Die schnelle Erstversorgung verletzter Wildtiere vor Ort im Busch ist der Schlüssel für die erfolgreiche Rettung der Tiere. In Tansania hat Tierärztin Elisabeth Stegmaier deshalb zusammen mit ihrem Team von KiliCREW und mit Unterstützung des WWF Deutschland ein Training entwickelt, um Community-Ranger:innen zu professionell und autark agierenden Ersthelfer:innen fortzubilden. Für den Norden des Landes soll zudem eine mobile Wildtierpraxis aufgebaut werden.

Wenn ein Elefant in Not gerät, bleibt oft nur wenig Zeit, um sein Leben zu retten. Ein Kalb, das von seiner Herde getrennt wurde. Ein Bulle, der durch eine Wildererschlinge verletzt wurde. Oder ein Tier, das erschöpft in einem von Menschen geschaffenen Wasserloch feststeckt. In solchen Momenten ist schnelles Eingreifen überlebenswichtig – und es braucht medizinisch versierte, mit dem Nötigen ausgestattete Helfer:innen.

Naturschutz unter Druck: Mensch-Wildtier-Konflikte nehmen zu

Natürlich wird das erlernte Wissen auch in der Praxis erprobt © KiliCREW
Natürlich wird das erlernte Wissen auch in der Praxis erprobt © KiliCREW

So werden beispielsweise Wildtierkorridore durch Zäune, Farmen, Straßen und Siedlungen verkleinert oder blockiert. Durch den wachsenden Druck erhöht sich die Zahl der Mensch-Wildtier-Konflikte, geraten Tiere immer öfter in lebensbedrohliche Notsituationen.

Genau hier setzt die Zusammenarbeit von WWF Deutschland und KiliCREW an: Durch Trainings für Community Ranger:innen, die in den Regionen leben und in Notfällen meist als Erste vor Ort sind. „Zusammen mit dem WWF konnten wir bisher schon 284 Ranger:innen erfolgreich in der Vor-Ort-Rettung von Wildtieren schulen“, zieht Elisabeth Stegmaier eine erste Bilanz.

Die Community Ranger:innen erhalten nach ihrem Spezialtraining ein Erste-Hilfe-Set mit allem, was ihnen eine sofortige Versorgung und Stabilisierung eines im Busch aufgefundenen Tieres in Notlage ermöglicht. „Ständiges Coaching stellt zudem sicher, dass die Ranger:innen uns jederzeit anrufen können, um durch schwierige Situationen geleitet oder vor Ort unterstützt zu werden.“

„Die Herausforderungen sind komplex. Es ist ein Jonglieren zwischen Naturschutz und den Bedürfnissen einer schnell wachsenden Bevölkerung und ihrem ständig schneller steigenden Bedarf an Land und Ressourcen.“.

Tierärztin Elisabeth Stegmaier, Mitgründerin der tansanischen NGO KiliCREW (Kilimanjaro Animal Center for Rescue, Education and Wildlife).

WWF Deutschland und KiliCREW bilden Ranger:innen aus

Elisabeth Stegmaier.
Elisabeth Stegmaier © Privat

„Wir sind sehr stolz auf diese von uns ausgebildeten Männer und Frauen“, berichtet Stegmaier weiter. „Sie haben nach absolviertem Training bereits mehrfach sehr erfolgreich Wildtiere gerettet: Einige Elefantenkälber, welche teilweise in bereits sehr schlechtem Zustand gefunden wurden, konnten stabilisiert und wieder mit der Mutter zusammengeführt werden.“ Und nicht nur das: Auch Zebrafohlen, junge Giraffen, Büffel und andere Wildtiere konnten durch die geschulten Ersthelfer:innen bereits aus lebensbedrohlichen Situationen erfolgreich gerettet werden.

Bei Jungtieren ist die Rettung besonders dramatisch und zeitkritisch. Nicht selten werden sie durch von Menschen verursachte Ereignisse von ihren Müttern getrennt. Häufig stecken sie in Wasserlöchern fest und bleiben extrem erschöpft oder verletzt zurück. Ohne die Mutterkuh hat das Kalb keine Überlebenschance.

