Seit 2011 bringt es medizinische Hilfe zu denen, die sie am nötigsten haben, doch jetzt steht es still: Das Ambulanzboot, das im Ngiri-Reservat im Kongobecken, dem zweitgrößten Regenwald der Erde, bereits über 50.000 Mal Menschen in rund 70 abgelegenen Dörfern medizinisch versorgt hat, darf aufgrund strenger Corona-Schutzbestimmungen im Kongo nicht mehr zu seinen Patient:innen fahren.

Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, hat einen Grund: Die Gefahr, dass ein Corona-Erreger sich auf die Einwohner:innen in den Dörfern überträgt, könnte zu einer Katastrophe für die in enger Gemeinschaft lebenden und von Armut betroffenen Menschen werden. Denn jedes Mal, wenn das Ambulanzboot in der von unzähligen Wasseradern durchzogenen Landschaft an den Flüssen Kongo oder Ubangi ein Dorf erreicht, sammeln sich die Bewohner:innen zum Teil zu Hunderten am Boot, um den Ideengeber des Projektes und leitenden Arzt Dr. Yoursen Bosolo zu begrüßen und Hilfe zu bekommen. Trotzdem wollen der erfahrene Arzt und sein Team jetzt unbedingt schnell Hilfe leisten und arbeiten bereits mit Hochdruck an einer Lösung.

Prävention und Aufklärung können das Virus aufhalten

Dr. Bosolo, den der Nobelpreisträger von 2018 Dr. Denis Mukwege auf dem Evangelischen Kirchentag einmal als "meinen besten Schüler" vorstellte, plant schon für Anfang April, erste Hilfsmaßnahmen zu organisieren. Prävention und Aufklärung sind dabei zunächst die wichtigsten Werkzeuge.

Mit einem kleineren Schnellboot wollen sie in den nächsten Tagen bestehende Gesundheitsstationen in den Dörfern mit einer Notfallversorgung ausrüsten und Informationen zu Hygienemaßnahmen verteilen. Rund um die Uhr arbeitet das Team jetzt daran, Notfallmedikamente, Schutzkleidung, Handschuhe und Seife zu beschaffen - auch Mundschutz wird schon gemeinsam genäht.

Erfahrungen aus der Ebola-Krise können jetzt helfen

Das Behandlungszelt der Medizinboot-Crew © Matthias Dehling / WWF
Das Behandlungszelt der Medizinboot-Crew © Matthias Dehling / WWF

Einen traurigen Vorteil hat man in vielen afrikanischen Ländern dabei gegenüber den Europäer:innen: Mit Infektionskrankheiten kennt man sich spätestens seit der Zeit der Ebola-Krise gut aus. Auch Dr. Yoursen Bosolo hat in dieser Zeit vielen Menschen helfen können und weiß daher: Ebenso wichtig wie die medizinische Ausstattung ist jetzt die Sensibilisierung der Bevölkerung und der Schutz des Ärzte-Teams.

Im Norden Kongos schwärmten damals Gesundheitshelfer:innen in Siedlungen und Dörfer aus, um zu demonstrieren, wie man Infektionen vermeidet, aber auch, um Verbündete zu gewinnen. Einflussreiche Menschen, denen die Dorfbewohner:innen vertrauen und auf deren Rat sie hören, können das Verhalten der Menschen oft besser beeinflussen und ihre Worte wirksamer sein als staatlich angeordnete Versammlungsverbote oder Ausgangssperren. Später hat man besonders gefährdete Menschen in eigenen Hütten oder Zelten isoliert - weil ein Versammlungs- oder Kontaktverbot in der Praxis kaum durchsetzbar ist bei Menschen, die auf engstem Raum zusammenleben und sich Wasser- und Toilettenplätze teilen müssen.

Ebola scheint besiegt – jetzt kommt Corona

Bisher sind nur in der Hauptstadt Kinshasa Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet worden (Stand: Ende März 2020). Bittere Ironie des Schicksals: Am selben Tag, als die letzte Ebola-Patientin Kongos aus dem Krankenhaus entlassen wurde, meldeten die Gesundheitsbehörden den ersten Corona-Fall. Ein aus Frankreich kommender Reisender hatte unwissentlich Menschen angesteckt, die eher zur Elite des Landes zu zählen sind. Ein Rechtsanwalt, der Bruder des Wirtschaftsministers - sie sollten keine Probleme mit einer guten medizinischen Versorgung bekommen. Anders sieht es für die verarmten Straßenhändler:innen oder die in einfachsten Verhältnissen lebenden Bevölkerungsgruppen auf dem Land aus. Das Corona-Virus wird besonders diejenigen bedrohen, deren Immunsystem von Armut, Unterernährung und HIV bereits geschwächt ist. 

Das Ambulanzboot hilft, auch wenn es steht

Das Team des Medizinbootes näht Atemschutzmasken © CDCC Bolenge
Das Team des Medizinbootes näht Atemschutzmasken © CDCC Bolenge

Auch wenn das Ambulanzboot die Dörfer nicht selbst anfahren kann, hilft es den Menschen doch. Denn das Boot ist ein schwimmendes Krankenhaus: Ausgestattet mit einer Apotheke mit lebenswichtigen Medikamenten, modernsten EKG- und Ultraschallgeräten sowie zwei aufblasbaren Operationszelten und sogar einem kleinen Labor bietet es wichtige medizinische Infrastruktur. Zum Team des zurückhaltend, aber tatkräftig auftretenden Dr. Yoursen Bosolo gehören insgesamt vier Ärzte, eine Hebamme, zwei Krankenpfleger, zwei Krankenschwestern, ein Laborant, ein technischer Helfer, zwei Expertinnen für Familienplanung und Infektionskrankheiten sowie zwei Bootsführer. Geballte Kompetenz auf einem kleinen Hausboot.

Dringend benötigt werden jetzt Schutzausrüstung, Infobroschüren, Benzin

Gemeinsam mit Dr. Bosolo, dem Evangelischen Kirchenkreis Dortmund und seiner Partnergemeinde Bolenge haben wir 2011 das Ambulanzboot zum ersten Mal zu Wasser gelassen. Gemeinsam wollen wir dem Team jetzt helfen, die Akuthilfe rund um das Ambulanzboot im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus aufzubauen. Mit Ihrer Spende können Kosten für Handschuhe, Schutzanzüge, Medikamente, aber auch Aufklärungsmaterialien wie Poster und Informationsbroschüren sowie Benzin für die Schnellboote finanziert werden. Damit besteht eine reale Chance, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die ärmsten und besonders gefährdeten Dorfbewohner:innen zu schützen. 

So können Sie helfen

  • Ambulanzboot-Einbaum auf dem Fluss © WWF Mit Mundschutz und Megafon gegen Corona

    Mit einem Behelfsboot fährt die Besatzung des Ambulanzbootes um Dr. Bosolo in die umliegenden Dörfer, um über Covid-19 aufzuklärung und Schutzmittel zu verteilen. Weiterlesen ...

  • Westlicher Flachlandgorilla, Jungtier © naturepl.com / Fiona Rogers / WWF Dzanga-Sangha: Corona-Virus bedroht Menschen und Gorillas

    Ein eingeschleppter Virus könnte für die Menschenaffen, deren Gene mit denen des Menschen zu mehr als 98 Prozent übereinstimmen, fatale Folgen haben. Weiterlesen ...