Orang-Utan mit Jungtier © Rob Webster/WWF

Orang-Utans: Waldschutz am Fluss Bloh

Regenwald schützen. Zukunft sichern.
Stand: 17.09.2026

Tief im Regenwald am Fluss Bloh im malaysischen Bundesstaat Sarawak auf Borneo sind Orang-Utans zu Hause. Doch die Zerstörung und Fragmentierung ihrer Lebensräume sowie eine veränderte Flächennutzung bedrohen die Tiere. Mit dem Projekt BLOH (Biodiversity Landscape, Orang-Utan and Habitat) setzt sich der WWF gemeinsam mit Partnern nun dafür ein, dass ein 2.800 Hektar großes Waldgebiet dauerhaft geschützt wird.

Orang-Utans: Rückzugsräume in Sarawak

Borneo-Orang-Utan © Jimmy Syahirsyah/WWF-Indonesien
Borneo-Orang-Utan © Jimmy Syahirsyah/WWF-Indonesien

Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt. Hier liegen die letzten großen Regenwälder Südostasiens. Sie bieten Heimat für die vom Aussterben bedrohten Borneo-Orang-Utans. Im malaysischen Bundesstaat Sarawak leben aktuell noch etwa 2.000 dieser einst weit verbreiteten Menschenaffen.

Der WWF arbeitet bereits seit 2017 im Schutzgebiet Ulu Sungai Menyang, das sich südwestlich des Batang-Ai-Nationalparks und des Lanjak-Entimau-Wildtierreservats befindet. In dieser Landschaft, einschließlich der Schutzgebiete und umliegenden Wälder, haben etwa 95 Prozent der noch frei lebenden Orang-Utans in Sarawak ihre Heimat.

BLOH – Wald mit besonderem Schutzwert

Unberührtes Wasser flussaufwärts des Bloh River.
Unberührtes Wasser am Fluss Bloh © Badrul Amin/WWF-Malaysia

Seit Anfang 2026 ist der WWF in der Pasin Forest Management Unit aktiv, die im Nordosten an das Lanjak-Entimau-Wildtierreservat grenzt. Eine Forest Management Unit (FMU) ist ein lizensiertes Waldgebiet, das auf Grundlage eines Managementplans bewirtschaftet wird. Die Pasin-FMU wird von Pasin Sdn. Bhd. betrieben, eine Tochtergesellschaft von Ta Ann und liegt am Fluss Bloh, der in den Katibas Fluss mündet. Dieser wiederum mündet in den Rajang, den längsten Fluss Malaysias. Mit einer Fläche von 126.313 Hektar ist das Gebiet etwa halb so groß wie das Saarland.

„Unser Projekt BLOH wird auf einer 2.800 Hektar großen Fläche innerhalb der Pasin-FMU umgesetzt, die sich über eine Länge von 28 Kilometern entlang des Flusses Bloh erstreckt“, sagt Victoria Müller, Asien-Referentin beim WWF Deutschland. „Eine Analyse unserer Kolleg:innen des WWF Malaysia ergab, dass der Uferstreifen noch zu etwa 97 Prozent mit Wald bedeckt ist – das ist ein sehr guter Zustand.“

Der Wald innerhalb dieses Uferstreifens wurde außerdem als Wald mit besonderem Schutzwert (High Conservation Value, HCV) identifiziert. „Eine Fläche ist dann besonders schützenswert, wenn dort beispielsweise seltene oder endemische Arten leben, wenn Ökosystemleistungen bereitgestellt werden oder die Bewohner:innen den Wald nutzen“, erklärt Victoria Müller.

Orang-Utan-Nester geben Anlass zur Hoffnung

Altes, braunes, zerfallendes Orang-Utan-Nest hoch oben in einer grünen Baumkrone
Das Nest eines Orang-Utans zeigt Zerfallserscheinungen © Donny Janis/WWF Malaysia

Wie wichtig der Wald als Lebensraum ist, zeigt eine Erhebung des WWF Malaysia aus den Jahren 2018 und 2019: basierend auf den gezählten Orang-Utan-Nestern (Marked Nest Count, MNC) geht man von etwa 20 Individuen aus – ein wichtiger Hinweis darauf, wie wichtig dieses Gebiet als Lebensraum für Orang-Utans ist und dass die Tiere den Wald aktiv nutzen. „Möglicherweise kehren die Orang-Utans aus dem nahegelegenen Schutzgebiet wieder in den Wald am Fluss zurück“, so Victoria Müller.

Die Zerstörung und Fragmentierung ihrer Lebensräume durch starke Entwaldung in der Vergangenheit sowie der zunehmende Druck durch veränderte Flächennutzung bedrohen die Orang-Utans erheblich. Das nahegelegene Lanjak-Entimau-Wildtierreservat ist daher ein wichtiger Rückzugsraum für die Tiere.

„Das BLOH-Projektgebiet grenzt direkt an das Reservat an. Damit ist es eine wichtige Pufferzone und zugleich ein potenzieller Wildtierkorridor, der das Gebiet mit dem Kerngebiet für Orang-Utans in Sarawak verbindet. Der Erhalt dieses Gebiets trägt maßgeblich zum Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums bei.“

Victoria Müller, Asien-Referentin beim WWF Deutschland

Ein Korridor im Herzen Borneos

Nebelparder
Nebelparder © Bruce W. Bunting/WWF-US

BLOH ist als wichtiger Wildtierkorridor auch Teil der neuen WWF-Initiative „Reconnect Borneo“. Im Rahmen dieses Projekts sollen die isolierten Lebensräume der Orang-Utans auf der gesamten Insel mithilfe von ökologischen Korridoren wieder miteinander verbunden werden. Darüber hinaus liegt die Hälfte der Pasin-FMU innerhalb des weltweit bedeutenden „Heart of Borneo“, einem Gebiet, das aufgrund seiner ausgedehnten, intakten Waldökosysteme und seiner reichen Artenvielfalt von hohem Naturschutzwert ist.

