Die Energiewende braucht Rohstoffe: Um Elektroautos, Windkraftanlagen oder Batteriespeicher herstellen zu können, werden Metalle wie Lithium, Kobalt oder Nickel benötigt. Viele dieser auch „Transformationsmetalle“ genannte Rohstoffe stammen aus Ländern im südlichen Afrika. Während sie eine Schüsselrolle spielen auf dem Weg zu saubereren Energiesystemen, verursacht die Förderung dieser Rohstoffe Emissionen und hat Folgen – verschmutzte Gewässer, zerstörte Landschaften und degradierte Böden. Der Druck, auch bislang nicht erschlossene Vorkommen abzubauen, steigt durch die wachsende Nachfrage und den damit verbundenen geopolitischen Wettbewerb um die begehrten Rohstoffe.
Verantwortungsvoller Bergbau für die Energiewende
In den Ländern der Southern African Development Community (SADC) werden Metalle und Mineralien abgebaut, die entscheidend sind für die Transformation des Energiesektors. Doch der Abbau hat wiederum negative ökologische und soziale Folgen für die Regionen, in denen sich die Minen befinden. In Sambia und Simbabwe engagiert sich der WWF daher für einen verantwortungsvollen Bergbau, der die Auswirkungen auf Umwelt und benachbarte Gemeinden begrenzen soll.
Projekt des WWF in der SADC-Region im südlichen Afrika
Genau hier setzt ein neues Projekt unter Leitung der UN Wirtschaftskommission für Afrika und unter Beteiligung des WWF Deutschland sowie des WWF Simbabwe und WWF Sambia an, das im März 2026 in die Umsetzungsphase gestartet ist. Das Vorhaben: „Förderung eines ökologisch und sozial verträglichen, kohlenstoffarmen, integrativen und transformativen Umfelds für die Förderung von Mineralien, die kritisch sind für die Transformation des Energiesektors in der SADC-Region“. Weitere Projektpartner sind das African Minerals Development Center, das Federal Institute for Geosciences and Natural Ressources, die Zimbabwe Environmental Law Organisation (ZELO) sowie das südafrikanische Beratungsunternehmen Wits Enterprise und die deutsche Projekt-Consult GmbH, deren Expertise in nachhaltigem Bergbau und verantwortungsvollen Rohstoff-Lieferketten liegt.
Warum uns der Bergbau auf dem afrikanischen Kontinent direkt betrifft
Die Energiewende ist bereits Teil unseres Alltags. Wer ein E-Auto fährt oder Strom aus erneuerbaren Energien bezieht, nutzt Technologien, in denen zahlreiche Metalle und verschiedene Elemente stecken. Neben Lithium, Nickel und Kobalt gehören dazu auch Seltene Erden sowie Metalle wie Gallium, Indium oder Tellur. Sie sorgen dafür, dass Batterien Energie speichern, Windräder Strom erzeugen oder Stromnetze stabil funktionieren.
Viele dieser Rohstoffe werden in der SADC-Region im südlichen Afrika gewonnen. Die Demokratische Republik Kongo liefert über 70 Prozent des weltweit benötigten Kobalts. Länder wie Sambia und die DR Kongo liefern fünf Prozent des weltweiten Kupferangebotes. Simbabwe verfügt über große Lithiumvorkommen, Südafrika über Metalle der Platingruppe und Mangan und Mosambik ist ein wichtiger Produzent von Graphit.
Warum die Energiewende Belastungen für Ökosysteme in Afrika verursacht
Bergbau kann Ökosysteme zerstören, Wasserressourcen beeinträchtigen und hohe Emissionen verursachen. Gleichzeitig sind häufig lokale Gemeinschaften betroffen, deren Lebensgrundlagen unter Druck geraten.
Es ist eine zentrale Herausforderung der Energiewende, die es anzunehmen und zu lösen gilt: Der steigende Bedarf an Mineralien für den Ausbau der erneuerbaren Energien muss einher gehen mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Menschen in den Abbauregionen.
Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Das Projekt in der SADC-Region setzt genau hier an: Ziel ist es, die Gewinnung und Verarbeitung von Mineralien, welche kritisch sind für die Transformation des Energiesektors, derart zu verändern, dass sie auf zirkuläre Weise und mit kohlenstoffarmen, umwelt- und sozialverträglichen Bergbau- und Fertigungsmethoden erfolgen. Die Projektpartner ergreifen auf verschiedenen Ebenen Maßnahmen, um die folgenden Ergebnisse zu erzielen:
- Entwicklung eines regionalen politischen Rahmens für eine umweltgerechte und sozialverträgliche Rohstoffgewinnung und -verarbeitung.
- Entwicklung eines Systems für das Monitoring von Umwelt und Klima sowie Stärkung der Regulierungsaufsichtsbehörden.
- Befähigung zivilgesellschaftlicher Organisationen, lokaler Gemeinschaften und traditioneller Führer, Umweltstandards und Vorteilsausgleich in der Wertschöpfungskette von Mineralien zu beeinflussen und durchzusetzen. – Zu diesem Aufgabenbereich arbeiten der WWF Deutschland, WWF Sambia und WWF Simbabwe gemeinsam mit ZELO (Zimbabwe Environmental Law Organisation). Hebeln von Investitionen für eine Kreislaufwirtschaft und Förderung der Chancen von Frauen und Jugendlichen in emissionsarmen und grünen Wertschöpfungsketten.
