Die Zeiten für Umweltschützer:innen sind nicht einfach.

Peru: Umweltschützer:innen in Gefahr

Stand: 17.06.2026

Es sind erschreckende Zahlen: Allein im Jahr 2024 wurden weltweit 146 Umweltschützer:innen getötet. Das zeigt ein Report der Organisation Global Witness. Besonders in Lateinamerika ist der Einsatz für Umwelt- und Menschenrechte mit Gefahren verbunden.

Zu den zehn unsichersten Ländern für Personen, die sich für Menschenrechte und Umweltschutz einsetzen, gehört auch Peru. Besonders gefährdet sind Führungspersonen indigener Organisationen sowie lokale Managementkomitees in Schutzgebieten, die ihre Landrechte verteidigen.

Die Risiken sind vielfältig: Drohungen, physische Angriffe, Stigmatisierung und willkürliche Festnahmen bis hin zu Mord. Zwischen 2012 und 2024 wurden in dem Andenstaat mindestens 62 Umweltaktivist:innen getötet, die meisten von ihnen Angehörige indigener Völker.

Schwache Kontrollen, steigender Druck

Goldabbau in Peru - zulasten der Umwelt.
Goldabbau in Peru - zulasten der Umwelt © Dado Galdieri / WWF

Zwar existieren in Peru rechtliche Instrumente zum Schutz von Wäldern und Territorien, doch in der Praxis werden sie häufig unterlaufen. Schwache staatliche Kontrolle und zunehmende illegale Aktivitäten – insbesondere im Goldabbau – treiben die Entwicklung voran.

Im Jahr 2024 lag die Entwaldung in Peru bei 150.602 Hektar. Ein zentraler Treiber ist der gestiegene Goldpreis. Gab es im Jahr 2020 im peruanischen Amazonasgebiet noch 800 Anzeigen wegen illegaler Goldminen, waren es im Jahr 2024 bereits 2.500 Anzeigen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Rohstoffexportunternehmen zwischen 2019 und 2025 verdreifacht, in der Region Puno stieg die Zahl sogar um 73 Prozent. Dort gibt es inzwischen dreimal mehr Tankstellen pro Kopf als im nationalen Durchschnitt, eine bizarre Folge der illegalen Aktivitäten.

„Wo Menschen ihr Leben riskieren, um die Natur zu schützen, darf die Zerstörung der Natur nicht länger straffrei bleiben.“

Michelle Neuhaus, Projektleiterin Lateinamerika

Madre de Dios: Epizentrum der Entwicklung

Das Epizentrum dieser Dynamik ist Madre de Dios im Südosten Perus an der Grenze zu Brasilien und Bolivien. Die überwiegend von Regenwäldern bedeckte Region ist für ihre hohe Biodiversität bekannt, die unter massivem Druck steht.

Denn zwischen 2021 und 2024 wurden hier mehr als 30.000 Hektar Primärwald durch illegalen Goldbergbau zerstört, auch indigene Territorien wurden schwer beschädigt. Neben der Entwaldung kommt es zu erheblichen Umweltbelastungen, vor allem durch Quecksilberverschmutzung von Flüssen.

Erosion staatlicher Institutionen

Illegale Entwaldung in Madre Dios © André Bärtschi / WWF
Illegale Entwaldung in Madre Dios © André Bärtschi / WWF

Madre de Dios ist geprägt von einem komplexen Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen: Schutzgebiete, landwirtschaftliche Flächen, indigene Territorien und Bergbaugebiete überlagern sich. Diese Situation wird durch ein fehlendes einheitliches Kataster zusätzlich verschärft. In der Praxis können für ein und denselben Raum gleichzeitig Genehmigungen für Bergbau, Landwirtschaft und Naturschutz vorliegen. Ein Umstand, der illegale Aktivitäten und organisierte Kriminalität begünstigt.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Handel mit Landtiteln. Staatliche Dokumente werden unter Beteiligung von Unternehmen und korrupten Beamt:innen manipuliert oder mehrfach vergeben, um Land gewinnbringend weiterzuverkaufen. Wer davon profitiert? Landhändler:innen, aggressive Agrarunternehmen und große Bauernverbände, die Ölpalmen und Kakao anbauen. Satellitendaten zeigen, dass dadurch bis zu 300.000 Hektar Wald gefährdet sind.

