Tiger, Löwen oder Leoparden kennt fast jede:r. Abseits der großen Stars der Tierwelt gibt es zahlreiche kleinere Raubkatzen, die mindestens genauso faszinierend und trotzdem kaum jemandem bekannt sind. Von der glühend heißen Wüste bis ins eisige Hochgebirge zeigen diese Tiere, wie vielfältig und bedroht die Welt der Raubkatzen wirklich ist.

Sandkatze: Die kleine Harte

Sandkatze
Sandkatze © MikeLane45 / iStock / Getty Images

Sieht aus wie die niedliche Mieze von nebenan, aber diese Raubkatze kann wirkliche Extreme meistern: Die Sandkatze lebt in der Sahara, auf der arabischen Halbinsel und in den Gebieten östlich und südlich des Kaspischen Meeres, wie der Karakum-Wüste. Dort ist es bekanntlich sehr heiß und sehr trocken. Ihr dichtes Fell isoliert gegen extreme Temperaturen. Sie kommt mit knapp 60 Grad Celsius tagsüber genauso klar wie mit den bis zu minus 25 Grad Celsius, die im Winter nachts erreicht werden können.

Ihre Pfoten sind als Schutz vor dem bis zu 80 Grad heißen Wüstensand mit einer Art Fellfilz bedeckt. Mit ihren großen Ohren kann die kleine Wildkatze Beute selbst unter dem Sand hören. Und trinken muss sie quasi nie. Ihren gesamten Bedarf an Flüssigkeit kann sie aus ihrer Beute decken.

Über die Sandkatzen ist recht wenig bekannt. Sie leben zurückgezogen und sind schwer zu beobachten. Sie waren wohl nie besonders zahlreich. Man geht aber davon aus, dass sie durch Lebensraumverlust und sinkende Zahl an Beutetieren noch seltener geworden sind. Auch machen ihnen verwilderte Hunde und Katzen die Beute streitig, übertragen Krankheiten oder bejagen die kleinen Katzen direkt.

Asiatische Goldkatze: Viele Farben, viele Namen

Asiatische Goldkatze
Asiatische Goldkatze © Utopia 88 / iStock / Getty Images

Asiatische Goldkatzen gibt es längst nicht nur in gold, sondern in vielen Farben. Es finden sich auch welche in grau, rot, zimt, schwarz und verschiedenartig gefleckt. Kamerafallen im nordöstlichen indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh haben Asiatische Goldkatzen mit sechs verschiedenen Farben erfasst – in einem einzigen Tal! Warum kann die Wissenschaft auch noch nicht wirklich erklären.

Dementsprechend haben sie auch viele Namen. In China heißt sie „Felsenkatze” oder „Gelber Leopard“. Die ganz schwarzen werden „Tintenleoparden“ genannt, die mit Fleckenmantel „Sesamleoparden“. In einigen Regionen Thailands werden sie „Seua fai“ genannt —  Feuertiger.

Mit Großkatzen wie Leopard oder gar Tiger sind die Asiatischen Goldkatzen nicht näher verwandt. Die Asiatische Goldkatze sieht in etwa so aus wie eine Hauskatze, ist aber deutlich größer und Männchen wiegen bis zu 16 Kilogramm. Sie lebt in Nepal, Bhutan und im äußersten Osten von Indien bis nach Myanmar, Thailand, Malaysia, Kambodscha, Laos, Vietnam, im Süden Chinas und auf Sumatra. Als Lebensraum bevorzugt sie Wälder, wurde aber auch schon in Grasland nachgewiesen.

In Thailand werden sie in Fabeln als so wild und mutig beschrieben, dass sie angeblich sogar Tigern gefährlich werden können. Ein einziges Goldkatzenhaar mit sich zu tragen soll dem Volksglauben zufolge vor einem Tigerangriff schützen.

Wegen des Verlusts ihres Lebensraums und Wilderei auf die hübschen Tiere stehen sie auf der Vorwarnliste der Weltnaturschutzunion IUCN.

Andenkatze: Die seltene Raubkatze aus dem Hochgebirge

Andenkatze
Andenkatze © Sebastian Kennerknecht / picture alliance / Minden Pictures

Die Bergkatze oder Andenkatze ist die am stärksten bedrohte Raubkatzenart Südamerikas – und wahrscheinlich auch die härteste.

