Fast jedes Körperteil der Tiger erzielt auf dem Schwarzmarkt hohe Summen. Trotz aller Erfolge beim Tigerschutz ist der illegale Handel längst nicht gebannt und verlagert sich zunehmend ins Internet. Betroffen sind auch andere Großkatzen wie Leoparden und Schneeleoparden: Der Online-Handel wächst rasant und erleichtert die globale Nachfrage nach Fellen, Knochen und sogar lebenden Jungtieren, wie ein aktueller Bericht zeigt.

Neue Handelswege erfordern neue Strategien

Tigerfell mit Kopf, gestapelt auf anderen Raubkatzen-Fellen
Tigerfell, konfisziert am Flughafen Heathrow © Edward Parker / WWF

„Das Internet hat eine neue Phase des illegalen Handels mit Großkatzen eröffnet, und wir müssen darauf reagieren“, warnt Markus Radday, Asien-Referent beim WWF Deutschland.

Ein Anfang November 2025 veröffentlichter Report „The Trade in Asian Big Cats“ analysiert 25 Jahre legalen und illegalen Wildtierhandel mit asiatischen Großkatzen. Zentrales Ergebnis: Der illegale Handel ist nicht weniger geworden – nur unsichtbarer und zunehmend digitalisiert, vor allem über soziale Medien und Online-Plattformen. Die kriminellen Machenschaften reichen bis nach Europa.

„Wir brauchen dringend wirksame Strafen, eine bessere internationale Ermittlungszusammenarbeit und eine systematischere Überwachung des Handels mit asiatischen Großkatzen“, so Radday. Die Schutzmaßnahmen müssen sich ebenso dynamisch entwickeln wie der Handel selbst.

Tigerteile auf Facebook

Immer kleinere und dafür häufigere Lieferungen erschweren die Verfolgung: Statt großer Transporte werden heute einzelne Felle, lose Krallen oder kleine Knochenpakete verschickt, oft per Kurierdienst. Auch über Facebook werden die Wildtierprodukte gehandelt.

Über 2.000 Fälle illegalen Handels mit Tigern und ihren Körperteilen wurden zwischen den Jahren 2000 und 2025 aufgedeckt. Schätzungen zufolge waren bis zu 4.400 Tiger davon betroffen. Bei weltweit nur noch rund 5.600 frei lebenden Tieren eine erschreckende Bilanz. Auch der zunehmende Handel lebender Jungtiere als exotische Haustiere ist besorgniserregend.

Hochorganisierte Mafiastrukturen

Tiger hinter Gittern
Tigerzucht in Gefangenschaft dient häufig als Deckmantel für illegale Aktivitäten © Gordon Congdon

Hinter dem Handel mit Tigern und anderen Großkatzen wie Leoparden stehen gut vernetzte und hochprofitable kriminelle Strukturen.

„Illegaler Wildtierhandel ist kein Randthema des Naturschutzes, sondern ein globales Problem, das nicht selten mit gewaltsamen Konflikten einhergeht“, ordnet Markus Radday vom WWF ein.

Der illegale Artenhandel ist eng mit anderen Formen organisierter Kriminalität verwoben, von Geldwäsche bis Drogenschmuggel, begleitet von einem hohen Maß an Korruption.

Leoparden als „Ersatzteil-Lager“

Leoparden sind nach den Tigern unter den asiatischen Großkatzen am stärksten vom illegalen Handel betroffen. Denn durch den besseren Tigerschutz verlagern sich Wilderei und Handel häufig auf Leoparden als Ersatz, vor allem zur Nutzung in der traditionellen asiatischen Medizin:
Während die Zahl der konfiszierten Felle seit 2016 zurückging, wächst die Nachfrage nach Klauen, Knochen und lebenden Exemplaren. Der Bericht The Trade in Asian Big Cats deckt auf, wie eng die Handelsströme beider Arten – von Tigern und Leoparden – miteinander verflochten sind.

