Nirgendwo auf der Welt leben mehr Tiger als hier: Zwischen Indien und Nepal erstreckt sich die Terai-Arc-Landschaft. Am Fuße des Himalaja gelegen ist sie eines der bedeutendsten grenzüberschreitenden Schutzgebietsnetzwerke der Welt. Doch Tiger kennen keine Schutzgebietsgrenzen und ihre wachsende Zahl stellt die Menschen vor Ort vor große Herausforderungen. Ein erfolgreich abgeschlossenes WWF-Projekt legt den Grundstein für langfristig wirksamen Tigerschutz.

Mehr Tiger, weniger Konflikte

Tiger überquert eine Straße im Tadoba Tiger Reserve, Indien © ePhotocorp / iStock / WWF-Australia
Tiger überquert eine Straße im Tadoba Tiger Reserve, Indien © ePhotocorp / iStock / WWF-Australia

Der größte Erfolg des Projekts ist der deutliche Anstieg der Tigerpopulation: Innerhalb von zehn Jahren wuchs sie im Projektgebiet des Chitwan-Parsa-Valmiki-Schutzgebietskomplexes von 127 auf 217 Tiere – bei gleichzeitig deutlich weniger Zwischenfällen mit Menschen.

Möglich wurde das durch wirksame Schutzmaßnahmen, die Wiederherstellung wilder Landschaften, den Schutz von Wanderkorridoren und vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Denn der Schutz der Tiger und vieler weiterer Wildtiere in dieser ökologisch wertvollen Region entscheidet sich nicht allein im Wald, sondern vielmehr dort, wo die Menschen lernen, mit den Tieren zu leben.

Weniger Gefahr für Tiger und Menschen

Aufnahmen aus Kamerafallen belegen, dass sich die Tiger ausbreiten – auch über die Wälder der Schutzgebiete hinaus. Was ein Fortschritt für den Artenschutz ist, bedeutet jedoch auch eine zusätzliche Gefahr für die Menschen vor Ort.

Dass es trotz steigender Tigerzahlen zu deutlich weniger gefährlichen Begegnungen und weniger Nutztierrissen in den betroffenen Gemeinden kam, ist ein weiterer bedeutender Erfolg des Projekts. Während des gesamten Projektzeitraums wurden zudem keine Tiger mehr aus Vergeltung getötet.

„Das Leben am Rande der Schutzgebiete ist oft geprägt von Furcht um das eigene Leben und die Existenzgrundlagen der ganzen Familie. Eskalieren diese Konflikte, wächst auch die Bedrohung für die Tiger.“

Katjuscha Dörfel, Asien-Referentin beim WWF Deutschland

Langfristiger Schutz, nachhaltige Wirkung

Der WWF Deutschland unterstützt die Region Chitwan-Parsa-Valmiki im Rahmen eines Drittmittelprojekts bereits seit 2015. Ende September 2025 endete nach zehn Jahren die zweite und letzte Phase des Projektes, das noch weit darüber hinaus wirken und Natur und Tiger auch in Zukunft schützen soll. Der Fokus lag deshalb auf dem Aufbau belastbarer, sich selbst tragender Strukturen.

Tausende Menschen wurden erreicht und die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Behörden gestärkt, damit der Naturschutz lokal getragen werden kann und die Gemeinden besser informiert und eingebunden sind. Zudem wurden Lebensräume und Wanderkorridore von Tigern und anderen Wildtieren gesichert sowie Maßnahmen gegen Wilderei und zur Vermeidung von Konflikten in den Gemeinden verankert.

Unsere Erfolge

Zukunft für Tiger und Menschen

Das WWF-Projekt im Chitwan-Parsa-Valmiki-Komplex wurde durch das „Integrated Tiger Habitat Conservation Programme“ (ITHCP) unterstützt und wurde gemeinsam mit Partnern umgesetzt. ITHCP ist eine Initiative der International Union for Conservation of Nature (IUCN), die von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit über die KfW Entwicklungsbank finanziert wird. Das Programm trägt zum Global Tiger Recovery Programme (GTRP) bei, indem es Naturschutzmaßnahmen auf Landschaftsebene unterstützt, die sowohl Arten und Lebensräume als auch den Menschen zugutekommen.

Koordinierte Maßnahmen zur Stärkung von Naturschutzkompetenzen, zur Entwicklung neuer Einkommensmöglichkeiten sowie zur Verbesserung von Governance und Infrastruktur zeigen Wirkung: In diesen Landschaften – so wie dem Chitwan-Parsa-Valmiki-Komplex – werden Tiger heute langfristig besser geschützt.

Der Inhalt dieses Artikels liegt in der alleinigen Verantwortung des WWF und spiegelt nicht notwendigerweise die Ansichten der IUCN, der deutschen Entwicklungszusammenarbeit oder der KfW wider.

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