Die Rolle des WWF im Projekt: Menschen vor Ort stärken
Ein Baustein des Projekts und Schwerpunkt der Arbeit des WWF ist die Zusammenarbeit mit den Menschen in Bergbauregionen in Sambia und Simbabwe. Die Projektgebiete liegen in Upper Zambezi und Lochinvar (Sambia) und in Hwange/Binga (Zimbabwe). Letzteres befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Hwange Nationalparks, dem größten Schutzgebiet Simbabwes und einem bedeutenden Rückzugsort für Wildtiere im Kavango-Zambesi-Schutzgebietsnetzwerk (kurz KAZA). In dieser Region engagiert sich der WWF bereits seit vielen Jahren und hat seit dem Jahr 2025 den Auftrag, gemeinsam mit der Zimbabwe Parks And Wildlife Management Authority weite Teile der Hwange-Landschaft zu managen.
Im Rahmen des nun begonnenen Projektes für eine verantwortungsvolle und umweltverträgliche Förderung von Energiewende-Rohstoffen in der SADC-Region arbeiten der WWF Deutschland, WWF Sambia und WWF Simbabwe daran, dass durch den Bergbau betroffene Gemeinschaften künftig
- Umweltstandards einfordern und mitgestalten können
- An Dialogen mit Unternehmen und Regierungen teilnehmen
- Von den wirtschaftlichen Vorteilen des Bergbaus stärker profitieren
Erreicht werden sollen diese Ziele durch
- Schärfung des Bewusstseins in den lokalen Gemeinschaften, um ein besseres Verständnis der positiven wie auch negativen Auswirkungen des Bergbaus auf das eigene Umwelt- und Sozialkapital zu schaffen.
- Empowerment von zivilgesellschaftlichen Organisationen, traditioneller Führungspersonen und lokaler Gemeinschaften durch den Aufbau von Wissen und Fähigkeiten. So soll sichergestellt werden, dass ihre Anliegen gehört und berücksichtigt werden.
- Gleichberechtigte Teilhabe. Besondere Aufmerksamkeit wird der Beteiligung von Frauen an Dialogen und Entscheidungsprozessen gewidmet.
Kohlebergbau unweit des Hwange-Nationalparks
Eine besondere Situation ergibt sich im Projektgebiet Hwange/Binga in Simbabwe. Hier ist eine Lithium-Mine Teil des Projektes. Gleichzeitig wird an einem Standort ganz in der Nähe, am Rande des Hwange-Nationalparks, Kohle gefördert. Diese Kohleförderung hat nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Landschaft, sondern auch auf die Gemeinden vor Ort – dieselben Gemeinden, mit denen der WWF im Rahmen des Projektes zusammenarbeitet.
Der Hwange-Nationalpark ist ein wichtiger Rückzugsort für Wildtiere in KAZA und beherbergt eine große Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, darunter Arten wie den Afrikanischen Elefanten, Löwen und Nashörner. Doch die Artenvielfalt wird durch Wilderei, menschliche Siedlungen und Mensch-Tier-Konflikte bedroht und gerät durch Bergbauinteressen unter immer stärkeren Druck.
So zeigt das Beispiel der Kohleförderung in Hwange, wie unterschiedliche Interessen – die Förderung von Rohstoffen auf der einen Seite und die Bewahrung der Natur auf der anderen – miteinander konkurrieren: Denn reiche Vorkommen des fossilen Rohstoffs befinden sich auch im Nationalpark selbst und es besteht das Risiko, dass Firmen die Erlaubnis bekommen, auch innerhalb des Parks Kohle zu fördern. Zwar wurde ein 2025 gestellter Antrag, die Fördermöglichkeiten innerhalb des Parks zu prüfen, abgelehnt. Es verdeutlicht jedoch die wachsenden Begehrlichkeiten – und die Notwendigkeit konsequenter Schutzmaßnahmen sowie eines Bergbaus, dessen Auswirkung auf Mensch und Natur so gering wie möglich gestaltet wird.
Energiewende global gerecht gestalten
Das Projekt führt einmal mehr vor Augen, dass die Energiewende nicht innerhalb von nationalen Grenzen stattfinden kann. Sie ist Teil globaler Lieferketten und damit auch eine Frage von Verantwortung gegenüber Ökosystemen und Menschen in anderen Regionen der Welt.
Nur wenn es gelingt, Bergbau umweltfreundlicher zu gestalten, können Emissionen nachhaltig gesenkt, die Umwelt geschützt und zugleich die Lebensbedingungen für Gemeinschaften vor Ort verbessert werden.
Dieses Projekt wird von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) der Bundesregierung gefördert. Innerhalb der Bundesregierung ist die IKI im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) verankert.
-
Kavango-Zambesi KAZA -
Elefanten zählen aus der Luft -
Afrikanische Elefanten -
KAZA Publikationen