Im südlichen Afrika im Schutzgebietskomplex KAZA engagiert sich der WWF für Projekte zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Verbesserung der Ernährungssicherheit der Menschen. Auch Nothilfe in Zeiten extremer Dürre gehört dazu. So hat der WWF Kleinbäuer:innen in Sambia beim Aufbau von Cluster-Farmen unterstützt und so für bessere Ernten auch in Trockenzeiten gesorgt.
Cluster-Farming ist ein landwirtschaftlicher Ansatz, bei dem mehrere benachbarte Betriebe ihre Flächen koordiniert bewirtschaften, um gemeinsam größere zusammenhängende Lebensräume für Artenvielfalt zu schaffen und Naturschutzmaßnahmen wirksamer umzusetzen.

In Sambia zeigt sich der Klimawandel längst schon in aller Härte. Dürreperioden haben in den vergangenen Jahren massiv zugenommen.

Im Winter 2023/24 erlebte das Land, verstärkt durch das Klimaphänomen El Niño, die schlimmste Dürre seit über 40 Jahren.

Dürre bedroht die Wasserstände

Vertrocknetes Maisfeld in Sambia 2024 © WWF
Vertrocknetes Maisfeld in Sambia 2024 © WWF

9,8 Millionen Menschen waren in dem südafrikanischen Land betroffen. Es kam zu Ernteausfällen – insbesondere im Süden und im Zentrum des Landes. Die Dürre löste sogar eine Energiekrise aus: Die Wasserstände der wichtigsten Flüsse und Stauseen des Landes sanken so tief, dass es die für die Versorgung des Landes unentbehrliche Stromerzeugung aus Wasserkraft stark einschränkte.

Anfang März 2024 erklärte Sambias Präsident Hakainde Hichilema die Dürre zur nationalen Katastrophe und rief den Notstand aus. Ein betroffenes Gebiet war auch der im Südwesten liegende Silowana-Komplex. Hier bedrohte die extreme Dürre die sowieso schon prekäre Existenzgrundlage der Menschen und verschärfte ihre Probleme massiv.

Katastrophale Ernteausfälle

Eine Herde von Elefanten auf der Suche nach Wasser.
Eine Herde von Elefanten auf der Suche nach Wasser © Elephant Connection

Im Silowana-Komplex regnet es generell wenig, die Region ist geprägt von einem tropischen Savannenklima. Menschen und Tiere sind darauf eingestellt, nicht jedoch auf heftige Dürreperioden wie die Dürre von 2023/24: Es kam zu katastrophalen Ernteausfällen, welche die Ernährungssicherheit der Bewohner:innen massiv bedrohte.

Da auch Tiere kaum mehr Nahrung fanden, drangen diese weiter in bewohnte Gebiete vor als gewöhnlich. Menschen und Wildtiere konkurrierten um die knappen Ressourcen und die Zahl der Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren stieg an. Wildtiere zerstörten Felder, Ernten gingen verloren.

Das KAZA-Schutzgebiets-Netzwerk (Kavango-Zambesi)

Eine überwältigende Artenvielfalt verschiedenster Wildtiere ist hier zu Hause: Afrikanischer Elefant, Afrikanischer Wildhund, Löwe, Flusspferd, Büffel, Nilkrokodil, Gepard, Gnu, Zebra, Giraffe, Leopard, Elenantilope, Wasserböcke und viele mehr.

  • Lage: Südliches Afrika
  • Länder: Angola, Botswana, Namibia, Sambia, Simbabwe
  • Fläche: 520.000 Quadratkilometer – eine Fläche anderthalb mal so groß wie Deutschland
  • Lebensräume: Savannen, Feuchtgebiete und Wälder bieten 197 Säugetier-, 601 Vogel-, 178 Amphibien- und Reptilienarten einen Lebensraum

Bewässerung im Cluster

Wie funktioniert ein Bewässerungssystem im Cluster-Farming?
Wie funktioniert ein Bewässerungssystem im Cluster-Farming © WWF Sambia

Um die Gemeinden widerstandsfähiger gegenüber solchen Wetterextremen zu machen, hat der WWF gemeinsam mit den Menschen vor Ort Cluster-Bewässerungssysteme entlang der Flüsse Kwando und Sambesi eingerichtet. Diese Systeme helfen den Menschen, ihre Existenzgrundlagen zu sichern.

Cluster-Farming trägt dazu bei, die Gemeinschaften zu stärken, die natürlichen Ressourcen effizienter zu nutzen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren und Konflikten mit Wildtieren nachhaltig zu erhöhen. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Cluster-Farming bezeichnet eine gemeinschaftliche Form der Landwirtschaft, bei der mehrere Haushalte – meist zwischen 20 bis 25 Familien – ihre Anbauflächen zusammenlegen und gemeinsam bewirtschaften. Jede Familie bewirtschaftet ein eigenes Feld innerhalb eines insgesamt etwa zwei Hektar großen Bewässerungshubs.

