WWF Deutschland

https://www.wwf.de/


Content Section

Stand: 20.08.2018

Geisternetze aus der Ostsee bergen

Seit 2013 engagiert sich der WWF Deutschland aktiv gegen verlorene Fischereinetze, so genannte Geisternetze, in der Ostsee. Dazu gehören Bergungsaktionen, die Entwicklung von Recyclingmethoden für alte Netze und die Beteiligung am ostseeweiten EU-Projekt MARELITT Baltic, das Lösungen gegen den Eintrag von Netzen in die Ostsee entwickeln wird.

Warum sind Geisternetze ein Problem?

An den deutschen Küsten hat die Fischerei eine lange Tradition. Schleppnetze, Stellnetze und Reusen werden in der Ostsee zum Fang von Hering, Sprotte, Scholle, Flunder und Dorsch eingesetzt. Seit den 60er Jahren werden Fischernetze nicht mehr aus den leicht vergänglichen Naturstoffen Hanf, Sisal oder Leinen hergestellt, sondern aus synthetischen Stoffen wie Polypropylen, Polyethylen und Nylon (Polyamid).

Durch das Verhaken an Bodenhindernissen wie Felsen, Ankersteinen und Wracks, aber auch durch Kollisionen mit Sportbooten und unerwartete Unwetter, gehen Netze verloren, auch wenn die Verluste seit der Einführung des genauen GPS Systems geringer geworden sind. Verlorene Netze verrotten am Meeresgrund erst nach 400 bis 600 Jahren und tragen damit zur Plastikverschmutzung unserer Meere bei. Netzfasern und chemische Zusätze gelangen als Mikroplastik in die Nahrungskette. An Wracks oder als „aufgestellte“ Stellnetze fischen sie als Geisternetze noch lange nach dem Verhaken sinnlos weiter. Neben Fischen werden Geisternetze auch für Robben, Schweinswale und Tauchvögel zur Falle, wenn diese den verhedderten Fischen nachjagen.

Was tut der WWF?

Der WWF testet Methoden zur umweltverträglichen Bergung von Geisternetzen und sucht nach Wegen, altes Netzmaterial dem Recycling und damit dem Wertstoffkreislauf wieder zuzuführen. Dazu arbeitet der WWF mit Fischern und Tauchteams zusammen, die verhakte Netze vom Boden lösen und mithilfe einer Netzharke bergen. Zusammen mit Kollegen in Polen, Schweden und Estland entwickelt der WWF Deutschland so im Rahmen des EU Projekts „MARELITT Baltic“ alternative, ökologisch verträgliche Bergungsmethoden und eine Verwertungskette, um den Plastikmüll der Geisternetze in Plastikrohstoffe umzuwandeln.

Wo finden wir die Netze?

Bei der Suche nach Geisternetzen ist das Wissen der Fischer und Taucher vor Ort am wichtigsten. Fischer kennen ihr Revier, Taucher die Unterwasserlandschaft. Beide erfassen Daten zu Unterwasserhindernissen und Wracks, an denen sich Netze verfangen und zu Geisternetzen werden können. Die Daten fließen in eine Karte der Ostsee ein, die uns hilft, „Hot Spots“ für Geisternetze zu identifizieren und dort gezielt nach verfangenen Netzen zu suchen.

Bei der Suche und Bergung arbeitet der WWF Deutschland eng mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern (StALU MV) und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern zusammen, um den Schutz der Meeresumwelt und der Kulturgüter zu gewährleisten. In empfindlichen Lebensräumen und an historisch relevanten Wrackstandorten werden keine Netze geborgen.

Verfolgen Sie die aktuellen Aktionen und den Fortschritt des Projekts „Geisternetze“ beim WWF und erfahren Sie mehr über die Bergungsaktionen der letzten Jahre.

Partner im Geisternetze-Projekt

Im Projekt MARELITT Baltic (EU Interreg Projekt) arbeiten WWF Deutschland, WWF Polen, die Nichtregierungs-Organisationen Keep Sweeden Tidy und Keep Estonian Seas Tidy mit der Hafenstadt Simrishamn in Südschweden zusammen, um Geisternetze zu identifizieren, reduzieren und wiederzuverwerten. Das Geisternetze-Projekt des WWF wird von der Tönsmeier Entsorgungswirtschaft GmbH gefördert und von Aktionen in mehreren Edeka Märkten unterstützt. Darüber hinaus ermöglichen Privatspenden die Bergung von Geisternetzen aus der Ostsee. Bei der technischen Umsetzung der Recyclingversuche unterstützt uns die Vecoplan AG.

   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF