Orang-Utan in Bukit Piton / Malaysia © WWF-Malaysia / Edwin Matulin

Schutz für die letzten Orang-Utan-Wälder auf Borneo

Unsere WWF-Projekte
Stand: 09.10.2026

Orang-Utans sind heute die größten Baumsäugetiere der Welt und die einzigen verbliebenen Großen Menschenaffen Asiens. Die friedlichen Primaten sind vom Aussterben bedroht. In freier Wildbahn leben sie nur noch auf den südostasiatischen Inseln Borneo und Sumatra. Auf Borneo arbeitet der WWF intensiv daran, ihre Lebensräume zu erhalten und wiederherzustellen.

Borneo – Heimat für Orang-Utans

Borneo-Orang-Utan in Bukit Piton / Malaysia © WWF-Malaysia / David James
Borneo-Orang-Utan in Bukit Piton / Malaysia © WWF-Malaysia / David James

Borneo ist die drittgrößte Insel der Erde. Neben dem Kleinstaat Brunei teilen sich Indonesien und Malaysia den Hauptteil der Fläche Borneos: Im Norden liegen die beiden malaysischen Staaten Sabah und Sarawak, im Süden der wesentlich größere, indonesische Teil Kalimantan. Der Name Orang-Utan bedeutet unter anderem in Malaiisch und Indonesisch – zwei der Sprachen, die vor Ort gesprochen werden – „Waldmensch“.

Der WWF setzt sich in verschiedenen Projekten für den Erhalt dieser ikonischen Art ein. Im Mittelpunkt stehen dabei – in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung – der Schutz und die Wiederherstellung der Wälder.

Größter Feind: der Mensch

Die größte Bedrohung für die Orang-Utans ist die Zerstörung und Zerstückelung ihrer Lebensräume, was zu zunehmenden Mensch-Wildtier-Konflikten führt. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass auf Borneo seit 1973 18 Millionen Hektar Wald verloren gingen – durch Palmöl-Plantagen, Holzgewinnung, Infrastrukturausbau und Waldbrände. Das entspricht einer Fläche, die halb so groß ist wie ganz Deutschland. Weitere Bedrohungen für die Orang-Utans sind die Jagd auf Buschfleisch und der Handel mit ihnen als Haustiere.

Wenn Wandern lebenswichtig wird

Als Baumbewohner brauchen die Orang-Utans Bäume zur Fortbewegung, zur Futterbeschaffung und als sichere Schlafplätze. Klimamodelle deuten jedoch darauf hin, dass ein Teil des verbliebenen Lebensraums der Orang-Utans aufgrund von Klimaveränderungen in Zukunft nicht mehr von ihnen bewohnt werden kann. Deshalb müssen wir die verbleibenden Wälder schützen, geschädigte Wälder regenerieren und isolierte Waldgebiete wieder miteinander vernetzen. So können wir einerseits die Widerstandsfähigkeit der Wälder stärken und Orang-Utan-Populationen die Möglichkeit geben, sich zu verbinden. Andererseits können die Menschenaffen in andere Gebiete abwandern, sollten ihre bisherigen Lebensräume nicht mehr geeignet sein.

Das macht der WWF im indonesischen Teil Borneos

Neue Wälder für Orang-Utans in Kalimantan

Setzlinge zur Wiederaufforstung © WWF-Indonesia / Sebangau Project
Setzlinge zur Wiederaufforstung © WWF-Indonesia / Sebangau Project

Die Ökoregion Danau Sentarum in West-Kalimantan besticht durch ihre atemberaubende Landschaft aus Seen, Sumpf- und Trockenwäldern. Das international bedeutende Feuchtgebiet bildet zusammen mit der nahegelegenen Gebirgsregion Betung Kerihun den Danau-Sentarum-Nationalpark. Einst waren beide Teile des Nationalparks durch einen bewaldeten Korridor, den Labian-Leboyan-Korridor, miteinander verbunden. Doch Brände zerstörten die Wälder weiträumig und die illegale Holzmafia tat Anfang der 2000er Jahre ihr Übriges. Seither sind etwa 680 Orang-Utans in und um Danau Sentarum von ihren knapp 1.800 Artgenossen in den Bergen isoliert.

Der WWF unterstützt indigene Gemeinden in der Region dabei, die verbliebenen Wälder zu schützen und Brachflächen mit Setzlingen wieder aufzuforsten. An unterschiedlichen Standorten wurden seit 2010 bereits mehr als tausend Hektar Wald wiederhergestellt, um die verbliebenen Waldgebiete miteinander zu verbinden.

