Ein Jaguar pirscht durch den Tropenwald.

Monte Verde – Schützen Sie mit uns die Heimat der Jaguare!

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Stand: 28.09.2026

Wie eine mächtige, grüne Insel stemmen sich die Wälder des indigenen Territoriums Monte Verde in Bolivien gegen eine der schlimmsten Entwaldungsfronten unserer Erde. Der größte verbliebene tropische Trockenwald ist wichtige Heimat für Jaguare, viele weitere endemische Arten und nicht zuletzt die Menschen, die hier leben. Aber das Land ist begehrt. Immer wieder legen Eindringlinge verheerende Brände, um Flächen für Soja und Rinder zu erschließen.

Grünes Juwel Monte Verde

Jaguar
Jaguar © Aide / Adobe Stock

Über 9.500 Quadratkilometer erstreckt sich das indigene Territorium Monte Verde im Nordosten Boliviens: Eine riesige Fläche, fast vollständig bedeckt von wertvollem tropischem Trockenwald. Anders als im permanent feuchten Regenwald lassen die lichten Baumkronen die Sonne bis zum Boden dringen.

Tiere und Pflanzen sind perfekt angepasst an den Wechsel von Regenzeit und monatelanger Trockenheit, in welcher viele Bäume ihr Laub abwerfen. Die wohl heimlichsten Bewohner dieser besonderen Wälder sind die gut getarnten und äußerst scheuen Jaguare. Sie benötigen große, zusammenhängende Reviere. Doch Trockenwälder gehören zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen der Welt.

„Trockenwälder lassen sich leichter abholzen als dichte Regenwälder und verlieren seit Jahren weltweit enorm an Fläche.“

Roberto Maldonado, Südamerika-Referent beim WWF Deutschland

Werden Sie aktiv und schützen den Amazonas

Chiquitano – An vorderster Front gegen die Invasion

Monte Verde ist Heimat der Chiquitano, des größten indigenen Tieflandvolks Boliviens. Sie verstehen sich als Hüter:innen des Waldes. Ihr Land ist zwar rechtlich als indigenes Territorium geschützt. Dennoch gehört es heute zu den am stärksten von illegaler Entwaldung betroffenen indigenen Gebieten Boliviens.

Denn gerodetes Land ist wertvoll: Der Chiquitano-Wald in Monte Verde wird mittlerweile sogar an der Börse gehandelt.

Die Chiquitano

Die Chiquitano sind aus verschiedenen indigenen Gruppen mit unterschiedlichen Sprachen und kulturellen Traditionen hervorgegangen, die während der Kolonialzeit zusammengeführt wurden. Sie verfügen über ein tiefes Wissen über den Wald und die nachhaltige Nutzung seiner Pflanzen und geben es seit Generationen weiter. In Harmonie mit der Natur zu leben, ist in der Mythologie der Chiquitano tief verwurzelt. Der Mensch ist Teil eines großen, lebendigen Beziehungsgeflechts mit der beseelten Natur. Tiere, Pflanzen, Flüsse und Berge gelten als eigenständige Akteure, die Absichten, Gefühle und eine eigene Kultur besitzen. Der Name Chiquitano geht vermutlich auf die spanische Bezeichnung chiquitos („die Kleinen“) zurück: Die Spanier sollen die Bezeichnung wegen der auffallend niedrigen Eingänge der traditionellen Hütten gewählt haben.

Waldbrände aus Kalkül

Ein Feuer im entfernten Pantanal in Bolivien.
Ein Feuer im entfernten Pantanal in Bolivien © Marius Brants / WWF

Immer wieder wird Monte Verde von verheerenden Bränden heimgesucht. Teils haben sie natürliche Ursachen. Häufig aber geraten Brandrodungen wegen zunehmender Dürre durch den Klimawandel außer Kontrolle und fressen sich tief in das geschützte Territorium.

Von historischem Ausmaß waren die Feuer zuletzt 2024: Sie zerstörten in Monte Verde und weiteren Teilen Boliviens Millionen Hektar Wald, nahmen vielen Chiquitano ihr Zuhause, töteten zahlreiche Tiere und führten zu einem deutlichen Rückgang der Jaguar-Population.

Nach den Bränden mussten die geflohenen Chiquitano-Gemeinden mit ansehen, wie illegale Eindringlinge selbst jahrhundertealte Bäume fällten, die das Feuer überstanden hatten.