Elefantenkälber und verletzte Bullen

Tierärztin Elisabeth Stegmaier gibt dem kleinen Elefantenkalb eine Milchration zur Stärkung © KiliCREW
Tierärztin Elisabeth Stegmaier gibt dem kleinen Elefantenkalb eine Milchration zur Stärkung © KiliCREW

Auch Elefantenbullen konnten durch die Erste Hilfe vor Ort bereits gerettet werden: Ein Bulle hatte eine Ladung Schrot zwischen den Rippen. Ein anderer war in eine Drahtschlinge geraten. „Auch die Rettung einzelner Individuen ist ein entscheidender Beitrag zum Schutz dieser vom Aussterben bedrohten Art“, betont die Tierärztin. So seien beispielsweise Elefantenbullen in ihrem Prime – jener Lebensphase, in der sie körperlich am stärksten und besonders fortpflanzungsfähig sind – sehr wichtig für den Genpool.

Der für sie schönste Moment ist es jedoch, wenn ein verloren gegangenes Elefantenbaby gerettet, die weitergezogene Herde aufgespürt und das Jungtier mit seiner Mutter wiedervereint werden kann. „Damit ist nicht nur das Leben dieses Kälbchens gerettet – auch die nächsten Generationen einer bedrohten Tierart haben eine neue Chance erhalten“, sagt sie. „All diese Tiere können nun weiterhin die Wildnis durchstreifen.“

Erstversorgung durch mobile Wildtierpraxis

Einsätze zur Rettung von Wildtieren finden in Kooperation mit den tansanischen Behörden und somit auch mit lokalen Ranger:innen und Tierärzt:innen statt. Dadurch ist es möglich, die Ranger:innen und Tierärzt:innen auch während der Rettungsaktionen und medizinisch notwendigen Behandlungen zu unterstützen und zu schulen.

Die hohe Zahl toter Elefantenkälber

Der kleine Muhesi wird nach der Rettung erstmal versorgt © KiliCREW
Der kleine Muhesi wird nach der Rettung erstmal versorgt © KiliCREW

Leider kam in der Vergangenheit manchmal trotzdem jede Hilfe zu spät – oder konnte in der Notsituation im Busch nicht so geleistet werden, dass das Tier gerettet werden konnte. Nach Angaben von Forscher:innen starben zuletzt jährlich etwa 200 Elefantenkälber an den Folgen von Mensch-Tier-Konflikten. Die Dunkelziffer ist vermutlich um ein Vielfaches höher. „Ich habe mir deshalb eine Liste mit Bildern gemacht von Tieren, die durch meine Hilfe und mein Training gerettet worden sind“, erzählt die Tierärztin. „Das hilft mir mental.“

Nun arbeiten Stegmaier und KiliCREW, unterstützt durch den WWF Deutschland, unermüdlich daran, möglichst viele Ranger:innen zu professionellen Ersthelfer:innen auszubilden. Damit künftig kein Tier mehr seinem Schicksal überlassen werden muss, obwohl es eigentlich rechtzeitig für eine Rettung aufgefunden wurde.

Dabei seien auch Wilderei, der Klimawandel und die Einbindung lokaler Communities wichtige Faktoren, die man stets im Auge behalten und mit denen man angesichts des wachsenden Bevölkerungsdrucks jonglieren müsse. „Erfolgreicher Naturschutz ist ein sehr enges Zusammenspiel zwischen Regierung, lokalen Communities, internationalen Partnern und dem Tourismussektor“, betont Stegmaier.

„Je mehr Ranger und Rangerinnen trainiert werden können, desto mehr Impact werden wir haben. Und desto mehr Wildtiere können gerettet werden.“

Tierärztin Elisabeth Stegmaier, Mitgründerin der tansanischen NGO KiliCREW (Kilimanjaro Animal Center for Rescue, Education and Wildlife)

Berittene Ranger zum Schutz der Wildtierkorridore

Ein weiteres, neues Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem WWF Deutschland umgesetzt wird, ist eine berittene Einheit von Ranger:innen. Diese wird im Wildlife-Korridor zwischen den Bergen Kilimanjaro und Meru, dem Natronsee und dem Amboseli-Nationalpark in Kenia aktiv sein. „Diese jungen Leute sind Mitglieder der Communities und sollen eine Vorbildfunktion einnehmen“, erklärt die Tierärztin. Durch ihre Anwesenheit und ihre Arbeit in engem Kontakt mit der lokalen Bevölkerung vermitteln die berittenen Ranger:innen Wissen über Wildtiere und entschärfen Mensch-Wildtier-Konflikte. Gleichzeitig werden sie eng mit den Community-Ranger:innen zusammenarbeiten und Wilderei proaktiv verhindern können.

So können Sie helfen

  • Flusspferd im Selous in Tansania © Michael Poliza / WWF Kenia und Tansania

    Das Wasservolumen und die Qualität im Mara sind ausschlaggebend für den Fortbestand des Wandersystems der Tiere, der Landwirtschaft und die Menschen. Mehr über Kenia