Orang-Utans sind heute die größten Baumsäugetiere der Welt und die einzigen verbliebenen Großen Menschenaffen Asiens. Die friedlichen Primaten sind vom Aussterben bedroht. In freier Wildbahn leben sie nur noch auf den südostasiatischen Inseln Borneo und Sumatra. Auf Borneo arbeitet der WWF intensiv daran, ihre Lebensräume zu erhalten und wiederherzustellen.

Borneo – Heimat für Orang-Utans

Borneo-Orang-Utan in Bukit Piton / Malaysia © WWF-Malaysia / David James
Borneo-Orang-Utan in Bukit Piton / Malaysia © WWF-Malaysia / David James

Borneo ist die drittgrößte Insel der Erde. Neben dem Kleinstaat Brunei teilen sich Indonesien und Malaysia den Hauptteil der Fläche Borneos: Im Norden liegen die beiden malaysischen Staaten Sabah und Sarawak, im Süden der wesentlich größere, indonesische Teil Kalimantan. Der Name Orang-Utan bedeutet in beiden, sehr ähnlichen Sprachen „Waldmensch“. Der WWF setzt sich in verschiedenen Projekten für den Erhalt dieser ikonischen Art ein. Im Mittelpunkt stehen dabei der Schutz und die Wiederherstellung der Wälder gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung.

Größter Feind: der Mensch

Die größte Bedrohung für die Orang-Utans ist die Zerstörung und Zerstückelung ihrer Lebensräume, was zu zunehmenden Mensch-Wildtier-Konflikten führt. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass auf Borneo zwischen 2000 und 2017 rund 60.000 Quadratkilometer Wald verloren gingen – durch Palmöl-Plantagen, Holzgewinnung, Infrastruktur und Waldbrände. Das entspricht einer Fläche, die zweimal so groß ist wie Brandenburg. Zwischen 2017 und 2022 ging die Entwaldung zwar endlich stark zurück. Doch mittlerweile deuten die Anzeichen wieder auf eine Zunahme der Entwaldung in Indonesien hin. Weitere Bedrohungen für die Orang-Utans sind die Jagd auf Buschfleisch und der Handel mit ihnen als Haustiere.

Wenn Wandern lebenswichtig wird

Als Baumbewohner brauchen die Orang-Utans Bäume zur Fortbewegung, zur Futterbeschaffung und als sichere Schlafplätze. Modelle deuten jedoch darauf hin, dass ein großer Teil des verbliebenen Lebensraums der Orang-Utans aufgrund von Klimaveränderungen in Zukunft nicht mehr von ihnen bewohnt werden kann. Deshalb müssen wir die verbleibenden Wälder schützen, geschädigte Wälder regenerieren und isolierte Waldgebiete wieder miteinander vernetzen. So können wir einerseits die Widerstandsfähigkeit der Wälder stärken und Orang-Utan-Populationen die Möglichkeit geben, sich zu verbinden. Andererseits können die Menschenaffen in neue Gebiete abwandern, sollten ihre bisherigen Lebensräume nicht mehr geeignet sein.

Das macht der WWF im indonesischen Teil Borneos

Neue Wälder für Orang-Utans in Kalimantan

Setzlinge zur Wiederaufforstung © WWF-Indonesia / Sebangau Project
Setzlinge zur Wiederaufforstung © WWF-Indonesia / Sebangau Project

Die Ökoregion Danau Sentarum in West-Kalimantan besticht durch ihre atemberaubende Landschaft aus Seen, Sumpf- und Trockenwäldern. Das international bedeutende Feuchtgebiet bildet zusammen mit der nahegelegenen Gebirgsregion Betung Kerihun den Danau-Sentarum-Nationalpark. Einst waren beide Teile des Nationalparks durch einen bewaldeten Korridor miteinander verbunden. Doch Brände zerstörten die Wälder weiträumig und die illegale Holzmafia tat ihr Übriges. Seither sind etwa 680 Orang-Utans in und um Danau Sentarum von ihren knapp 1.800 Artgenossen in den Bergen isoliert. Der WWF unterstützt indigene Gemeinden in der Region dabei, Wälder mit Setzlingen wieder aufzuforsten.

Die indigenen Gemeinden sind in hohem Maße von Wald und Natur abhängig. Sie betreiben außerdem traditionelle Landwirtschaft, die wenig produktiv ist und stark unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet. Deshalb entwickelt der WWF gemeinsam mit den Gemeinden nachhaltige Einkommensmöglichkeiten, zum Beispiel durch Agroforstwirtschaft. An unterschiedlichen Standorten wurden bereits mehr als tausend Hektar Wald wiederhergestellt, um die verbliebenen Waldgebiete miteinander zu verbinden.

Zukunft für große Orang-Utan-Population

Im Süden Borneos erstreckt sich der Lebensraum einer der größten Orang-Utan-Populationen der Welt. Die sogenannte SEKA-Landschaft, benannt nach den Flüssen Sebangau und Katingan, umfasst Torfgebiete von globaler Bedeutung. Hier verläuft der letzte verbliebene Waldkorridor zwischen dem geschützten Herzen Borneos („Heart of Borneo“) und dem rund 600.000 Hektar großen Sebangau-Nationalpark an der Südküste der Insel. Abholzung, Waldfragmentierung und Waldbrände sind die größten Bedrohungen für diese Landschaft.