Sie lebt ihrem Namen entsprechend in Chile, Argentinien, Bolivien und Peru in den felsigen, baumlosen, kalten Regionen der Anden auf über 3.000 Metern Höhe. Mittlerweile wurde auch eine weitere Verbreitung in der Patagonischen Steppe bis hinunter auf 650 Meter Höhe entdeckt.

Nur wenige Menschen haben die Bergkatze jemals gesehen, geschweige denn wissenschaftlich untersuchen können. Die ersten Filmaufnahmen gelangen erst nach dem Jahr 2000.

Andenkatzen sind etwa so groß wie Hauskatzen und jagen vornehmlich Viscachas, chinchillaähnliche Nagetiere. Es gibt wohl nur noch weniger als 1.400 erwachsene Andenkatzen. Die Bergkatze wird in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „stark gefährdet“ (endangered) geführt. Sie ist von Lebensraumverlust und Jagd bedroht. In Zukunft wird ihr in ihren Berglebensräumen wohl die Erderhitzung zusetzen. Doch es ist schwer, ein Tier zu retten, das kaum jemand je sieht.

Karakal: Schwarzohr, nicht Wüstenluchs

Karakal
Karakal © Martin Harvey / WWF

Karakulak bedeutet auf Türkisch „Schwarzohr“. Tatsächlich hat der Karakal beeindruckende Lauscher, auf die sogar ein Luchs neidisch werden könnte.

Der verbreitete Name Wüstenluchs ist aber irreführend: Der Karakal wirkt zwar ein bisschen wie ein Luchs, ist jedoch näher mit der Afrikanischen Goldkatze oder dem Serval verwandt.

Karakale leben weit verbreitet von Westafrika bis nach Nordindien. Das Beutespektrum ist sehr groß und reicht von Mäusen und Hasen bis zu kleinen Antilopen und Vögeln. Da sie teilweise auch Vieh jagen, werden sie in manchen Ländern als Schädlinge verfolgt.

Auf der Roten Liste der IUCN wird der Karakal als „nicht bedroht“ eingestuft. Südlich der Sahara ist er noch weit verbreitet, in Nordafrika und Zentralasien aber gefährdet.

Nebelparder: Kleine Großkatze

Nebelparder
Nebelparder © Alain Compost / WWF

Der Nebelparder ist quasi eine kleine Großkatze. Er sieht entfernt Leoparden ähnlich (weswegen er im englischen auch Clouded Leopard heißt). Er ist aber kleiner und hat größere, wolkenförmige Flecken, denen er auch seinen englischen Namen verdankt.

Der Nebelparder ist zwar mit seinem Gewicht von maximal 25 Kilogramm deutlich kleiner und leichter als Puma oder Gepard, wird im Gegensatz zu ihnen aber zu den Großkatzen gerechnet.

Der Nebelparder ist perfekt für das Leben auf Bäumen angepasst. Seine relativ kurzen Beine und der lange Schwanz machen ihn zu einem geschickten Kletterer. Um zu jagen oder Strecken zurückzulegen, kommt er aber doch meist auf den Boden.

Sonst weiß man nicht viel über Nebelparder. Erst 2006 fanden Wissenschaftler heraus, dass es tatsächlich zwei verschiedene Arten gibt. Neofelis nebulosa findet man auf dem südostasiatischen Festland bis nach China und bis in die Himalaya-Ausläufer Nepals. Neofelis diardi oder den Sunda-Nebelparder, findet man nur auf den Inseln Sumatra und Borneo. Die dortige massive Abholzung für Palmöl lässt seinen Lebensraum immer weiter schrumpfen. Es gibt schätzungsweise nur noch etwa 3.800 erwachsene Sunda-Nebelparder auf Borneo und lediglich 730 auf Sumatra.

Aber auch die kommerzielle Wilderei setzt den Beständen schwer zu. Ihre hübschen Felle landen in großer Zahl auf den Märkten, ihr Fleisch wird gegessen, ihre Knochen finden sich in Traditionellen Asiatischen Medikamenten – zum Teil als Ersatz für Tiger. Auch für den Haustierhandel sind die Nebelparder gefragt.

Vom Nebelparder auf dem Festland gibt es nach Schätzungen wohl sogar weniger als 6.000 erwachsene Tiere, Tendenz abnehmend. Auf der Roten Liste finden sich beide Arten als „gefährdet“ wieder.

