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Stand: 14.06.2018

Eisbären: Die Lebensgrundlage schmilzt

Die Eisbären werden immer weniger – und das sehr viel schneller als befürchtet.

Die Eisbären sind bedroht © naturepl.com / Steven Kazlowski / WWF
Die Eisbären sind bedroht © naturepl.com / Steven Kazlowski / WWF

Es sind dramatische Zahlen: In der Beauford See in Alaska und im Nordwesten Kanadas sind die Eisbären seit Beginn des Jahrhunderts um rund 40 Prozent zurückgegangen. 2004 wurden noch 1500 Eisbären gezählt. Zuletzt waren es nur noch 900, wie die Fachzeitschrift Ecological Applications berichtet.

Verbreitungskarte der Eisbären - Stand Januar 2017 © WWF
Verbreitungskarte der Eisbären - Stand Januar 2017 © WWFLupe

Weltweit gibt es noch etwa 22.000 bis 31.000 Eisbären. Sie verteilen sich auf 19 voneinander getrennte Populationen. Der menschenverursachte Klimawandel macht ihnen aber schwer zu schaffen. Das Ökosystem der Eisbären verändert sich derart schnell, dass den Tieren kaum Zeit bleibt, sich anzupassen. Eisbären verbringen die langen Winter und das Frühjahr auf dem Packeis. In dieser Zeit jagen sie Robben und fressen sich große Fettreserven an. Das Eis geht aber seit Jahren immer schneller, immer weiter zurück. Den Bären fehlt damit die Plattform zum Robbenjagen. Das macht das Überleben, insbesondere für Jungtiere, immer schwieriger. Vor allem Eisbären der südlicheren Populationen können dem raschen Rückzug des Eises oft nicht folgen und „stranden“ schließlich auf dem Festland. Dort finden sie deutlich weniger Beute - die Eisbären fasten und zehren von ihren Fettreserven.

Besorgniserregende Situation in der Hudson Bay

Ähnlich dramatisch ist die Situation in der südlichen Hudson Bay in Kanada. Innerhalb von nur fünf Jahren haben sich dort die Eisbärenbestände um 17 Prozent verringert. Mit der Unterstützung des WWF Deutschlands erhoben Wissenschaftler neue Bestandszahlen in der nordatlantischen Meeresbucht, indem sie Luftaufnahmen anfertigten und auswerteten. Die im „Arctic Journal“ veröffentlichten Zahlen sind demnach im Vergleich zum Jahr 2014 von 943 auf 780 Individuen gesunken.

 

Dr. Sybille Klenzendorf, Arktisexpertin beim WWF Deutschland sieht mit diesen Zahlen bestätigt, was sich in den letzten Jahren bereits abzeichnete: „Jetzt geht es den Eisbären an der südlichen Hudson Bay auch zahlenmäßig an den Kragen, da die älteren Tiere sterben und weniger Junge nachkommen.“

Dramatischer Klimawandel

„Die aktuellen Ergebnisse verdeutlichen einmal mehr, dass wir das Tempo beim Klimaschutz drastisch erhöhen müssen. Nur dann haben die Arktis und die Eisbären eine Überlebenschance“, sagt Sybille Klenzendorf vom WWF Arktis-Programm. Der bedrohliche Abwärts-Trend der Eisbärpopulation droht sich fortzusetzen, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird. Dieser hat in der Arktis besonders dramatische Auswirkungen: Die durchschnittliche Lufttemperatur in der Arktis ist in den vergangenen 100 Jahren um fünf Grad Celsius gestiegen. Die Ausdehnung des Packeises ging zuletzt pro Jahrzehnt zehn Prozent zurück. Damit schmilzt auch der Lebensraum des Eisbären immer weiter zusammen.

Doch damit nicht genug: Auch Meeresverschmutzung, die zunehmende Schifffahrt, mehr Touristen sowie Öl- und Gasförderung in der Arktis bedrohen den Eisbär zusätzlich. Seit dem Jahr 2006 wird der Eisbär in der Kategorie „gefährdet“ auf der Roten Liste der IUCN geführt.

Was wir tun

Das Artkis-Programm des WWF arbeitet mit Polarbiologen, die mit Hi-Tech-Forschung wie DNA-Analysen und Satelliten-Halsbändern Daten sammeln, die für das Überleben der Bären essentiell sein können. Wir versuchen, die Folgen des wachsenden Arktistourismus zu dämpfen und kämpfen an allen Fronten gegen den Klimawandel – auch um den Eisbären und seinen Lebensraum zu schützen.

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