Der Orang-Utan mit Baby in der Sebangau Landschaft auf Borneo © WWF Indonesien

Orang-Utans kennen keine Grenzen

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Stand: 01.10.2026

Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt und beheimatet einen der ältesten tropischen Regenwälder unserer Erde. Nirgendwo leben mehr der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans als hier. Doch die Wälder der Insel sind in isolierte Stücke zerschnitten – und werden aktuell von verheerenden Bränden bedroht.

Orang-Utan
Orang-Utan © Alain Compost / WWF

Auf 130–140 Millionen Jahre wird das Alter von Borneos Regenwald geschätzt. Er gilt damit als einer der ältesten Tropenwälder überhaupt. Der Artenreichtum ist nahezu unvergleichlich und gehört zu den höchsten weltweit.

Über Jahrzehnte wurde der Urwald auf der südostasiatischen Insel jedoch für Landwirtschaft, Bergbau und Holzgewinnung massiv gerodet. Hinzu kamen heftige Waldbrände. Zurück blieben viele voneinander getrennte Waldinseln, zwischen denen Orang-Utans und andere Tiere nicht wandern können – und aus denen sie nicht in sichere Gebiete fliehen können, wenn es brennt!

Werden Sie aktiv und schützen Sie den Tropenwald

2026 – Schlimmste Waldbrandsaison seit langem

Feuer in Kalimantan © WWF Indonesien
Feuer in Kalimantan © WWF Indonesien

Jedes Jahr brennt der Wald inzwischen auf Borneo. Fast immer werden die Feuer zur Rodung von Flächen gelegt und geraten außer Kontrolle.

Angeheizt in diesem Jahr zusätzlich durch das Wetterphänomen El Niño wüten seit August 2026 in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos, die schlimmsten Waldbrände seit langem. Hunderttausende Hektar Land gingen in Flammen auf, Tiere starben und dichter Rauch zog bis nach Malaysia und Singapur.

Für die ohnehin vom Aussterben bedrohten Orang-Utans bedeuten die Feuer nicht nur eine akute Gefahr. Sie vernichten auch Lebensraum, Futterbäume und die letzten Verbindungen zwischen großen Waldgebieten.

„Ungefähr 70 Prozent aller Borneo-Orang-Utans leben außerhalb von Schutzgebieten. Sie sind von den Bränden besonders bedroht.“

Susanne Gotthardt, Programmleiterin Indonesien beim WWF Deutschland

Orang-Utans müssen wandern können

Verbundene Korridore sind für die Orang-Utans sehr wichtig.
Verbundene Korridore sind für die Orang-Utans sehr wichtig © WWF Indonesien

Orang-Utans verbringen ihr Leben fast vollständig in den Baumkronen der Regenwälder. Hier bauen sie Nacht für Nacht Schlafnester in schwindelerregender Höhe. Hier wächst ihre Hauptnahrung wie wilde Feigen oder Mangosteen. Ohne dichten Wald finden die größten baumlebenden Säugetiere der Erde weder genug Nahrung noch sichere Wege. Denn mit ihren langen, kräftigen Armen sind Orang-Utans perfekt dafür gebaut, sich von Baum zu Baum zu hangeln. Am Boden fällt ihnen die Fortbewegung dagegen deutlich schwerer.

Männliche Orang-Utans benötigen außerdem mehrere Hundert Hektar große Reviere. Immer häufiger stoßen sie auf Borneo an die Grenzen ihrer Wälder, auf Straßen und Plantagen. Und immer häufiger geraten sie auf Futtersuche in Konflikt mit Menschen. Kleine Orang-Utan-Populationen leben isoliert voneinander, es droht Inzucht bei der Fortpflanzung. Die Zerstückelung der Wälder wird für die Orang-Utans zur Sackgasse.