Die Bewässerung der Felder erfolgt über ein gemeinsames Solarpumpen-System: Eine leistungsstarke Solarpumpe fördert Wasser aus dem nahegelegenen Fluss und speichert es in großen, erhöht stehenden Wassertanks. Von dort gelangt das Wasser durch Schwerkraft in ein Tröpfchenbewässerungssystem, das gezielt und sparsam die Felder bewässert. Diese Methode spart nicht nur Wasser und Energie, sondern macht die Landwirtschaft zudem unabhängiger von unregelmäßigen Regenfällen.

Kosten, Arbeit und Wissen werden geteilt

Im Mai 2024 zeigen Kleinbäuer:innen einer Cluster-Farm in Sambia den „Global Protector” das Bewässerungssystem © Chris Mueller
Im Mai 2024 zeigen Kleinbäuer:innen einer Cluster-Farm in Sambia den „Global Protector” das Bewässerungssystem © Chris Mueller

Ein wesentliches Merkmal des Cluster-Farmings ist die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen. Die beteiligten Landwirt:innen teilen sich Kosten, Arbeit und Wissen, was ihre Produktivität, die Ernährungssicherheit und das Einkommen spürbar verbessert.

Zum Schutz der Felder wird die gesamte Anlage von einem speziellen Zaun umgeben, der beispielsweise Elefanten fernhält und damit durch Wildtiere verursachte Ernteverluste verhindert.

Projektbeginn: Dezember 2023

Ein Mann in Sambia auf dem frisch bewirtschafteten Feld.
Ein Mann in Sambia auf dem frisch bewirtschafteten Feld © WWF Sambia

In den Distrikten Sesheke und Sioma des Silowana-Komplexes wurden bereits mehrere solcher Systeme errichtet und in Betrieb genommen. Vorbild war dabei ein vom WWF Niederlande finanziertes Projekt, welches bereits in den Vorjahren mehrere Cluster-Farmen in Nambia und Sambia in Betrieb nahm.

Im Dorf Nangweshi ist die Installation des Bewässerungssystems inzwischen abgeschlossen. Nangweshi liegt sehr ländlich, etwa 27 Kilometer vom Zentrum des Distrikt‑Hauptortes Sioma entfernt. Die Menschen vor Ort leben überwiegend von Landwirtschaft und Subsistenzwirtschaft. Sie bauen eigenes Gemüse und Getreide an, halten Vieh und versorgen sich und ihre Familien größtenteils selbst.

23 Haushalte profitieren

Das Cluster-Farming hilft den Bewohner:innen vor Ort.
Das Cluster-Farming hilft den Bewohner:innen vor Ort © WWF Sambia

Von dem neuen solarbetriebenen Bewässerungs-Cluster profitieren in Nangweshi insgesamt 23 Haushalte. Durch die ganzjährige Wasserversorgung können diese Kleinbäuer:innen nun kontinuierlich produzieren und sind nicht mehr von den unsicheren Regenzeiten abhängig. Das führt zu stabilen Ernten etwa von Gemüse wie Tomaten, Zwiebeln und Blattgemüse und hat den saisonalen Hunger so deutlich reduziert.

Das Projekt hat auch die wirtschaftliche Lage der Menschen in Nangweshi spürbar verbessert. Untersuchungen zeigen, dass jede Familie alle zwei Wochen im Schnitt rund 95 US-Dollar zusätzlich verdient. Damit können die Bewohner:innen zum Beispiel auch Schulgebühren und kleine Anschaffungen bezahlen. Die Felder werden gemeinsam gepflegt. Alle tragen Verantwortung für den Zaun, die Solaranlage und die Pumpe, auch Frauen, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen werden dabei aktiv eingebunden.

Nachhaltig und nachvollziehbar

Dank Schulungen zu Bewässerung, Solartechnik und nachhaltigem Anbau wissen die Familien, wie sie die neuen Anlagen einsetzen und pflegen. Das macht sie unabhängig und sorgt dafür, dass die Bewässerung langfristig funktioniert. Ein regelmäßiges Monitoring durch den WWF Sambia unterstützt sie dabei zusätzlich.

Jedes Cluster führt ein eigenes Konto und bestimmt eine Person, der die Verwaltung der Buchhaltung obliegt und dokumentiert, was durch den Verkauf von überschüssigen Produkten eingenommen wird. Ein Teil des Gewinns wird für die Wartung und Reparatur des Bewässerungssystems und der Zäune zurückgelegt. So bleibt das Cluster nachhaltig und funktioniert langfristig.

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