Madre de Dios ist geprägt von einem komplexen Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen: Schutzgebiete, landwirtschaftliche Flächen, indigene Territorien und Bergbaugebiete überlagern sich. Diese Situation wird durch ein fehlendes einheitliches Kataster zusätzlich verschärft. In der Praxis können für ein und denselben Raum gleichzeitig Genehmigungen für Bergbau, Landwirtschaft und Naturschutz vorliegen. Ein Umstand, der illegale Aktivitäten und organisierte Kriminalität begünstigt.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Handel mit Landtiteln. Staatliche Dokumente werden unter Beteiligung von Unternehmen und korrupten Beamt:innen manipuliert oder mehrfach vergeben, um Land gewinnbringend weiterzuverkaufen. Wer davon profitiert? Landhändler:innen, aggressive Agrarunternehmen und große Bauernverbände, die Ölpalmen und Kakao anbauen. Satellitendaten zeigen, dass dadurch bis zu 300.000 Hektar Wald gefährdet sind.
Zudem ist der Handel mit Landtiteln eng mit anderen Umweltverbrechen verknüpft, insbesondere mit der Drogenwirtschaft. Während der Koka-Anbau in Peru insgesamt leicht zurückgeht, ist er in Madre de Dios seit 2020 um 1.500 Hektar angestiegen. Jüngste Gesetzesänderungen könnten diese Entwicklung verstärken, da die Ausweisung von Waldzonen teilweise ausgesetzt und Kontrollen geschwächt wurden.