Marmorkatzen: Nebelparders kleiner Doppelgänger

Marmorkatze
Marmorkatze © WWF Thailand

Sie sind sich zum Verwechseln ähnlich: Die Marmorkatze ist so etwas wie die Miniversion eines Nebelparders. Die Fellzeichnung ist fast identisch. Sie kommt auch noch in den gleichen Lebensräumen in tropischen Regionen Südostasiens vor.

Marmorkatzen sind ungefähr so groß wie Hauskatzen, sie wiegen zwischen zwei und fünf Kilogramm. Auch sie leben vermutlich viel auf Bäumen; aber es ist sehr wenig über ihre Lebensweise bekannt. Sie fressen, was der Wald hergibt: hauptsächlich Vögel und Nagetiere wie Hörnchen.

Bei der Gefährdung der Marmorkatzen sind sich Expert:innen nicht sicher. Aufgrund des großen Verbreitungsgebiets und Entdeckungen durch Kamerafallen in neuen Gebieten gelten sie aktuell nur als „gering gefährdet“. Andere Wissenschaftler:innen sehen sie als „bedroht“ an.

Schwarzfußkatze: Die kleine unbekannte Raubkatze

Schwarzfußkatze
Schwarzfußkatze © slowmotiongli / iStock / Getty Images

Die Schwarzfußkatze ist eine der kleinsten Raubkatzen weltweit mit einem Gewicht von nur ein bis zweieinhalb Kilogramm. Die Unterseiten der Pfoten sind schwarz. Sie ist mit weniger als 10.000 ausgewachsenen Tieren eine der seltensten afrikanischen Katzenarten und eine der scheuesten. Doch trotz ihrer kleinen Größe ist sie eine der effektivsten Jägerinnen.

Schwarzfußkatzen sind überwiegend nachtaktiv. Anders als die meisten anderen Raubkatzen halten sie sich hauptsächlich am Boden auf. Den Tag verbringen sie in hohlen Termitenhügeln oder unbesetzten Höhlen von Springhasen, Borstenhörnchen oder Erdferkeln.

In die Enge getrieben, verteidigen sich die kleinen Katzen mit großem Mut. In Fabeln der indigenen San ist die Schwarzfußkatze sogar bereit, eine Giraffe anzuspringen, um ihr den Hals durchzubeißen. Wegen ihrer Tapferkeit wird sie manchmal auch Ameisenhügel-Tiger genannt.

Seit 2002 gilt sie als „bedroht“.

Serval: Die Jäger mit den langen Beinen

Serval
Serval © Martin Harvey / WWF

Servale bewohnen verschiedene Typen von afrikanischem Grasland und Savanne. Die langen Hälse und Beine ermöglichen es ihnen, über das Savannengras hinweg zu schauen.

Servale fressen überwiegend Mäuse und fangen einen Großteil ihrer Beute, indem sie hoch in die Luft springen und von oben auf der Beute landen. Dabei können sie dreieinhalb Meter weit springen und einen Meter hohe Sätze machen. Servale wurden auch schon beobachtet, wie sie zwei bis drei Meter in die Höhe schnellen, um Vögel zu fangen. Wie sie mit ihren langen Beinen in Höhlen greifen oder sogar fischen. Sie sind sehr erfolgreiche Jäger und essen selten Aas.

Weil sie allerdings von Zeit zu Zeit auch Geflügel nicht verschmähen, werden sie teils als Schädlinge gejagt.

Die Fellzeichnungen des Serval sind sehr individuell. Manche haben sehr kleine Flecken, andere große, die am Nacken und Rücken in Streifen übergehen. In Hochlandgebieten Ostafrikas gibt es auch vollkommen schwarze Servale.

Ozelot: Behält jetzt sein Fell

Ozelot
Ozelot © Anthony B. Rath / WWF

Wegen ihres schönen Fells wurden Ozelote erbarmungslos gejagt. Bis Mitte der 1970er Jahre kamen jährlich bis zu 200.000 Felle in den Handel. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Seit Januar 1990 besteht ein absolutes internationales Handelsverbot – und die Bestände haben sich wieder erholt.

Der Ozelot ist der größte und wohl bekannteste Vertreter der Pardelkatzen, einer amerikanischen Gattung kleinerer, zumeist gefleckter Raubkatzen. Ozelote können bis zu 15 Kilogramm schwer werden.

