Der Salonga-Nationalpark im Herzen des Kongo-Beckens ist Heimat vieler Bonobos – schätzungsweise 40 Prozent der Population leben hier. In den unberührten Wäldern des Nationalparks finden die Tiere Nahrung, Lebensraum und den Schutz der Ranger:innen. In einer Studie aus dem Jahr 2024 haben Wissenschaftler:innen untersucht, wie es um die Population der Bonobos in Salonga steht. Das Ergebnis: Zwischen 8.000 und 18.000 Tiere durchstreifen den Salonga-Nationalpark.

Der Salonga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo ist das größte Waldschutzgebiet Afrikas und umfasst eine Fläche von der Größe der Schweiz. Es handelt sich um einen unberührten Primärwald, der Zufluchtsort für die größte Population von Bonobos ist, einer Menschenaffenart, die nur im Kongo vorkommt. Hier sind die Bonobos relativ sicher vor Abholzung und kommerzieller Jagd, die anderswo ihre Existenz bedrohen. 

Wie viele Bonobos gibt es eigentlich?

Salonga National Park © Thomas Nicolon / WWF DRC
Salonga National Park © Thomas Nicolon / WWF DRC

Doch der Titel Salongas als „Bonobo-Hochburg“ hat einen entscheidenden Knackpunkt: Die genaue Zahl der in Salonga lebenden Bonobos war lange unbekannt, denn es gab keine umfassende Studie über das riesige Gebiet des Parks, das 33.000 Quadratkilometer geschützten Wald und einen 9.000 Quadratkilometer großen Korridor menschlicher Siedlungen umfasst.

Um den Erfolg von Schutzmaßnahmen für einzelne Tierarten beurteilen zu können, sind jedoch verlässliche Daten über die Bestandsentwicklung notwendig. Wissenschaftler:innen des Max-Planck-Instituts wollten deshalb herausfinden, wie es genau um die Bestände der Bonobos im Salonga-Nationalpark steht.

Dafür haben sie in einer Studie aus dem Jahr 2024 die Daten von 13 Erhebungen ausgewertet, die zwischen den Jahren 2002 und 2018 in einem Gebiet von 42.000 Quadratkilometern im Salonga-Nationalpark und seinem Korridor mit einem Team von 48 Wissenschaftler:innen durchgeführt wurden.

Das Ergebnis: Trotz eines leichten Rückgangs der Population weist die Studie darauf hin, dass der Salonga-Nationalpark weiterhin eine Hochburg für die Bonobo-Population ist. Zwischen 8.000 und 18.000 der Menschenaffen leben in den Wäldern. Dieser Erfolg ist auf ein verbessertes Parkmanagement sowie auf kontinuierliche Forschung und Monitoring zurückzuführen. Sowohl Forschung als auch Monitoring sind wichtig, um Trends und Bedrohungen im Nationalpark besser zu verstehen.

Wie werden Bonobos gezählt?

Seit dem Jahr 2000 wurden in Salonga 13 Bestandserhebungen von 48 Wissenschaftler:innen durchgeführt. Die Studie aus dem Jahr 2024 fasst diese erstmals zusammen.

Die Herausforderung bestand darin, dass bei den verschiedenen Bestandserhebungen unterschiedliche Methoden zur Zählung der Bonobos verwendet wurden, die von der Zählung der Nester bis hin zur Sichtung von Kamerafallen-Aufnahmen reichten. Dabei deuteten beispielsweisde die Ergebnisse der Nestzählungen auf eine geringere Populationsdichte hin als die Kamerafallen-Aufnahmen.

Die jüngste Studie verwendet statistische Methoden, um diese Unterschiede auszugleichen und Schätzungen für die Bonobo-Populationen im gesamten Gebiet zu liefern – einschließlich der bisher nicht untersuchten Gebiete. Dennoch kann die Zahl der Bonobos nur mit einer so großen Spanne (8.000 bis 18.000) angegeben werden.

Wir müssen wachsam bleiben

Bonobos in Luikotale © Thomas Nicolon / WWF
Bonobos in Luikotale © Thomas Nicolon / WWF

Die Wissenschaftler:innen verzeichneten in ihrer Studie aus dem Jahr 2024 einen leichten Rückgang der Bonobo-Population. Dieser sei jedoch „statistisch nicht signifikant“. „Das bedeutet, dass die Bonobos nicht unmittelbar bedroht sind, wir aber wachsam bleiben und weiter in Schutzbemühungen investieren müssen, wenn wir ihr Überleben sichern wollen“, sagt Mattia Bessone, Erstautor der Studie.

Dementsprechend geben die Wissenschaftler:innen in ihrer Studie auch Anhaltspunkte, die in zukünftige Schutzbemühungen einfließen können. So ist der Zustand der Wälder der wichtigste Indikator für eine stabile Bonobo-Population. Je dichter der Primärwald ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bonobos dort leben. Die Studie zeigt auch, wie sich die Nähe zu Menschen auswirkt: In der Nähe von Dörfern gibt es weniger Bonobos.