„Das große Ziel ist, die Wälder Borneos grenzübergreifend wieder zu verbinden. Denn Orang-Utans und auch die anderen Wildtiere, die hier leben, kennen weder Länder- noch Schutzgebietsgrenzen.“

Susanne Gotthardt, WWF Deutschland

Borneos Wälder wieder verbinden

Sebangau Nationalpark in Indonesien © WWF Indonesien
Sebangau Nationalpark in Indonesien © WWF Indonesien

Reconnect Borneo, also „Borneo wieder verbinden“, heißt die ehrgeizige Initiative zur Wiedervernetzung und zum Schutz von Borneos Wäldern. Über die Grenzen von Indonesien und Malaysia hinweg sollen rund drei Millionen Hektar grüne Korridore entstehen und geschützt werden. Die beiden Länder teilen sich den Großteil Borneos.

Der WWF hat in einer umfangreichen Untersuchung 178 besonders wichtige, potentielle Korridore identifiziert. Durch die Wiederherstellung zerstörter Flächen und den konsequenten Erhalt bestehender Wälder können und sollen diese Korridore in Zukunft knapp 13 Millionen Hektar Wald miteinander verbinden.

Best Practice im Labian-Leboyan-Korridor

Ein Fischerdorf am Sebangu-Fluss.
Ein Fischerdorf am Sebangu-Fluss © JNata / WWF Indonesien

Die Pläne sind ambitioniert – und bauen auf jahrelanger Arbeit auf: Bereits seit 2010 setzt sich der WWF für Waldkorridore auf Borneo ein, um sie langfristig vor Übernutzung und weiterer Zerstückelung zu schützen. Einer dieser Korridore ist der Labian-Leboyan-Korridor im Herzen Borneos. Über mehr als 700 Höhenmeter hinweg verbindet er zwei der wichtigsten Schutzgebiete Borneos: den Betung-Kerihun- und den Danau-Sentarum-Nationalpark im indonesischen West-Kalimantan.

Entlang des gleichnamigen Flusses erstreckt sich im Labian-Leboyan-Korridor ein artenreicher Lebensraum. Hier leben neben den nordwestlichen Borneo-Orang-Utans zum Beispiel auch seltene Nasenaffen und Schuppentiere. Durch langjährige wissenschaftliche Studien und politische Überzeugungsarbeit erreichten der WWF und Partner, dass die Flussufer und umliegende Landschaften auf einer Fläche größer als Luxemburg als Wildtier-Korridor anerkannt wurden.

Bäume pflanzen und schützen

Baumpflanzaktion auf Borneo © Aaron Gekoski / WWF US
Baumpflanzaktion auf Borneo © Aaron Gekoski / WWF US

Durch frühere Rodungen und Brände hat die Region stark gelitten. Lokale und indigene Gemeinschaften – vor allem Angehörigen der Dayak-Völker wie der Iban – forsten die Wälder wieder auf. Der WWF unterstützt sie dabei. In lokalen Baumschulen ziehen die Gemeinschaften Setzlinge heran. Dafür sammeln sie Baumsamen in der Umgebung. So ist gewährleistet, dass die Setzlinge an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind. Seit 2021 haben sie knapp 300 Hektar mit Baumsetzlingen bepflanzt und auf knapp 5.800 Hektar natürliche Regeneration ermöglicht. Ein wichtiger Beitrag, um zerstückelte Waldflächen wieder miteinander zu verbinden.

Die Dayak leben seit Generationen an den Flussufern im Korridor und sind auf die natürlichen Ressourcen angewiesen. Einige Dörfer haben erreicht, dass der Staat ihre Gewohnheitsrechte an den Wäldern anerkennt.

Doch Waldschutz braucht stabile Lebensgrundlagen. Der WWF unterstützt die Gemeinschaften dabei, ihr Einkommen nachhaltig zu sichern – etwa durch eine an den Klimawandel angepasste Landwirtschaft, einen besseren Zugang zu Absatzmärkten und Naturtourismus.