Der Ozelot ist im Buschland, in Mangrovenwäldern, in der Grassteppe und im Regenwald Mittel- und Südamerikas zu finden. Wegen ihres großen Verbreitungsgebietes zählt die IUCN sie noch nicht (bzw. nicht mehr) zu den bedrohten Arten. Eine aktuelle Bedrohung stellt wie bei vielen Wildtieren die Zerstörung und Zerstückelung des Lebensraums dar.

Pampaskatze: Längst nicht nur in den Pampas

Pampaskatze
Pampaskatze © Tom Brakefield / iStock / Getty Images

Pampaskatzen leben nicht nur in den Pampas, sondern sind im mittleren und südlichen Südamerika in den verschiedensten Lebensräumen weit verbreitet.

Ausgewachsene Pampaskatzen wiegen bis zu 3,7 Kilogramm. Vom Erscheinungsbild her unterscheiden sich die Pampaskatzen in den unterschiedlichen Regionen Südamerikas recht stark. Die Palette der Fellfärbungen reicht von rostrot über gelblich bis grau, gepunktet, gestreift oder fast ohne Fellzeichnung.

Sie ernähren sich von Nagetieren wie Meerschweinchen und Viscachas sowie Bodenbrütern. In Patagonien fressen sie auch Eier und Küken von Pinguinen. Viel mehr weiß man über die Pampaskatze nicht.

Die Pampaskatze wird von der IUCN als „gering gefährdet“ (near threatened) eingestuft.

Rostkatze: die ganz Kleine

Rostkatze
Rostkatze © wrangel / iStock / Getty Images

Rostkatzen gehören zu den kleinsten Raubkatzen überhaupt. Sie sind kleiner als eine Hauskatze und wiegen höchsten 1,6 Kilogramm. Sie leben in Indien und Sri Lanka in Gras- und Buschland, felsigen Gebieten und Wäldern.

Über das Leben dieser Raubkatzen ist recht wenig bekannt. Sie sind hauptsächlich nachtaktiv und ausgezeichnete Kletterer und Jäger, die es auch mit größeren Beutetieren aufnehmen.

Rostkatzen sind in ihrem Verbreitungsgebiet eher selten und müssen mit der Dezimierung ihres Lebensraumes durch eine Vielzahl von menschlichen Eingriffen kämpfen — von Landwirtschaft, Bergbau und Siedlungsgebieten bis hin zu riesigen Solaranlagen in Indien. 75 Prozent ihres Lebensraumes drohen zu verschwinden.

Jaguarundi: Tagaktiver Hühnerdieb

Jaguarundi
Jaguarundi © IMAGO / Nature Picture Library

Der Jaguarundi bewohnt von Mexiko bis Argentinien Busch- und Grasland. Er kann rötliches oder graues Fell haben – beide Farbvarianten können in einem Wurf auftreten. Mit seinen kurzen Beinen und dem langen Schwanz erinnert er entfernt an den Marder. Jaguarundis sind aber eng mit dem Puma verwandt. Sie sind mit höchstens acht Kilogramm allerdings viel kleiner.

Das Verhalten der Jaguarundis unterscheidet sich deutlich von dem anderer Wildkatzen. Jaguarundi sind tagsüber aktiv und ruhen nachts. Durch ihre tagaktive Lebensweise werden sie häufiger beobachtet – was zu der falschen Annahme führt, dass Jaguarundis häufig vorkommen.

Sie scheinen die Nähe zu Menschen aber besser zu tolerieren als andere wilde Katzen. Sie mögen landwirtschaftliche Flächen, auf denen es reichlich Ratten gibt. Ihr Appetit für Haushühner sorgt allerdings für Konflikte mit Menschen, die regelmäßig tödlich für die Katzen enden. Sie werden aber nicht wie die gefleckten Raubatzen Südamerikas direkt bejagt. Doch Lebensraumverlust und Zerstückelung machen auch ihnen zu schaffen.

Anne Hanschke © Daniel Seiffert / WWF
Anne Hanschke © Daniel Seiffert / WWF

Die Autorin

Anne Hanschke

Expertin für Artenschutz und verschiedenste Tierarten

Anne Hanschke ist Biologin und Expertin beim WWF Deutschland. Ihr ist es ein besonderes Anliegen, Menschen für die faszinierende biologische Vielfalt zu begeistern und ihnen die komplexen Zusammenhänge der Biodiversität, ihre Bedeutung und ihre Bedrohung nahe zu bringen.

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