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Stand: 15.05.2019

Interview: Lernen von den Besten!

Dr. Bosolo beim Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege.

Sie teilen ein grausames Schicksal. Und waren damit bisher weitgehend allein gelassen. Hunderttausende Mädchen und Frauen mit schwersten Genitalverletzungen, die nach brutalen Vergewaltigungen durch Milizen oder nach komplizierten Geburten entsetzlich leiden. Die meisten werden trotz – oder gerade wegen ihrer Verletzungen aus ihren Familien und Dörfern verstoßen. Unser Arzt auf dem Ambulanzboot, Dr. Yoursen Bosolo, kann diesen zutiefst traumatisierten Frauen nun endlich besser helfen. Dank einer Fortbildung bei einem der renommiertesten Gynäkologen der Welt: Dem Menschenrechtsaktivisten und Friedensnobelpreisträger 2018, Dr. Denis Mukwege. Lesen Sie ein Interview mit dem Arzt zur nun abgeschlossenen Fortbildung:

Welche medizinischen Probleme sind die drängendsten?

Da ist zunächst einmal die hohe Sterblichkeit in Folge bestimmter Krankheiten wie zum Beispiel Malaria: Am Fluss gibt es sehr viele Moskitos, sie stechen die Fischer, auch wenn diese zum Schlafen Moskitonetze verwenden. Die Menschen sind arm und hätten ohne das Ambulanzboot keinen einfachen Zugang zur Gesundheitsversorgung.


Dann sind da Urogenitalinfektionen durch ungeschützten Verkehr. Dazu kommen Durchfallerkrankungen, weil die Menschen unbehandeltes Flusswasser trinken. Daher ist es notwendig, die Menschen aufzuklären. Außerdem müssen wir das Screening auf HIV und sexuell übertragbare Krankheiten fortsetzen.


Ein großes Problem sind akute Notfälle: Schon aufgrund der weiten Entfernungen haben die Menschen Schwierigkeiten, rechtzeitig ärztlichen Beistand zu bekommen. Aber auch, weil das Geld dazu fehlt. Weitere Probleme sind fehlende sanitäre Einrichtungen und die aufgrund fehlender Familienplanung große Anzahl von Kindern pro Haushalt.

Das Ambulanzboot im Kongo-Becken

In einem gemeinsamen Projekt zwischen WWF, dem Kirchenkreis Dortmund und weiteren Partnern versorgt das Ambulanzboot abgelegene Regionen im Kongo-Becken. Lesen Sie hier mehr über das Projekt >>

Von Haut-Transplantationen bis zu Tumoren - Sie behandeln weitgehend auf sich allein gestellt teilweise schwerste Fälle aus allen medizinischen Bereichen – woher nehmen Sie Ihr Wissen?

Bei Tumoren, die wir behandeln, unterscheiden wir zwischen den gutartigen, die wir vor Ort operieren, und bösartigen. Patientinnen mit bösartigen Tumoren wie Gebärmutterhals- oder Brustkrebs müssen wir für die weitere Behandlung an Krankenhäuser überweisen. Leider treten die meisten Frauen die Fahrt dorthin nicht an, weil sie es sich nicht leisten können. Deshalb bringen wir Patienten mit Krebserkrankungen im Frühstadium oder für Hauttransplantationen zur Operation nach Mbandaka. Mein Wissen habe ich im Kimpese Krankenhaus erworben, bei Ärzten der belgischen Organisation „Médicines Sans Vacances“. Finanziert wurde diese Ausbildung 2013 vom Dortmunder Kirchenkreis.

Dr. Bosolo und Dr. Mukwege © WWF
Dr. Bosolo und Dr. Mukwege

Wie hilft Ihnen das, was Sie bei Dr. Mukwege gelernt haben, zukünftig bei Ihrer Arbeit auf dem Ambulanzboot?

Was ich bei Dr. Mukwege lerne, ermöglicht es mir, gynäkologische Befunde wie Urogenital-, Rektovaginalfisteln, oder Genitalprolaps zu operieren. Neue Techniken helfen mir aber auch zum Beispiel bei der Durchführung von Kaiserschnitten.

 

Wie wichtig ist die Unterstützung des WWF und der anderen Organisationen in der Region?

Die Unterstützung des WWF und anderer Organisationen ist sehr wichtig angesichts der Kosten für die Fahrten des Schiffes, für den Kauf von Medikamenten und die Bezahlung des Ambulanzboot-Teams. Wir können das derzeit nicht selbst finanzieren. Um die Arbeit aufrecht erhalten zu können, brauchen wir weiterhin die Unterstützung des WWF und anderer Organisationen.

 

Was hilft Ihnen persönlich, die Belastungen dieser Arbeit durchzustehen?

Was mir persönlich dabei hilft, den Stress dieser Arbeit zu überwinden, ist das Engagement und die Entschlossenheit, die wir gemeinsam zeigen, und dass wir mit diesem Einsatz den vielen notleidenden Menschen Hilfe bringen.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Ambulanzbootes?

Für die Zukunft wünsche ich mir die Verstärkung unseres Ambulanzboot-Teams durch einen qualifizierten Laboranten, damit dringend notwendige Tests durchgeführt werden können. Gut wären stationäre Außenstellen in einigen Dörfern, die zumindest in der Zeit, in der das Ambulanzboot nicht vor Ort ist, die wichtigsten medizinischen Versorgungen bereitstellen. Und ich wünsche mir, dass die Menschen hier mehr Wissen haben: über sauberes Wasser, über Hygiene, über den Schutz der Umwelt, und wie sie sich besser vor Ebola schützen können.

   
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