Zudem ist der Handel mit Landtiteln eng mit anderen Umweltverbrechen verknüpft, insbesondere mit der Drogenwirtschaft. Während der Koka-Anbau in Peru insgesamt leicht zurückgeht, ist er in Madre de Dios seit 2020 um 1.500 Hektar angestiegen. Jüngste Gesetzesänderungen könnten diese Entwicklung verstärken, da die Ausweisung von Waldzonen teilweise ausgesetzt und Kontrollen geschwächt wurden.

Zivilgesellschaftliches Engagement unter schwierigen Bedingungen

Ein Mitglied der indigenen Gemeinschaft in Peru spricht mit einer WWF-Mitarbeiterin über Probleme beim illegalen Bergbau © WWF US / Yawar Films
Ein Mitglied der indigenen Gemeinschaft in Peru spricht mit einer WWF-Mitarbeiterin über Probleme beim illegalen Bergbau © WWF US / Yawar Films

Grundsätzlich gibt es in Peru verschiedene Möglichkeiten, Umweltverstöße zu melden – etwa über Behörden, Strafverfolgungs- oder Ombudsstellen. Diese können Kontrollen durchführen, Sanktionen verhängen oder Fälle an die Justiz weiterleiten. Formal existiert also ein Netzwerk zur Beteiligung der Bevölkerung am Umweltschutz. In der Praxis bleibt dessen Wirkung jedoch begrenzt, da die Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen oft schwach ist.

In Madre de Dios haben indigene und zivilgesellschaftliche Organisationen deshalb eigene Strukturen aufgebaut, um ihre kollektiven Rechte zu verteidigen. Sie spezialisieren sich auf Monitoring, politische Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit und bauen rechtliche und technische Expertise auf. Mithilfe digitaler Plattformen beispielsweise können sie Entwaldung und illegalen Bergbau zunehmend in Echtzeit erfassen. Diese Strategien machen Risiken sichtbar und verbessern die Reaktionsfähigkeit vor Ort.

„Umweltkriminalität ist kein unsichtbares Verbrechen. Ihre Spuren liegen in zerstörten Wäldern, vergifteten Flüssen und bedrohten Menschenleben.“

Michelle Neuhaus, Projektleiterin Lateinamerika

Umweltkriminalität stoppen, Klima und Biodiversität schützen

Ranger:innen zusammen in einem Workshop in Peru © Pamela Vivar / WWF Peru
Ranger:innen zusammen in einem Workshop in Peru © Pamela Vivar / WWF Peru

Illegale Abholzung und andere Umweltverbrechen zerstören wertvolle Ökosysteme und bedrohen die Artenvielfalt. Und sie tragen dazu bei, die Klimakrise zu verschärfen. Nicht nur in Peru geraten die Menschen, die sich gegen diese Verbrechen stellen, selbst in Gefahr. Der Global-Witness-Report zeigt, wie sie eingeschüchtert, bedroht und angegriffen werden.

Da viele Umweltverbrechen grenzüberschreitend organisiert sind, sind sie oft schwer aufzudecken und zu verfolgen. Deshalb arbeitet der WWF in einem Pilotprojekt der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) mit INTERPOL zusammen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium (BMUKN).

Was unternimmt der WWF?

Während INTERPOL die Strafverfolgungsbehörden dabei unterstützt, Umweltkriminalität besser zu erkennen und zu verfolgen, konzentrieren wir uns auf die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen und indigenen Organisationen in Peru und Kamerun.

Im Mittelpunkt stehen dabei zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich gegen Umweltkriminalität und für die Rechte von Umweltschützer:innen einsetzen. Sie werden durch Schulungen, Workshops und Netzwerke gestärkt, um sich besser vor Bedrohungen zu schützen und ihre Arbeit unter schwierigen Bedingungen effizienter fortführen zu können.

Außerdem helfen wir der Polizei, die Rechte der Umweltverteidiger:innen besser zu verstehen und in der Praxis zu berücksichtigen. Ergänzt wird dies durch Informations- und Aufklärungsarbeit. Denn wir können nicht oft genug auf die Gefahren aufmerksam machen, denen diese Menschen ausgesetzt sind!

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