Die indigenen Gemeinden sind in hohem Maße von Wald und Natur abhängig. Der WWF setzt sich deshalb dafür ein, dass der Labian-Leboyan-Korridor inklusiv, das heißt unter Leitung der indigenen und lokalen Gemeinschaften, und nachhaltig als Wildtierkorridor gemanagt wird. Begleitend unterstützt er die Gemeinschaften dabei, nachhaltige und diversifizierte Einkommensmöglichkeiten zu entwickeln, zum Beispiel durch den Anbau und die Fermentierung von Kakao.

Zukunft für große Orang-Utan-Population

Im Süden Borneos erstreckt sich der Lebensraum einer der größten Orang-Utan-Populationen der Welt. Die sogenannte SEKA-Landschaft, benannt nach den Flüssen Sebangau und Katingan, umfasst Torfgebiete von globaler Bedeutung. Hier verläuft der letzte verbliebene Waldkorridor zwischen dem geschützten Herzen Borneos („Heart of Borneo“) und dem rund 570.000 Hektar großen Sebangau-Nationalpark an der Südküste der Insel. Abholzung, Waldfragmentierung und Waldbrände sind die größten Bedrohungen für diese Landschaft.

Der WWF setzt sich dafür ein, dass die SEKA-Landschaft auch weiterhin Lebensraum für Orang-Utans, Nasenaffen und andere Arten bleibt. Dazu müssen natürliche Ressourcen nachhaltiger genutzt und Klimaschutzmaßnahmen sowie Anpassungen an den Klimawandel berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck arbeitet der WWF mit indigenen und lokalen Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Universitäten, dem Privatsektor und lokalen Regierungen zusammen, um eine gemeinsame Vision für den Schutz und die nachhaltige und klimagerechte Nutzung der SEKA-Landschaft zu erarbeiten.

Parallel dazu entwickeln der WWF und indigene und lokale Gemeinden Modelle für klimaresiliente Nahrungsmittelproduktion und Waldbewirtschaftungssysteme, die in der Landschaft repliziert werden können. Er unterstützt auch Gemeindegruppen, die sich aktiv in der Brandprävention und -bekämpfung engagieren.

Das macht der WWF im malaysischen Teil Borneos

Einkommen schaffen in Sarawak

Die Iban haben eine enge Verbindung zur Natur © Victoria Müller / WWF
Die Iban haben eine enge Verbindung zur Natur © Victoria Müller / WWF

In Sarawak, einem der beiden malaysischen Bundesstaaten auf Borneo, sind es vor allem Ölpalm-Monokulturen, die den Lebensraum der Orang-Utans zerstückeln und zerstören. Deshalb engagiert sich der WWF seit 2017 im Schutzgebiet Ulu Sungai Menyang intensiv für den Erhalt der Wälder. Das Gebiet ist mehr als 22.000 Hektar groß. Die dort lebenden indigenen Iban sind stark mit dem Wald verwurzelt und mythologisch mit dem Orang-Utan und seinem Schutz verbunden. Ihre kleinbäuerliche Landwirtschaft sichert nur mühsam ihren Lebensunterhalt, während die Palmölindustrie mit schnellem Geld lockt. Der WWF unterstützt die Iban deshalb dabei, ihr Einkommen zu sichern und breit zu fächern, ohne dass sie dafür umliegende Wälder roden müssen.

Effektives Wildtier-Monitoring in Pasin

Seit Anfang 2026 ist der WWF in der Pasin Forest Management Unit aktiv. Diese befindet sich nordöstlich von Ulu Sungai Menyang, dem Batang-Ai-Nationalpark und dem Lanjak-Entimau-Wildtierreservat. Mit dem Projekt BLOH (Biodiversity, Landscape, Orang-Utan and Habitat) setzt sich der WWF gemeinsam mit Partnern dafür ein, dass ein 2.800 Hektar großes Waldgebiet dauerhaft geschützt wird. Im Rahmen des Projekts unterstützt der WWF den Aufbau von Kapazitäten im Bereich der Wildtierbeobachtung, einschließlich des Einsatzes von Kamerafallen und der Auswertung von Wildtierdaten und arbeitet eng mit den Iban-Gemeinden zusammen.

