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Stand: 15.11.2018

Afrikanische Schweinepest gefährdet Tiger

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in China aus. Inzwischen bedroht die Seuche auch die Wildschweinpopulation in der Amur-Region – und damit die Bestände der letzten Amur-Tiger.

Amur-Tiger © naturepl.com / Vladimir Medvedev / WWF
Amur-Tiger © naturepl.com / Vladimir Medvedev / WWF

Die Infektion wird durch ein Virus übertragen, das sich rasend schnell über große Entfernungen selbst in entlegene Gebiete ausbreitet. Bis Ende Oktober 2018 gab es bereits 53 dokumentierte Fälle von Afrikanischer Schweinepest in 13 chinesischen Provinzen darunter ein Fall in der Provinz Heilongjiang, die direkt an die russische Provinz Primorje angrenzt.

Schuld ist der unkontrollierte Transport von Futtermitteln, Lebensmitteln wie Fleisch- und Wurstwaren sowie Schlacht- und Speiseabfällen, denen das Virus anhaftet. Es ist extrem widerstandsfähig und kann selbst durch Kleidung und Fahrzeuge aus infizierten Ställen weiterverbreitet werden. Eine Impfung gegen die Afrikanische Schweinepest gibt es nicht.

Wildschwein © Fred F. Hazelhoff / WWF
Wildschwein © Fred F. Hazelhoff / WWF

Tigerbeute in Gefahr

Damit steigt auch die Gefahr, dass die Seuche auf die Wildschweine der Region überspringt. Eine Infektion führt in den meisten Fällen zum raschen Tod der Tiere.

Würden Wildschweine in großer Zahl sterben, hätte das für die letzten rund 550 Amur-Tiger fatale Folgen. „Dann droht deren kleiner Bestand zurückzugehen, weil die Großkatzen nicht mehr ausreichend Nahrung finden", erklärt Markus Radday, der für den WWF Deutschland Tigerprojekte in Russland und China betreut. „Denn Wildschweine machen gut die Hälfte der Beute des Amur-Tigers aus.“ Sich selbst können Tiger durch den Verzehr verseuchter Wildschweine nicht infizieren.

Fehlen Wildschweine als Beute, könnten hungerleidende Tiger auf der Suche nach Nahrung auch in Dörfer vordringen und dort Haustiere und Vieh reißen. Solche Konflikte mit Menschen können für den Tiger tödlich enden.

Virus-Ausbreitung verhindern

Daher haben die zuständigen Behörden in der russischen Provinz Primorje, wo es noch besonders viele Amur-Tiger gibt, entsprechende Vorsorgemaßnahmen eingeleitet. Neben Dörfern haben sie auch alle Jäger und Förster in der betroffenen Grenzregion informiert und ihnen auferlegt, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie ein totes Wildschwein finden. Unter anderem müssen sie eine Probe entnehmen und von einem Veterinärlabor untersuchen lassen. Kann der Kadaver nicht fachgerecht entsorgt werden, sollte er für Aasfresser wie Bären oder Krähen liegen bleiben. Auch diese Tiere tragen nach bisherigem Kenntnisstand das Virus nicht weiter.

„Kurzfristig muss es das Ziel sein, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Deshalb dürfen die Wildschweinjagd und der Import von Schweinefleisch aus China ab sofort nur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden“, sagt Radday.

Beuteangebot erweitern

Langfristig müssen wir dafür sorgen, dass der Tiger weniger abhängig von Wildschweinen ist und sein Beutespektrum wieder vielfältiger wird, betont Radday. Seit 15 Jahren arbeitet der WWF daher mit Jagdverbänden und den staatlichen Forstverwaltungen daran, die Zahl der Paarhufer in der Region, insbesondere der Hirsche, zu erhöhen. In Russland werden dafür Winter-Fütterungsplätze eingerichtet und in China Hirsche in Gehegen gezüchtet, um sie anschließend in die Wildnis freizulassen.

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