Schneeleoparden und Nebelparder verschwinden im Stillen

Schneeleopard in Gerölllandschaft guckt in die Kamera (Kamerafalle)
Schneeleopard hoch im indischen Himalaja © Sascha Fonseca / WWF UK

Der grausame Markt des illegalen Wildtierhandels erfasst selbst abgelegene Regionen und versteckt lebende Arten wie die Schneeleoparden, die vor allem wegen ihrer Felle gehandelt werden. Doch die Datenlage dazu ist dünn und spiegelt vor allem wider, wie schwierig die Erfassung in den hochalpinen Lebensräumen ist und wie begrenzt dort die Melde- und Kontrollkapazitäten sind.

Auch der Handel mit Nebelpardern ist schwer zu messen. Denn sie werden selten isoliert gehandelt. Die Art taucht überwiegend in Multi-Spezies-Beschlagnahmungen auf, also gemeinsam mit Tigern, Leoparden oder Schuppentieren.

Das verdeutlicht einmal mehr, wie entscheidend der Ausbau forensischer Methoden in der Strafverfolgung ist. Etwa durch DNA-Analysen, wie sie der WWF bereits in vielen Artenschutzbereichen einsetzt, sowie durch den internationalen Abgleich und die Vernetzung dieser Daten.

„Datenlücken sind ein perfekter Nährboden für kriminelle Märkte.“

Markus Radday, WWF Deutschland

Den Abgründen auf der Spur: The Trade in Asian Big Cats

ABCs werden die Asian Big Cats, also asiatischen Großkatzen, in Fachkreisen gerne abgekürzt. Sie alle sind stark bedroht vom illegalen Handel und seiner Verlagerung ins Internet. Um den tödlichen Kreislauf aus Nachfrage, Profit und Ausbeutung zu durchbrechen, fordert der WWF regelmäßige umfassende Berichte wie den aktuellen Report The Trade in Asian Big Cats.

Für diesen Bericht, der unter Mitwirkung des WWF entstanden ist, wurden Handelsdaten des internationalen Artenschutzübereinkommens (CITES) und zahlreiche nationale und internationale Quellen aus über zwei Jahrzehnten von der Organisation „Go Insight“ ausgewertet – eine auf Datenanalyse und Recherche spezialisierte Organisation, die vor allem Umwelt- und Naturschutzprojekte unterstützt.

Nur wenn CITES Informationen zu Ausmaß und Trends des legalen und illegalen Handels erhält, können Entscheidungen getroffen werden, um diesen Trends zu begegnen und nicht ganze Arten an den Schwarzmarkt zu verlieren.

Das Internet schafft diskrete Verkaufsräume

Gefleckter Nebelparder in dunklem Wald
Nebelparder werden selten einzeln gehandelt © Emmanuel Rondeau / WWF US

Der aktuelle Report zeigt, wie sehr sich der illegale Wildtierhandel in ein digitales Schattenreich verschoben hat und wie weit die internationalen Verstrickungen reichen. Der Online-Handel und entsprechende Werbung müssen dringend besser reguliert und digitale Plattformen stärker in die Verantwortung genommen werden.

Vielerorts sind außerdem die Strafen noch immer zu gering und Geldbußen für internationale Syndikate meist ein einkalkulierter Geschäftskostenpunkt. Der Report fordert deshalb härtere Sanktionen, eine konsequente Strafverfolgung, das Einfrieren von Vermögen und die Anwendung von Anti-Geldwäsche-Gesetzen.

Auch Europa ist Teil der Liefer- und Absatzketten, zum Beispiel durch Souvenirs, Schmuck oder Präparate im Online-Handel! Wir müssen die Aufklärungskampagnen in Asien und Europa dringend fortsetzen und grenzüberschreitende Ermittlungen institutionalisieren, um die letzten großen Katzen Asiens auch in Zukunft wirksam zu schützen.

Unterstützen Sie den Schutz der Tiger

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