Der WWF setzt sich dafür ein, dass die SEKA-Landschaft auch weiterhin Lebensraum für Orang-UtansNasenaffen und andere Arten bleibt. Dazu müssen natürliche Ressourcen nachhaltiger genutzt und Klimaschutzmaßnahmen sowie Anpassungen an den Klimawandel berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck arbeitet der WWF mit indigenen und lokalen Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Universitäten, dem Privatsektor und lokalen Regierungen zusammen, um eine gemeinsame Vision für den Schutz und die nachhaltige und klimagerechte Nutzung der SEKA-Landschaft zu entwickeln. Wir bieten dafür technische Unterstützung und stärken die Zusammenarbeit mit den Gemeinden.

Das macht der WWF im malaysischen Teil Borneos

Einkommen schaffen in Sarawak

In Sarawak, einem der beiden malaysischen Bundesstaaten auf Borneo, sind es vor allem Ölpalm-Monokulturen, die den Lebensraum der Orang-Utans zerstückeln und zerstören. Deshalb engagiert sich der WWF seit 2017 im Schutzgebiet Ulu Sungai Menyang intensiv für den Erhalt der Wälder. Das Gebiet ist mehr als 22.000 Hektar groß. Die dort lebenden indigenen Iban sind stark mit dem Wald verwurzelt und mythologisch mit dem Orang-Utan und seinem Schutz verbunden. Ihre kleinbäuerliche Landwirtschaft sichert nur mühsam ihren Lebensunterhalt, während die Palmölindustrie mit schnellem Geld lockt. Der WWF unterstützt die Iban deshalb dabei, ihr Einkommen zu sichern und breit zu fächern, ohne dass die dafür umliegende Wälder roden müssen.

Anlass zur Hoffnung: Durch anhaltende Schutzmaßnahmen in Sabah und Sarawak gibt es in Malaysia inzwischen eine stabile Population von wilden Orang-Utans mit etwa 13.000 Tieren.

Orang-Utans in Malaysia

Aufwändige Wiederaufforstung in Sabah

Wiederaufforstung im Orang-Utan-Schutzgebiet Bukit Piton in Malaysia © WWF-Malaysia / Mazidi Abd Ghani
Wiederaufforstung im Orang-Utan-Schutzgebiet Bukit Piton in Malaysia © WWF-Malaysia / Mazidi Abd Ghani

Die Bergwälder Bukit Pitons liegen im Norden Borneos, im malaysischen Bundesstaat Sabah. Lange galt die Region als trauriges Paradebeispiel für die Folgen massiver Entwaldung. Inzwischen ist sie dank der jahrelangen Arbeit des WWF ein Aushängeschild für Waldrenaturierung. 2007 startete der WWF gemeinsam mit dem Sabah Forestry Department (SFD) ein umfassendes Bewaldungsprogramm. Bis 2019 waren 2.400 Hektar des Bukit-Piton-Forest-Reserve wieder mit Bäumen bepflanzt. Schnell wachsende Arten sicherten dabei die offenen, ungeschützten Flächen. Brotfrucht-, Feigen- und Drachenapfelbäume dienen den Orang-Utans als Nahrungsquelle.

„Der größte Erfolg ist, dass die Orang-Utans zurückgekehrt sind und Zuflucht und Futter finden. Sogar Jungtiere wurden gesichtet. Ein schöner Beweis dafür, dass die Tiere sich wohlfühlen.“

Donna Simon, WWF Malaysia

Ein Wildtierkorridor für die Orang-Utans

Ölpalmen-Plantage, Sabah, Borneo, © WWF
Ölpalmen-Plantage, Sabah, Borneo, © WWF

Im äußersten Nordosten Sabahs schafft der WWF einen vier Kilometer langen und rund hundert Meter breiten Wildtierkorridor, der sich durch eine Ölpalm-Plantage zieht. Er soll eine wichtige Wanderroute für Orang-Utans und andere Tierarten werden und zwei Schutzgebiete miteinander verbinden: Das Tabin Wildlife Reserve, in dem etwa 1.200 Orang-Utans leben, und das Silabukan Forest Reserve, in dem etwa 50 Menschenaffen leben. Eine Verbindung ist auch deshalb bedeutend, um den Genpool beider Populationen zu erweitern. Der ökologische Korridor soll regelmäßige und saisonabhängige Bewegungen ermöglichen, ohne dass sich Mensch und Tier in die Quere kommen. Darüber hinaus arbeiten wir in der Region am Schutz weiterer bedrohter Arten wie Elefanten und Bantengs, einer seltenen Wildrinderart.

Es gibt noch viel zu tun

Der Erhalt und die Wiederherstellung der Orang-Utan-Lebensräume ist eine Aufgabe, die auf Dauer angelegt ist und es gibt noch viel zu tun, um die Zukunft der Menschenaffen in den Wäldern Borneos zu sichern.

So können Sie den Orang-Utans helfen

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