Ein Flachland Gorilla laufend auf dem Waldboden mit Jungtier auf dem Rückem umgeben von Bäumen und Sträuchern

Auf den Spuren bedrohter Arten in Dzanga-Sangha

Stand: 19.08.2026

Im dichten Regenwald der Zentralafrikanischen Republik zählen Wildtierforscher:innen alle fünf Jahre die dort lebenden Wildtiere, darunter Waldelefanten und Westliche Flachlandgorillas. Zuletzt war das Team im Jahr 2025 unterwegs, um die Bestände zu erfassen – eine Herausforderung im dichten Wald von Dzanga-Sangha. Die Wildtier-Inventur liefert entscheidende Daten, um Bestandstrends zu erkennen und den Schutz der Wildtiere zu verbessern.

Im Fokus eine weiße, dünne Schnur umgeben von Wald, hinter einem Baum ist ein Wildtierforscher
Schnur für Wildtierzählung, Dzanga-Sangha © Christiana Freitag

Eine dünne, weiße Schnur schlängelt sich durch den dichten Dschungel. An ihr orientiert sich eine Gruppe von fünf Wildtierforscher:innen, die immer tiefer in den Regenwald vordringt. Fast acht Stunden lang bahnt sich die Gruppe zentimeterweise ihren Weg, nur so schnell, wie die Person an der Spitze mit der Machete das dichte Gestrüpp aus Dornen und Lianen durchtrennen kann.

Die Schnur teilt den Wald für die Wildtierzählung in sogenannte Transekte ein. Das sind festgelegte, gerade Bereiche im Gelände, die dabei helfen, das riesige Gebiet des Dzanga-Sangha-Nationalparks Stück für Stück zu erfassen. Jede Schnur ist etwas mehr als 1,5 Kilometer lang, insgesamt gibt es 186 solcher Transekt-Linien.

Ein Transekt nach dem anderen gehen die Forscher:innen langsam ab. Dabei sammeln sie Proben, dokumentieren Tierspuren und installieren an wichtigen Stellen gut getarnte Wildtierkameras.

Wie man Wildtiere zählt

Alle fünf Jahre machen Teams des WWF Zentralafrika und der Schutzgebietsverwaltung von Dzanga-Sangha eine Bestandsaufnahme der Wildtierbestände in dem mehr als eine Million Hektar großen Schutzgebiet.

Seit 2010 stützt sich Dzanga-Sangha bei der Bestandserhebung in erster Linie auf die Methoden der Linientransekte und der Kamerafallen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Überwachung großer Säugetiere wie den Westlichen Flachlandgorillas, Schimpansen, Waldelefanten und Bonobos.

„Wir interessieren uns sehr für Menschenaffen und Elefanten. Insbesondere Elefanten sind so etwas wie eine Indikatorart, denn Elefanten werden von Wilderern stärker bejagt als jede andere Tierart. Wenn also die Elefanten gesund sind, befindet sich wahrscheinlich der größte Teil des Ökosystems in einem recht guten Zustand.“

Dr. Allard Blom, Wildtier-Biologe beim WWF

Im Zeitraum von Februar bis Oktober 2025 waren sechs Teams mit insgesamt 48 Mitgliedern bei zwölf Einsätzen im dichten Dschungel von Dzanga-Sangha unterwegs. Sie sammelten und werteten mehr als 14.963 Beobachtungsdaten, 26.000 Kamerafallen-Aufnahmen, 990 Blattabstriche und 386 Elefantendungproben aus und deckten dabei ein Gebiet von 4.500 Quadratkilometern ab.

Im ersten Schritt richteten die Teams die Transekte ein wie oben beschrieben und stellten Kamerafallen auf. Etwa einen Monat später kehrten die Forscher:innen zurück, um nachzuschauen, wie es um die Wildtierpopulation in diesem Gebiet steht. Dies geschieht durch direkte Beobachtungen und die Auswertung der Kamerafallen-Daten.

eDNA hilft bei der Zählung

Froschperspektive, Großer Gorilla sitzt in einer Baumkrone umgeben von Blättern
Gorilla in Baumkrone, Dzanga-Sangha © Christiana Freitag

Über die Transekte und Fotofallen hinaus erprobt die DPSA in diesem Jahr eine neue Methode zur Erfassung von Wildtieren eDNA (environmental DNA) – also genetisches Material wie Hautzellen und Schleim, das von den Tieren in ihrer Umgebung zurückgelassen wird. Der große Vorteil der Methode: Sie ist kosteneffizient und kommt ohne direkten Kontakt mit den Tieren aus – so lassen sich auch scheue oder schwer zugängliche Arten nachweisen, ohne sie zu stören. Auch große Gebiete können mit Hilfe der eDNA mit vergleichsweise geringem Aufwand untersucht werden.