Die Arbeit der Ranger:innen ist effektiv!

Ecoguards im Kongo-Becken © Nuria Ortega / WWF
Ecoguards im Kongo-Becken © Nuria Ortega / WWF

Die Nähe zum Menschen ist aber nicht immer negativ. Die Studie zeigt auch, dass Bonobos häufiger in der Nähe von Posten der Ranger:innen vorkommen! „Wir können nicht sagen, was die Ranger:innen konkret tun, um diesen Effekt zu erzielen“, sagt Besson. „Es könnte sein, dass die Ranger:innen Wildernde abschrecken. Was auch immer der Grund ist, es ist klar, dass allein die Anwesenheit von Gesetzeshüter:innen einen positiven Effekt auf die Bonobos hat.“ 

Auch anderswo hilft die Anwesenheit von Menschen, die Bonobos zu schützen: Im Süden des Parks liegen die Dörfer einer indigenen Gemeinschaft. „In diesen Dörfern gibt es ein kulturelles Tabu, das die Jagd auf Bonobos verbietet“, sagt Bessone, „Das könnte der Grund für den positiven Effekt auf die Bonobo-Population sein.“

Von Misstrauen zu Neugier: Bonobo-Habituierung in Salonga

Für die Habituierung von Bonobos braucht es viel Geduld.
Für die Habituierung von Bonobos braucht es viel Geduld © WWF RDC

Seit Mitte 2024 läuft im Norden des Salonga-Nationalparks, in Inkomu, ein Habituierungsprogramm für Bonobos. Ziel ist es, eine ausgewählte Gruppe über einen langen Zeitraum hinweg behutsam und langsam an die Anwesenheit von Menschen zu gewöhnen – ähnlich wie bei den Berggorillas im Virunga-Gebiet, wo diese Methode seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert wird.

Ein Team von Bonobo-Sucher:innen begleitet die Tiere täglich – mit gebührendem Abstand, um ihnen keinen Stress zu bereiten oder sie zur Flucht zu veranlassen. Nach 18 Monaten Geduld zeigten sich erste Erfolge: Im November 2025 konnten die Forschenden die Bonobos über längere Zeit aus nächster Nähe beobachten, ihr Sozialverhalten dokumentieren und wertvolle Daten sammeln.

Im ersten Quartal 2026 folgte ein weiterer Meilenstein: Eine Gruppe von mehr als 20 Bonobos näherte sich dem Lager der Forscher:innen und blieb fast eine Stunde in unmittelbarer Nähe. Die Tiere bewegten sich ruhig in der Umgebung, spielten und kletterten in den Bäumen. Ein derart ruhiges und vertrauensvolles Aufeinandertreffen ist seit Beginn des Programms in diesem Gebiet beispiellos!

Diese Entwicklung bestätigt die Fortschritte der Habituierung und zeigt: Die Bonobos beginnen, Vertrauen zu fassen. Das ist eine zentrale Voraussetzung für verantwortungsvollen Ökotourismus. Indem das Programm eine respektvolle Beobachtung der Primaten in ihrem natürlichen Lebensraum ermöglicht, schafft es Perspektiven für nachhaltigen Naturschutz – und für nachhaltige Einkommensmöglichkeiten für die Menschen vor Ort.

Der Besuch der Bonobos ist somit weit mehr als ein besonderer Moment: Er ist ein starkes Signal für den Erfolg der bisherigen Arbeit – und ein Ansporn, diesen Weg konsequent weiterzugehen.

Die Bonobos brauchen unseren Schutz

Abholzung und illegale Jagd sind nach wie vor die größten Bedrohungen für die Bonobos im Salonga-Nationalpark.

Die Studie von 2024 zeigt deutlich, dass der Erhalt der Wälder und eine bessere Strafverfolgung wirksam sind, um die Bonobos zu schützen. Deshalb arbeitet der WWF gemeinsam mit Partner:innen vor Ort weiter daran, dass die Bonobos auch in Zukunft in den Wäldern des Kongo-Beckens leben können. 

So können Sie helfen

  • Bonobo © Karine Aigner / WWF-US Bonobos: Bedrohte Menschenaffen aus dem Kongo

    Der weltweit einzige, natürliche Lebensraum der Bonobo-Affen liegt in einem schwer zugänglichen Gebiet in der Demokratischen Republik Kongo. Zur Übersicht

  • Salonga von oben © Cody Pope / WWF Naturwunder Salonga

    Der größte geschützte Regenwald in Afrika und gleichzeitig das drittgrößte tropische Waldschutzgebiet der Erde bietet einer Vielzahl von Arten ein Zuhause. Alles über Salonga

  • Schwierige Überfahrt © Thomas Nicolon / WWF Mattia Bessone: Biomonitoring ist die Grundlage

    Ein Interview mit dem Feldforscher und Koordinator der Maßnahmen im Salonga, Mattia Bessone. Zum Gespräch