Wer sich in einem von Bürgerkrieg und Armut geprägten Land wie Myanmar für Naturschutz einsetzt, braucht Leidenschaft, Standhaftigkeit und Mut. Margaret Myint arbeitet seit neun Jahren beim WWF Myanmar als Artenschutzreferentin und ist unter anderem für den Schutz von Tigern und Elefanten zuständig. Ihre Liebe zu Wildtieren brachte sie zum Naturschutz – und zu einer klaren Haltung: „Es ist entscheidend, Naturschutz und Resilienz nicht aufzugeben, egal wie schwierig die Situation ist. Wir können es uns nicht leisten, die Bedürfnisse von Menschen und Natur zu ignorieren.“
Zwischen Bürgerkrieg, Armut und Artensterben engagiert sich Margaret Myint für Myanmars bedrohte Tierwelt. Die Artenschutzexpertin beim WWF Myanmar setzt auf Wissenschaft, Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden – und unerschütterlichen Optimismus.
Margaret Myint bringt Menschen zusammen
Naturschutz beginnt für Margaret Myint daher auch nicht im Büro, sondern in den Gemeinden: Sie arbeitet mit lokalen Naturschutzinitiativen und hilft ihnen, relevante Kapazitäten für gemeindebasierten Naturschutz aufzubauen. Mit einem Master in Nachhaltigem Ressourcenmanagement bringt sie für diese Aufgabe genau die notwendigen Kompetenzen mit. Myanmar gilt als eines der artenreichsten Länder der Welt. Zugleich gehört es zu den Ländern, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind.
„Im Naturschutz sind wir mit komplexen Herausforderungen konfrontiert. Jede Situation ist einzigartig und erfordert eine Kombination aus Wissenschaft, Strategie und Zusammenarbeit, um Probleme wie Lebensraumzerstörung, Wilderei und Klimawandel anzugehen. Das fasziniert mich“, sagt sie. Dazu gehören auch eine gute Portion Fingerspitzengefühl und die Bereitschaft, den Menschen in den Gemeinden zuzuhören und von ihnen zu lernen.
Zwischen Tiger-Mythen und Wilderei
Was die Menschen vor Ort über ihre Wälder, Flüsse und Tiere wissen, ist für Margaret Myint oft entscheidend. So wird in den Mythen und Legenden einiger Bevölkerungsgruppen wie den Tangshang der Tiger verehrt. Als Beschützer spielt er eine wichtige spirituelle Rolle. Gleichzeitig lebt rund ein Drittel der Bevölkerung Myanmars unterhalb der Armutsgrenze, der illegale Handel mit Wildtieren floriert. Ihr Optimismus bleibt dennoch ungebrochen: „Es ist nicht schwierig, mit lokalen Gemeinden zusammenzuarbeiten, wenn wir ihren Glauben, ihre Werte und Praktiken respektieren. Das ist eine Frage der Einstellung.“
Kamerafallen bringen Hoffnung
Traditionelles Wissen und moderner Naturschutz schließen sich für die Artenschutzexpertin nicht aus – im Gegenteil. Die Kenntnisse der Bevölkerung über die lokale Artenvielfalt und ihre Meinung zum Naturschutz sind für die Artenschutzexpertin von unschätzbarem Wert. Besonders liebt Margaret Myint das Aufstellen und Auswerten von Kamerafallen. Gemeinsam mit den Dorfbewohner:innen wertet sie die Aufnahmen aus. 2024 gelang so eine kleine Sensation: Kameras dokumentierten zum ersten Mal seit 2018 Tiger im Nagaland, in Myanmars hohem Norden. Ein Hoffnungsschimmer für den Artenschutz im Land.
„Ich möchte junge Frauen inspirieren“
Tiger sind nicht nur ein Teil des kulturellen Erbes, sie spielen als Schlüsselart auch eine wichtige Rolle für den Erhalt gesunder Ökosysteme. Für den Schutz der Tiger wünscht Margaret Myint sich auch in Zukunft eine enge Zusammenarbeit zwischen den lokalen Gemeinden und den nationalen und internationalen Naturschutzorganisationen.
Dabei geht es ihr nicht nur um Artenvielfalt und Ökosysteme, sondern auch um diejenigen, die diese Arbeit leisten. Immer mehr Frauen übernehmen fachliche, praktische und leitende Aufgaben und zeigen dabei große Kompetenz, Widerstandskraft sowie großes Engagement. Gleichzeitig stehen sie häufig vor besonderen Herausforderungen: abgelegene Einsatzgebiete, harte Arbeitsbedingungen und die Balance zwischen beruflicher Verantwortung und privaten Verpflichtungen.
Für Margarte Myint ist klar: Diese Leistungen verdienen Sichtbarkeit und Unterstützung. Sie möchte junge Frauen inspirieren, sich im Naturschutz zu engagieren: „Es ist unglaublich erfüllend, konkret etwas zu bewirken, sei es Lebensraum wiederherzustellen, bedrohte Arten zu schützen oder für nachhaltige Praktiken zu werben.“
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