Denn neben den gefährdeten Primaten leben in der FMU unter anderem das vom Aussterben bedrohte Malaiische Schuppentier, die gefährdete Borneo-Goldkatze und der Borneo-Nebelparder. Hinzu kommt eine Vielzahl weiterer Arten, die als „gefährdet“ oder „vom Aussterben bedroht“ eingestuft sind. Aus diesem Grund sind die Schutz- und Überwachungsmaßnahmen innerhalb der FMU besonders wichtig.

Daten für die Naturschutzplanung

Das Erfassungsteam von Ta Ann übt während der Schulung die fachgerechte Installation von Kamerafallen.
Das Erfassungsteam von Ta Ann übt während der Schulung die fachgerechte Installation von Kamerafallen © Michael Muling/WWF-Malaysia

Bislang fehlt es jedoch an technischen Kapazitäten ebenso wie an einer systematischen und langfristigen Überwachung von Wildtieren und Wildtierpopulationen. Doch diese Daten sind dringend notwendig, um fundierte Entscheidungen für das Management der FMU und die Naturschutzarbeit treffen zu können.

Im Rahmen des BLOH-Projekts unterstützt der WWF den Aufbau von Kapazitäten im Bereich der Wildtierbeobachtung, einschließlich des Einsatzes von Kamerafallen und der Auswertung von Wildtierdaten. Gleichzeitig untersucht der WWF, wie der Einsatz von Drohnentechnologie die Wildtier- und Lebensraumbewertungen ergänzen kann. So können fundierte Entscheidungen zum Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums getroffen werden. Gleichzeitig bindet der WWF die in der FMU lebenden, lokalen indigenen Iban-Gemeinden in die Überwachung des Gebiets ein. Ihr Wissen über den Wald und seine Bewohner ist für die Arbeit vor Ort von unschätzbarem Wert.

Das hat der WWF bisher auf für die Orang-Utans gemacht

Erkundungstour auf dem Fluss Bloh.
Erkundungstour auf dem Fluss Bloh © Hisyam Nasir/WWF-Malaysia

Im Rahmen eines ersten Feldbesuchs hat ein Team des WWF Malaysia seine Arbeit vorgestellt, erste Kontakte zu den indigenen Iban-Gemeinschaften geknüpft und sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht.

An der Reise nahmen neben Vertreter:innen von Ta Ann auch Vertreter:innen verschiedener Behörden sowie ein Experte der Biodiversity Conservation Society Sarawak (BCSS) teil. In einer ersten Gesprächsrunde wurde ein FPIC-Prozess eingeleitet. FPIC steht für „Free, Prior and Informed Consent“ und bedeutet „freie, vorherige und informierte Zustimmung“. FPIC ist ein fortlaufender Prozess, der sich über die gesamte Dauer eines Projekts erstreckt, in dem indigene Völker und lokale Gemeinschaften beteiligt sind. Dieser Prozess soll sicherstellen, dass ihre Rechte respektiert, ihre Stimmen gehört und ihre Bedenken während des gesamten Projekts berücksichtigt werden.

Zudem fand gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung eine Erkundungsbegehung entlang des Bloh-Flusses statt, um geeignete Standorte für Wildtiererhebungen, insbesondere für Kamerafallen und weitere Überwachungsmaßnahmen, zu ermitteln. Für das Projekt wurde auch eine mit Wärmebildtechnik ausgestattete Drohne beschafft. Diese Technologie ist besonders bei Wildtiererhebungen in unwegsamem und dicht bewaldetem Gelände hilfreich.

Im Juni 2026 fand ein zweiter Feldbesuch mit den Partner:innen und Gemeinden statt, um die Projektziele zu bekräftigen, den FPIC-Prozess fortzusetzen und die geplanten Aktivitäten weiter umzusetzen.

Es gibt noch viel zu tun

In den kommenden Monaten wird das WWF-Malaysia Team gemeinsam mit dem Experte von BCSS Schulungen für die Mitarbeiter:innen von Pasin Sdn. Bhd. durchführen. Dabei lernen sie unter anderem, Wildtierdaten mithilfe spezieller Software auszuwerten. So werden langfristig technische Kapazitäten aufgebaut, um die Wildtierpopulationen in der FMU zu überwachen und ein evidenzbasiertes Naturschutzmanagement zu ermöglichen. Darüber hinaus werden Kamerafallen aufgestellt, um Basisdaten über das Vorkommen und die Verbreitung von Wildtieren zu erheben.

Mit dem BLOH-Projekt setzen sich der WWF und seine Partner:innen für den langfristigen Schutz der wertvollen Wälder entlang des Flusses Bloh ein. Bessere Daten, geschulte lokale Partner:innen und die Einbindung der indigenen Iban-Gemeinden helfen dabei, den Lebensraum von Orang-Utans und vielen weiteren bedrohten Arten zu bewahren. So kann BLOH zu einem wichtigen Baustein für den Waldschutz und die Vernetzung der Regenwälder auf Borneo werden.

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