„Bei diesem Verfahren werden an mehreren Punkten entlang des Transekts Blattabstriche entnommen. Durch das Sammeln von genetischem Material, das auf dem Laub zurückbleibt, können wir die Anwesenheit verschiedener Arten nachweisen, die sonst für das Auge oder die Kamera verborgen blieben“, erklärt Antoine Edé, Leiter der Monitoring-Abteilung der Schutzgebietsverwaltung von Dzanga-Sangha (DSPA). Aber auch DNA aus Kotproben wird für die Forschung genutzt.

Nach der Analyse im Labor offenbaren die Proben die Anwesenheit von Arten, die bekanntermaßen schwer aufzuspüren sind, insbesondere solche, die hoch im Baumkronendach leben oder von Natur aus scheu sind und den Kontakt mit Menschen meiden.

„Herkömmliche Kamerafallen sind fest installiert und am Boden aufgestellt. Das schränkt unsere Möglichkeiten zur Überwachung von baumbewohnenden Arten wie Affen naturgemäß ein. Uns fehlen nach wie vor erhebliche Datenmengen aus dem Baumkronendach. Wir hoffen, dass die eDNA-Analyse diese Lücken schließen und ein umfassenderes Bild der Artenvielfalt liefern wird“, sagt Frédéric Singa aus dem Monitoring-Team.

Wissen, ob die Arbeit wirkt

Ein Waldelefant mit seinem Jungtier in einer Wasserstelle
Waldelefanten, Dzanga-Sangha © Christiana Freitag

„Um unsere Naturschutzziele zu erreichen, ist es wichtig, dass wir messen, welchen Einfluss unsere Arbeit hat. Nur so verstehen wir, was wirklich wirksam ist“, erklärt Antoine Edé. „Der direkteste Indikator für Erfolg oder Misserfolg ist die Entwicklung der Tierbestandszahlen.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Im Vergleich mit den letzten beiden Bestandsaufnahmen aus den Jahren 2015 und 2020 sind die Elefanten- und Gorillapopulationen stabil geblieben. Dies sind erfreuliche Nachrichten und ein Zeichen dafür, dass die Schutzbemühungen in Dzanga-Sangha Wirkung zeigen.

„Wir haben eine Verschiebung in der Verbreitung der Elefanten beobachtet,“ so Antoine Edé. „Wobei wir eine höhere Konzentration innerhalb der Schutzgebiete festgestellt haben. Dies deutet darauf hin, dass die zunehmende menschliche Aktivität in den Siedlungsgebieten die Wildtiere dazu zwingt, innerhalb der Grenzen des Nationalparks Zuflucht zu suchen.”

Mit Eco Guards gegen Wilderei

Eine Wildtierkamera, die an einem Baum hängt, umgeben von Bäumen
Wildtierkamera zur Zählung, Dzanga-Sangha © Christiana Freitag

Die Inventur dient nicht nur dazu, die Tierpopulationen zu erfassen, sondern auch dazu, die Artenvielfalt in der Region zu verstehen und den Einsatz der „Eco Guard“-Patrouillen zu planen. Eine Strafverfolgungseinheit, die die Wildtiere vor Wilderern schützen soll.

Denn die Wilderei von Elefanten sei weiterhin eine Bedrohung für Dzanga-Sangha, erklärt Stef de Béthune, Beraterin für Programmentwicklung beim WWF Zentralafrika. Umso wichtiger sei es, den Druck der Menschen auf die Wildtierpopulationen weiterhin zu beobachten.

„Wir verfolgen auch sozioökonomische Indikatoren, die gewissermaßen Hand in Hand mit der Wildtierbestandserhebung gehen”, sagt de Béthune. „Die Bevölkerungszahl in diesem Gebiet nimmt zu, während die Wildtierpopulation stabil bleibt und sich zunehmend auf bestimmte Gebiete konzentriert. Das zeigt, dass sich hier eine Spannung aufbaut.“

Eine Analyse früherer Wildtierbestandsaufnahmen in Dzanga-Sangha hat gezeigt, dass die Anwesenheit der „Eco-Guards“ den Druck durch den Menschen verringert und für die Aufrechterhaltung stabiler Populationen dieser gefährdeten Säugetierarten entscheidend ist.

Die Arbeit der Wildtierforscher:innen aus Dzanga-Sangha macht Mut: Elefanten und Gorillas halten sich stabil, der Schutz zeigt Wirkung. Doch die Konzentration der Tiere auf immer kleinere Gebiete zeigt auch, wie fragil dieses Gleichgewicht ist.

Damit aus Zahlen auch in Zukunft gute Nachrichten werden, braucht es Forschung, Technologie und engagierte Menschen vor Ort – und Unterstützung von außen. Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass Dzanga-Sangha auch morgen noch ein Zuhause für bedrohte Arten bleibt.

So können Sie helfen

  • Wald im Dzanga-Sangha Schutzgebiet © Andy Isaacson / WWF-US Dzanga-Sangha

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