Weltweit gibt es nur noch sechs Arten von Flussdelfinen – sie alle sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Eine Art ist bereits ausgestorben. Der Rückgang der Bestände ist zum großen Teil auf dieselbe Umweltzerstörung zurückzuführen, die auch zur Entstehung zoonotischer Krankheiten wie Covid-19 führt: Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimakrise. Die „River Dolphin Rivers Initiative“ des WWF hat sich zum Ziel gesetzt, den Rückgang der Flussdelfinbestände in Asien und Südamerika zu stoppen.

Am 24. Oktober ist Welt-Flussdelfin-Tag. Ein Tag, der die Flussdelfine in den Mittelpunkt stellt. Der daran erinnern soll, dass die Bestände der sechs auf unserem Planeten verbliebenen Arten allesamt gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Ein Tag, der aber auch zeigen soll, wie es gelingen kann, diese wunderbaren Tierarten zu retten. 

Gesunde Delfine. Gesunder Fluss. Gesunde Menschen.

Der Jangtse-Flussdelfin ist bereits ausgestorben © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF
Der Jangtse-Flussdelfin ist bereits ausgestorben © naturepl.com / Mark Carwardine / WWF

Flussdelfine sind ein Indikator für den Zustand der Flüsse, in denen sie leben. Sie zeigen an, ob das Ökosystem intakt ist, ob das Wasser sauber ist, ob Beutetiere reichlich vorhanden sind. Von den mächtigen Flüssen Ganges, Indus, Mekong, Jangtse, Irrawaddy, Mahakam, Orinoco und Amazonas hängen nicht nur die Delfine ab – auch Hunderte Millionen Menschen leben von ihnen.

Wo Flussdelfine gedeihen, ist der Fluss gesund. Sind jedoch nicht viele Delfine vorhanden, gilt Alarmstufe Rot für die Gesundheit der gesamten umliegenden Umwelt. Delfine sind gute Räuber und spielen eine wichtige Rolle dabei, das Gleichgewicht des Flussökosystems zu erhalten.

Ihre Jagd auf Beutefische trägt dazu bei, dass die Bestände anderer Arten stabil und trägt so zum natürlichen Gleichgewicht bei. Übrigens zeigen Studien, dass die Nahrungsfische der Menschen oft nicht zum Beutespektrum der Delfine gehören, sie sind also keine Konkurrenten. Lebenswichtige Faktoren für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen, sowie der Vielzahl an Arten, die in und von den Flussgebieten leben.

Die Flussdelfin-Arten

Weltweit gibt es nur noch sechs Flussdelfin-Arten: der Östliche Glattschweinswal, der Amazonas-Flussdelphin, der Tucuxi-Flussdelfin, der Ganges-Flussdelfin, der Indus-Flussdelfin und der Irrawaddy-Flussdelfin. Sie alle sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Was die Flussdelfine bedroht

Flussdelfine benötigen komplexe und große Lebensräume, sie vermehren sich in einem relativ späten Stadium ihres Lebens und haben weniger Nachwuchs als andere Arten. Umso stärker reagieren sie auf Umwelteinflüsse. Veränderungen der Wasserwege – zum Beispiel durch Staudämme – und die damit einhergehende Fragmentierung ihres Lebensraumes haben erhebliche Auswirkungen auf die Flussdelfin-Bestände: Die Fischbestände, die ihnen als Nahrung dienen, nehmen ab, und der Genaustausch innerhalb der Flussdelfin-Bestände wird unterbrochen.

Eine große Zahl an Flussdelfinen landet als Beifang in Fischernetzen wo sie sich verfangen und meist qualvoll ertrinken, andere werden bei illegalen Fischereiaktivitäten, wie dem Elektrofischen oder Dynamitfischen, getötet. Wieder andere werden gefangen und als Fischköder genutzt. Flussdelfine leiden auch unter Schadstoffeintrag in die Gewässer, zum Beispiel Pestizide aus der Landwirtschaft oder Quecksilber aus dem Goldabbau.