Perspektiven schaffen

Eine Gruppe engagierter Bewohner:innen, die sich um die Zukunft des Waldes und damit des Jaguars kümmern.
Eine Gruppe engagierter Bewohner:innen, die sich um die Zukunft des Waldes und damit des Jaguars kümmern © F. Gutierrez / WWF

Seit 2022 unterstützt der WWF Bolivien Chiquitano-Gemeinschaften in Monte Verde dabei, ihre Heimat zu verteidigen und die Wälder zu schützen. „Das ist in den einzelnen Gemeinden so erfolgreich, dass wir das Projekt unbedingt auf weitere Dörfer ausweiten wollen – und müssen, um die Zerstörung der wertvollen Wälder aufzuhalten und eine stabile Jaguarpopulation zu bewahren“, so Roberto Maldonado vom WWF Deutschland.

Die Chiquitano in Monte Verde leben vorwiegend von Kleinfeldackerbau, Viehhaltung und nachhaltiger Forstwirtschaft. Sie wissen: Den Wald zu nutzen bedeutet noch lange nicht, ihn zu zerstören! Viele Gemeinden sind jedoch wirtschaftlich kaum abgesichert. Langfristige und faire Einkommensmöglichkeiten fehlen. Das macht anfällig für den Druck illegaler Akteur:innen und schafft nicht selten gefährliche Abhängigkeiten.

Intakter Wald muss wertvoller sein als gerodete Flächen

Zusammen mit den Indigenen baut der WWF in Monte Verde eine zertifizierte nachhaltige Forstwirtschaft auf. So können die Gemeinden ihr Holz und andere Waldprodukte selbst besser vermarkten – und verdienen am stehenden Wald, statt ihn aus Not womöglich für Sojafelder oder Rinderweiden zu verpachten. Geerntet wird dabei nur so viel Holz, dass die Funktionsfähigkeit des Ökosystems vollständig erhalten bleibt.

Zurück zur Wertschätzung der Jaguare

Bewohner:innen bringen eine Kamerafalle in Monte Verde an, um Daten des Jaguars zu bekommen.
Bewohner:innen bringen eine Kamerafalle in Monte Verde an, um Daten des Jaguars zu bekommen © WWF

Traditionell gilt der Jaguar den Chiquitano als Schutzgeist des Waldes. In Gemeinden mit Viehhaltung kann er jedoch auch als Bedrohung wahrgenommen werden, da er Rinder reißt. Die erste Projektgemeinde des WWF, Palmarito de la Frontera im äußersten Südosten Monte Verdes, verlor bis zu zehn Rinder pro Jahr an die Jaguare. Für Familien mit nur wenigen Tieren oft existenzbedrohend. In Folge wurden die Großkatzen bejagt.

Der WWF hilft den Gemeinschaften, ihr Vieh mit Elektrozäunen und Kamerafallen zu schützen. Mit Erfolg: Im letzten Projektjahr wurde kein einziges Rind mehr von einem Jaguar getötet. Durch den Schutz ihrer Lebensgrundlagen, die Inwertsetzung der Wälder und die Einbindung in das Monitoring können die Chiquitano heute wieder stolz auf „ihre“ Jaguare sein. Während der schlimmen Brände 2024, als die Beutetiere knapp wurden, legten sie gar Futter für die Großkatzen in den Wäldern aus. Dieser Wandel in der Einstellung ist wichtiger Erfolg, der den Jaguaren in der Region wieder eine Zukunft sichert!

„Zu Beginn standen die Gemeindemitglieder den Jaguaren kritisch gegenüber. Heute trauern sie um in den Bränden verlorene Tiere – und in einem Ort stritten Pfarrer und Rinderhalter sogar mitten in der Messe darüber, wer laut Zählung mehr Jaguare auf seinem Grundstück hat.“

Roberto Maldonado, Südamerika-Referent beim WWF Deutschland

Die große Bedeutung von Monte Verdes Wäldern

Monte Verde liegt in der Übergangszone zwischen dem feuchten Amazonas-Regenwald und den trockenen Savannen der Tieflandebene Gran Chaco. Viele Tier- und Pflanzenarten hier gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.

Für den Jaguar verbinden die Trockenwälder unterschiedlichste Lebensräume: Amazonien, den Gran Chaco, den artenreichen Cerrado und das Pantanal, das größte Feuchtgebiet der Erde. Auch viele weitere Raubkatzen wie Pumas oder Ozelots werden von Kamerafallen in Monte Verde dokumentiert. Außerdem zum Beispiel Tapire, Ameisenbären, seltene Vogelarten und zahlreiche wichtige Beutetiere der Jaguare.

Nicht zuletzt speichern die „Chiquitanía“ genannten Wälder enorme Mengen Kohlenstoff und schützen so unser Klima. Ihre Zerstörung wird auch durch die Soja- und Fleischproduktion für den europäischen Markt vorangetrieben.

Mit einem ganzen Bündel an Anstrengungen schützt der WWF die Jaguare als Schirmart der Region – und damit das gesamte, einzigartige Ökosystem. Helfen Sie uns dabei!

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