwischen Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe liegt und sich über ein Gebiet von 520.000 Quadratkilometern erstreckt, kommt es immer wieder zu Wilderei. Im Herbst 2021 wurde ein Wilderer im Sioma-Ngwezi-Nationalpark in Sambia mit einem lebenden Steppenschuppentier festgenommen.

Zum großen Erstaunen der Parkmitarbeiter:innen des Department of National Parks and Wildlife (DNPW) brachte das beschlagnahmte Schuppentier ein Jungtier zur Welt. Die Freude war groß, die Parkmitarbeiter:innen überrascht – und sie wussten nicht so recht, was nun zu tun ist.

Sie wendeten sich an Wildlife Crime Prevention (WCP), einer Organisation mit einem kleinen Tier-Waisenhaus: „WCP gab Richtlinien für die Pflege der Schuppentiermutter vor: viel Wasser, Traubenzucker oder eine warme Decke, um die während der Geburt verlorenen Kräfte wiederzuerlangen. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Schuppentierjunge von der Mutter gesäugt und blieb fünf Tage bei uns, bevor es nach Lusaka gebracht wurde“, sagt Debra Nachinga, Ökologin des DNPW.

Das WCP-Team schickte ein Flugzeug los, um Mutter und Jungtier zu holen. Die beiden wurden am 05. Oktober 2021 zu den WCP-Einrichtungen in Lusaka gebracht. „Einen Tag nach der Ankunft wurde aber festgestellt, dass die Schuppentiermutter ihr Junges nicht mehr säugen wollte. Die Mutter wies das Jungtier ab“, so Nachinga.

Wenn trächtige Schuppentiere gefangen werden, führt dies zu Stress – und dadurch oft zu Frühgeburten. „Wenn Schuppentiere zu früh gebären, stirbt der Nachwuchs oft, weil die Weibchen den Nachwuchs nicht annehmen“, so Debra Nachinga.

Mit Flasche großziehen Richtung Freiheit

Schuppentier-Junges mit Flasche © DNPW Zambia
Schuppentier-Junges mit Flasche © DNPW Zambia

Nach dieser Erkenntnis stellte das WCP-Team das Jungtier auf Flaschennahrung um. Zum Zeitpunkt der Abreise nach Lusaka wog das Schuppentierjunge 239 Gramm. Am 25. November 2021 wog es bereits 750 Gramm und seine Mutter elf Kilogramm.

Das Team plant, das Schuppentierjunge in einem der Nationalparks freizulassen, sobald es selbstständig und nicht mehr auf den Menschen angewiesen ist.

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Auswirkungen des illegalen Wildtierhandels nicht nur die gefangenen oder getöteten Tiere betreffen, sondern auch deren Nachwuchs.

  • Steppenschuppentier © Richard Roth Schuppentiere in Not

    Die Schuppentiere sehen ein wenig aus wie Tannenzapfen auf Beinen und so lautet ein weiterer, bildlicher Name des Pangolins auch Tannenzapfentier. Alles über die besonderen Tiere

  • Beschlagnahmte Pangolin-Schuppen © Andy Isaacson / WWF-US Deutschland: Schmuggel von Schuppentierschuppen

    Nicht nur Asien oder Afrika stehen im Zentrum des Schmuggels, auch Deutschland spielt eine Rolle im internationalen Handel mit den Schuppen der Schuppentiere. Weiterlesen ...

  • Malaiisches Schuppentier © Edwin Tan Schmilke / WWF Pangolin: Fakten über die Schuppentiere

    Schuppentiere sind aus viele Gründen besonders einzigartig. Hier stellen wir Ihnen einige davon vor. Zum WWF-Blog

  • © WWF / Folke Wulf Der WWF-Souvenirratgeber

    Erfahren Sie, welche Souvenirs Sie einkaufen können und von welchen Sie die Finger lassen sollten - auch als App. Alle Informationen