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Stand: 01.10.2019

Mensch und Natur: Länderporträt Indonesien

Indonesiens besteht aus 17.508 Inseln, von denen etwa 6.000 bewohnt sind. Die größten davon sind Borneo, Sumatra, Java und Sulawesi. Die 262 Millionen Bewohner Indonesiens teilen sich in fast 360 verschiedene Völker auf. Diese Vielfalt setzt sich im Artenreichtum fort. Der Regenwald Indonesiens gilt als der artenreichste weltweit. Mit ausgesprochen vielen endemischen (also nur hier vorkommenden) Arten, Gattungen und Familien von Pflanzen und Tieren gehört Indonesien zu den Megadiversitätsländern dieser Erde.

Orang-Utan im Regenwald © Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien
Orang-Utan im Regenwald © Jimmy Syahirsyah / WWF Indonesien

Die Wälder Sumatras, Borneos und Papuas gehören zu den wichtigsten Regenwaldgebieten der Erde.  In den letzten Jahrzehnten wurden dort aber riesige Flächen gerodet oder abgebrannt. 1990 waren noch zwei Drittel Indonesiens mit Wald bedeckt. Von 2011 bis 2018 verlor Indonesien 25,6 Millionen Hektar Wald. Das entspricht einem Rückgang von 16 Prozent seit dem Jahr 2000. Nach stetig ansteigender Entwaldung ging die Entwaldungsrate in Indonesien 2017 und 2018 erstmals zurück.

Großindustrien aus dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft, aber auch Kleinbauern roden Naturwald für Palmöl und Holzplantagen. Orang-Utans, Tiger, Elefanten, Nashörner und viele andere Arten verlieren dadurch ihren Lebensraum, und lokale Gemeinden ihre Existenzgrundlage. Weitere Folgen sind heftige Landkonflikte und Migrationsbewegungen, Erosion, Dürregefahr und zunehmende Waldbrände.

Brände, Entwaldung und Übernutzung

Waldbrände 2019 © Zulfahmi / WWF Indonesien
Waldbrände 2019 © Zulfahmi / WWF Indonesien

Beim Abbrennen der Wälder werden enorme Mengen Kohlenstoff freigesetzt. Besonders verheerend sind die Folgen der Waldbrände in so genannten El-Nino-Jahren. Alle vier bis fünf Jahre gibt es dadurch eine besonders lange und heftige Trockenzeit. Vorbeugung und Bekämpfung von Waldbränden hat seit 2015 politische Priorität in Indonesien. 2019 zeigt sich, dass hier noch viel zu tun Die indonesische Regierung hat sich vorgenommen, bis 2030 141.100 Quadratkilometer wieder aufzuforsten. Doch der Fortschritt ist sehr langsam. Ebenso wie die Umsetzung eines Moratoriums zum Schutz von Primärwäldern und Torfmoorgebieten vor der Umwandlung in Monokulturen.


Gründe für die Entwaldung sind die Produktion und Extraktion von Rohstoffen wie Papier und Palmöl. Ein weiterer Grund ist der enorme Druck durch immer mehr Menschen. Die Bevölkerung Indonesiens ist von 69 Millionen im Jahr 1950 auf fast 260 Millionen im Jahr 2016 gewachsen. Mit einem Bevölkerungswachstum von plus 1,10 Prozent (2017) pro Jahr steigt die Zahl der Indonesier immer noch jährlich um drei Millionen Menschen.

Im Schwellenland Indonesien gibt es eine große Schere zwischen Arm und Reich. Mehr als Hälfte der Bevölkerung führt ein Leben unterhalb der Armutsgrenze.

  • Im Human Development Index der UN für menschliche Entwicklung steht Indonesien auf Rang 113 von 180.
  • Der Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) von Transparency International liegt Indonesien 2018 auf Rang 89 von 180.
  • Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 73,2 Jahre. 

Menschenrechte in Indonesien

Dayak-Frau auf Borneo © Alain Compost / WWF
Dayak-Frau auf Borneo © Alain Compost / WWF

Indonesien ist eine der bevölkerungsreichsten Demokratien der Welt, hat aber ein massives Korruptionsproblem. Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen sind weitgehen friedlich abgelaufen. Indonesien ist Mitglied der G20.


Menschenrechtsgruppen berichteten aus einigen Teilen des Landes auch über schwere Menschenrechtsverletzungen. Indonesischen Polizei- und Sicherheitskräften werden exzessive Gewaltanwendung, Folter und Missbrauch vorgeworfen. In Papua und West Papua kommt es immer wieder zu willkürlichen Tötungen durch Militärs.

Indonesien ist bekannt für die drakonischen Strafen im Kampf gegen Drogen. Dabei kommt es auch zu zahlreichen außergerichtlichen Hinrichtungen von vermeintlichen Drogendealern. 


Indonesien galt lange als Beispiel für einen moderaten und offenen Islam. In der Provinz Aceh trat jedoch 2015 ein neues islamisches Strafgesetzbuch in Kraft, welches beispielsweise für gleichgeschlechtliche Paare, uneheliche Beziehungen, Alkoholkonsum und Glücksspiel Prügelstrafen vorsieht.

Im Mai 2017 begutachtete der UN-Menschenrechtsrat die Lage der Menschenrechte in Indonesien. Indonesien akzeptierte zwar 167 der 225 Empfehlungen, lehnte aber u.a. Untersuchungen vergangener Menschenrechtsverletzungen sowie die Aufhebung der Blasphemie-Bestimmungen ab, durch die Minderheiten wie Bahai, Christen und Schiiten werden vermehrt eingeschüchtert werden.

Frauen sind auf dem Papier weitgehend gleichberechtigt, werden aber in vielen Gesetzen und Bräuchen diskriminiert.

Der WWF in Indonesien

Der WWF ist seit 1962 in Indonesien aktiv. Seit 1998 gibt es eine offizielle nationale WWF-Präsenz. Es gibt Naturschutzprojekte in 22 Gebieten Indonesiens.

Was der WWF Deutschland in Indonesien macht

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