Orang-Utans zählen in Ulu Sungai Menyang

Altes, braunes, zerfallendes Orang-Utan-Nest hoch oben in einer grünen Baumkrone
Das Nest eines Orang-Utans zeigt Zerfallserscheinungen © Donny Janis/WWF Malaysia

In einer aufwändigen Zählung hat der WWF gezeigt, wie viele der gefährdeten Tiere noch in diesem Gebiet leben. Das Wissen über die Anzahl und Verbreitung der Primaten zeigt die Bedeutung dieser Landschaft als Lebensraum für die Orang-Utans und die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen und hilft, die Auswirkungen geplanter Infrastrukturmaßnahmen – wie zum Beispiel den Bau einer Straße durch Ulu Sungai Menyang – zu verringern und Interessensträger und deren Entscheidungen zu beeinflussen. Über 1,5 Jahre hat der WWF Malaysia dazu gemeinsam mit den dort lebenden indigenen Iban die Nester der Orang-Utans gezählt, eine Arbeit, die sich gelohnt hat!

Anlass zur Hoffnung: Durch anhaltende Schutzmaßnahmen in Sabah und Sarawak gibt es in Malaysia inzwischen eine stabile Population von wilden Orang-Utans mit etwa 13.000 Tieren.

Orang-Utans in Malaysia

Aufwändige Wiederaufforstung in Sabah

Wiederaufforstung im Orang-Utan-Schutzgebiet Bukit Piton in Malaysia © WWF-Malaysia / Mazidi Abd Ghani
Wiederaufforstung im Orang-Utan-Schutzgebiet Bukit Piton in Malaysia © WWF-Malaysia / Mazidi Abd Ghani

Die Bergwälder Bukit Pitons liegen im Norden Borneos, im malaysischen Bundesstaat Sabah. Lange galt die Region als trauriges Paradebeispiel für die Folgen massiver Entwaldung. Inzwischen ist sie dank der jahrelangen Arbeit des WWF ein Aushängeschild für Waldrenaturierung. 2007 startete der WWF gemeinsam mit dem Sabah Forestry Department (SFD) ein umfassendes Bewaldungsprogramm. Bis 2019 waren 2.400 Hektar des Bukit-Piton-Forest-Reserve wieder mit Bäumen bepflanzt. Schnell wachsende Arten sicherten dabei die offenen, ungeschützten Flächen. Brotfrucht-, Feigen- und Drachenapfelbäume dienen den Orang-Utans als Nahrungsquelle.

„Der größte Erfolg ist, dass die Orang-Utans zurückgekehrt sind und Zuflucht und Futter finden. Sogar Jungtiere wurden gesichtet. Ein schöner Beweis dafür, dass die Tiere sich wohlfühlen.“

Donna Simon, WWF Malaysia

Ein Wildtierkorridor für die Orang-Utans

Ölpalmen-Plantage, Sabah, Borneo, © WWF
Ölpalmen-Plantage, Sabah, Borneo, © WWF

Im äußersten Nordosten Sabahs schafft der WWF einen vier Kilometer langen und rund hundert Meter breiten Wildtierkorridor, der sich durch eine Ölpalm-Plantage zieht. Er soll eine wichtige Wanderroute für Orang-Utans und andere Tierarten werden und zwei Schutzgebiete miteinander verbinden: Das Tabin Wildlife Reserve, in dem etwa 1.200 Orang-Utans leben, und das Silabukan Forest Reserve, in dem etwa 50 Menschenaffen leben. Eine Verbindung ist auch deshalb bedeutend, um den Genpool beider Populationen zu erweitern. Der ökologische Korridor soll regelmäßige und saisonabhängige Bewegungen ermöglichen, ohne dass sich Mensch und Tier in die Quere kommen. Darüber hinaus arbeiten wir in der Region am Schutz weiterer bedrohter Arten wie Elefanten und Bantengs, einer seltenen Wildrinderart.

Es gibt noch viel zu tun

Der Erhalt und die Wiederherstellung der Orang-Utan-Lebensräume sind Aufgaben, die auf Dauer angelegt sind. Und es gibt noch viel zu tun, um die Zukunft der Großen Menschenaffen in den Wäldern Borneos zu sichern.

So können Sie den Orang-Utans helfen

  • Orang Utan mit Nachwuchs © naturepl.com / Anup Shah / WWF Orang-Utans

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  • Orang-Utan Mutter mit Jungtier auf dem Ast eines Baumes im Dschungel Orang-Utans auf der Spur

    Mühsam durchkämmt ein professionelles Team wochenlang den Dschungel Borneos. Neue Daten über Orang-Utans sollen unter anderem helfen, eine Straße zu verhindern. Weiterlesen...