Intakter Regenwald brennt nicht wie Zunder

Brandhelfer:innen schauen nach weiteren schwelenden Bränden.
Brandhelfer:innen schauen nach weiteren schwelenden Bränden © WWF Indonesien

In der SEKA-Landschaft im Süden Borneos – benannt nach den Flüssen Sebangau und Katingan und ebenfalls ein wichtiger Korridor – lebt mit rund 9.700 Tieren eine der größten Orang-Utan-Populationen der Welt. Hier schützen indigene und lokale Gemeinschaften ihre Wälder mit regelmäßigen Patrouillen vor Bränden. Der WWF versorgt sie mit Ausrüstung und Feuerlöschern. Doch der beste Brandschutz ist ein intakter, feuchter Regenwald.

Abholzung lässt mehr Sonne und Wind in den Wald dringen und trocknet ihn aus. Besonders fatal sind im indonesischen Teil Borneos die trockengelegten Torfgebiete: Kalimantan besitzt riesige Torfflächen. Im natürlichen Zustand speichern ihre meterdicken Schichten aus Pflanzenresten große Mengen Wasser und Treibhausgase. Trockener Torf jedoch ist im Grunde wie Kohle und hochentzündlich. Fangen diese Böden Feuer, schwelen sie oft monatelang unterirdisch weiter und können selbst nach dem Löschen der Oberflächenflammen jederzeit wieder ausbrechen.

„Indigene Völker kennen die Besonderheiten von Torfböden. Ihr traditionelles Wissen ist für die Brandprävention ungemein wertvoll.“

Susanne Gotthardt, WWF Deutschland.

Das große Ziel von 178 Korridoren

Borneo-Orang-Utan
Borneo-Orang-Utan © Jonathan Dee

Der Nutzungsdruck auf Borneos Wälder ist enorm und ein ehrgeiziges Vorhaben wie Reconnect Borneo kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen: „Regierungsbehörden, lokale und indigene Gemeinden, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen müssen zusammenarbeiten“, betont Susanne Gotthardt, Programmleitung Indonesien beim WWF Deutschland.

„Der nächste Schritt ist deshalb, alle Akteur:innen zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“

Im Herzen Borneos konnte der WWF so gemeinsam mit Partner:innen bereits ein großflächiges, grenzüberschreitendes Netzwerk aus Waldökosystemen und Wildtierkorridoren sichern. Dies soll nun auf die gesamte Insel ausgeweitet werden. Wie grüne Lebensadern sollen 178 Korridore Borneos zerstückelte Wälder über die Ländergrenzen hinweg wieder zu einem großen, verbundenen Lebensraum machen.

Die neuen Korridore schaffen für Orang-Utans und andere Arten auch wichtige Verbindungen aus den Tieflandregenwäldern hinauf in die kühleren Bergwälder. Denn wenn ihre Lebensräume durch Zerstörung oder zunehmende Wetterextreme des Klimawandels unbewohnbar werden, brauchen die Tiere einen Ausweg.

Damit Borneo lebendig bleibt

Orang-Utans gehören zu unseren nächsten Verwandten. Auf Malaiisch bedeutet „Orang-Utan“ so viel wie „Waldmensch“ und die Tiere spielen eine wichtige Rolle für ein gesundes Waldökosystem, indem sie zum Beispiel Baumsamen verteilen.

Ihr Schutz und der Erhalt ihrer Lebensräume sichern zugleich der enormen Artenvielfalt Borneos eine Zukunft. Denn in den Wäldern der Orang-Utans leben viele weitere faszinierende und zum Teil nur hier vorkommende Arten – und noch immer werden neue entdeckt.

Borneos Tropenwälder speichern außerdem enorme Mengen Kohlenstoff, regulieren Niederschläge und sichern die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Das hat auch positive Effekte für uns. Wer mit den Tropenwäldern die Heimat der Orang-Utans schützt, schützt Klima, Artenvielfalt, Lebensgrundlagen und Zukunftschancen zugleich.

Orang-Utans können nicht auf dem Boden leben. Stirbt ihr Wald, sterben sie. Mit Ihrer Spende schützen und verbinden wir die letzten Waldfragmente – für ein Überleben in Sicherheit.

Helfen Sie den Orang-Utans

Mit Ihrer Hilfe schaffen wir neue Lebensräume für die Orang-Utans Borneos

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