Gab es vor 100 Jahren noch etwa 200.000 Löwen, sind es heute weniger als 25.000. Einer der Hauptgründe für den dramatischen Rückgang ist die Wilderei. Die illegale Jagd auf Löwen hat in den vergangenen Jahren wieder Fahrt aufgenommen. Eine Entwicklung, die Anlass zur Sorge um das Überleben der Könige der Savanne gibt.

Löwen sind atemberaubende Geschöpfe und das Sinnbild für Afrikas Tierwelt. Allein das ist Grund genug, sie zu schützen.

Doch sie sind noch viel mehr: Löwen sind eine Schlüsselart mit erheblichem Einfluss auf ihren Lebensraum. An der Spitze des Nahrungsnetzes regulieren sie die Bestände anderer Arten und tragen zu gesunden Populationen bei. Ähnlich wie Haie als „Gesundheitspolizei“ der Meere sorgen Löwen für stabile Ökosysteme.

Löwen am Rand der Ausrottung

Ein Löwe in der afrikanischen Savanne
Ein Löwe in der afrikanischen Savanne © cgarytog / iStock / Getty Images

Ein Vergleich der historischen und heutigen Verbreitungsgebiete macht klar: Etwa 90 Prozent ihres ehemaligen Areals haben die Löwen bereits verloren. Und dieser Trend beschleunigt sich. Prognosen besagen, dass die Löwenbestände in den nächsten zwei Jahrzehnten um weitere 50 Prozent zurückgehen könnten. Die Gründe für den Artenschwund sind in etwa die gleichen wie überall auf der Welt:

Menschliche Siedlungen dehnen sich stetig aus. Die Viehherden werden größer, und es kommt zu mehr Konflikten mit den Menschen. So verlieren die Löwen immer mehr Lebensraum und einzelne Populationen werden isoliert. Gleichzeitig verschlechtert sich der Zustand der verbliebenen Lebensräume. Wilderei, illegaler Handel und nicht zuletzt der Klimawandel verschärfen die Situation zusätzlich.

Was bedroht die Löwen konkret?

Illegaler Handel – eine existenzielle Bedrohung für die Löwen

Naturschutz-Ranger in Kenia
Naturschutz-Ranger in Kenia © Ami Vitale / WWF-UK

Der illegale Handel mit Löwen und ihren Körperteilen hat sich zu einer der größten Bedrohungen für das Überleben der Art entwickelt. Anders als schleichende Gefahren wie Lebensraumverlust wirkt diese Entwicklung schneller und direkter: Löwen werden gezielt gewildert, weil ihre Knochen, Krallen, Felle und sogar Jungtiere auf dem internationalen Markt hohe Preise erzielen.

Der Handel ist komplex, bislang nur unzureichend erforscht, schwer zu kontrollieren und zunehmend Teil organisierter, grenzüberschreitender Kriminalität. Er findet sowohl international als auch innerhalb Afrikas statt: In vielen Regionen werden Körperteile von Löwen für traditionelle Praktiken genutzt, während gleichzeitig ein globaler Markt existiert, der bis nach Asien reicht.

Besonders betroffen sind Populationen in Ostafrika – Forscher:innen gehen davon aus, dass die Bestände dort mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2035 um mehr als 50 Prozent schrumpfen könnten. Gleichzeitig zeigen Beschlagnahmungen und Berichte aus vielen Ländern, dass die Wilderei weiter zunimmt.

Zugleich verschiebt sich die Dynamik vor Ort: Wo Löwen früher vor allem aus Konflikten heraus getötet wurden, etwa weil sie Nutztiere gerissen haben, entsteht heute ein zusätzlicher finanzieller Anreiz. Die Körperteile der Tiere haben einen hohen Marktwert – jeder getötete Löwe kann Geld bringen.

„Wo Löwen fehlen, verändern sich in einer Dominoreaktion die Bestände zahlreicher Arten. Das wiederum beeinflusst die Zusammensetzung von Pflanzengesellschaften. Dadurch könnten Ökosysteme ihre Fähigkeit verlieren, Kohlenstoff zu speichern und somit die Auswirkungen des Klimawandels abzufedern.“

Dr. William-Georges Crosmary, Projektmanager beim WWF

Gesetzliche Lücken im Löwenschutz

Zusätzlich haben legale Handelsstrukturen in der Vergangenheit die Nachfrage weiter angekurbelt und Grauzonen geschaffen, in denen auch Teile wildlebender Löwen in den Umlauf gelangen können. So wurde beispielsweise in Südafrika eine Ausfuhrquote für die Körperteilen gezüchteter Löwen eingeführt – doch solche Regelungen erhöhen auch den Druck auf wildlebende Tiere.

Problematisch ist auch, dass Löwen im internationalen Artenschutz (CITES Anhang II) weniger streng geschützt sind als etwa Tiger. Dadurch sind ihre Körperteile leichter verfügbar und werden häufig als Ersatz für Tigerprodukte genutzt – mit wachsender Nachfrage.

Arbeit des WWF: Schutz, Aufklärung und Strafverfolgung

Nutztiere in Kenia
Nutztiere in Kenia © Justin Woods / Rewild Africa / WWF-UK

Der WWF und seine Partner:innen bekämpfen den illegalen Handel mit Löwenkörperteilen gezielt. Sie stärken die Strafverfolgung und die Informationsnetzwerke, damit Täter konsequent verfolgt werden. Gleichzeitig arbeitet der WWF daran, die Nachfrage nach Löwenprodukten besser zu verstehen. Auf dieser Grundlage entwickelt der WWF gezielte Kampagnen, die auf Verhaltensänderungen bei den Konsument:innen abzielen. Dieser Ansatz hat bereits dazu beigetragen, den Handel mit Elfenbein oder Meeresschildkröten einzudämmen.

Entscheidend ist zudem die internationale Zusammenarbeit: Nur wenn Herkunfts-, Transit- und Absatzländer gemeinsam handeln, politische Rahmenbedingungen stärken und Behörden effektiv unterstützen, lässt sich der Handel langfristig eindämmen und der Druck auf die Löwen verringern.

Die Zeit läuft ab

Noch ist das volle Ausmaß der Wilderei in vielen Regionen nicht erfasst. Doch die Anzeichen sind eindeutig: Die Bedrohung wächst. Um Löwen langfristig zu schützen, braucht es koordinierte Maßnahmen, bessere Kontrollen und ein klares Verständnis der globalen Nachfrage. Denn wenn die gezielte Wilderei weiter zunimmt, könnte sie ganze Populationen zum Verschwinden bringen.

Löwen sind nicht unbesiegbar. Noch vor 100 Jahren lebten mehr als 200.000 von ihnen in Afrika – heute sind es weniger als 25.000. Die Wilderei könnte diesen Trend weiter beschleunigen. Doch es gibt Hoffnung: Wenn wir jetzt handeln, können wir die Könige der Savanne bewahren.

So helfen Sie den Löwen

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