Delfine sind in der Regel weniger widerstandsfähig gegenüber Umweltveränderungen, da sie zu den wichtigsten Räubern des Flusssystems gehören; sie stehen am Ende der Nahrungskette – Vergiftungen und Schadstoffe akkumulieren sich in ihrem Körper. Die Auswirkungen der Klimakrise, insbesondere Dürren und Überschwemmungen, verschlimmern die Situation der Flussdelfine zusätzlich.

Die Flussdelfin-Flüsse-Initiative des WWF

Flussdelfin © Adriano Gambarini / WWF-Brazil
Flussdelfin © Adriano Gambarini / WWF-Brazil

Die „River Dolphin Rivers“-Initiative (RDRI) des WWF will diesen Trend umkehren. Sie zielt darauf ab, langfristig die Zukunft der Flussdelfine und ihrer Flüsse zu sichern und damit die Zukunft der Gemeinschaften, die von ihnen abhängen. Die Vision der Initiative ist, bis 2030 den Rückgang der Flussdelfin-Bestände in Asien und Südamerika zu stoppen und die am stärksten betroffenen Bestände wiederherzustellen.

Um dieses Ziel zu erreichen, geht die WWF River Dolphin Rivers Initiative gegen die drei größten Bedrohungen für Flussdelfine vor: nicht nachhaltige Fischerei, Wasserkraft und Infrastruktur sowie Umweltverschmutzung.

„Der WWF hat langjährige Erfahrung mit dem Schutz von Flussdelfinen, aber wir wissen, dass wir die Kurve nicht alleine kriegen können. Wir wollen eine starke globale Gemeinschaft von Partnern mobilisieren, um die Zukunft der Flussdelfine und der Gemeinschaften zu sichern, die von gesunden und produktiven Süßwasser-Ökosystemen abhängig sind“, so Daphne Willems.

Kreative Lösungen zum Schutz der Flussdelfine

Die Faktoren, die zum Rückgang der Flussdelfin-Bestände führen, sind vielfältig und komplex. Im Fluss Mahakam in Indonesien war versehentlicher Beifang einer der Hauptgründe für den dramatischen Schwund der Bestände: Etwa zwei Drittel der Verluste waren darauf zurückzuführen, dass sich die Tiere den Netzen der Fischer näherten und sich darin verfingen. Inzwischen leben nur noch schätzungsweise 80 Irrawaddy-Flussdelfine in diesem Fluss.

Ein innovatives Pilotprojekt des WWF und Yayasan Konservasi RASI, einer Organisation zum Schutz der Flussdelfine, am Mahakam in Indonesien zeigt, dass es ganz einfach sein kann, die Flussdelfine zu schützen: Die Fischer brachten elektronische Sender an ihren Netzen an. Diese senden akustische Signale aus, um die Delfine zu warnen. Der Erfolg des Projekts übertraf die Erwartungen aller Beteiligten. Die Delfine mieden die Netze und versuchten auch nicht mehr, die in den Netzen gefangenen Fische zu jagen.

„Die Sender vertreiben die Flussdelfine eindeutig aus diesen gefährlichen Netzen“, berichtet Danielle Kreb, die wissenschaftliche Programmleiterin des Projekts bei Yayasan Konservasi RASI. „Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Rettung der winzigen Bestände im Mahakam, aber auch anderer Bestände in Asien und Südamerika, denn das Verfangen in Netzen ist eine der Hauptursachen für den Tod von Flussdelfinen in der ganzen Welt."

  • Pilotwale © Teo Lucas / Gigante Azul / WWF Wale und Delfine

    Stark und sanft sollen sie sein, mitfühlend und sozial, weise und rätselhaft: Früher als Bestien gejagt, sieht heute so mancher in ihnen die „besseren Menschen“. Weiterlesen ...