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Stand: 26.07.2018

WWF-Artenlexikon

Schimpanse (Pan troglodytes)

Lebensraum dichte Flachlandregenwälder, Bergwälder, Sumpfwälder, Sekundärwälder, Galeriewälder und Trockenwälder in Höhenlagen von bis zu knapp 3.000 Metern
Geografische Verbreitung von Senegal bis nach Tansania und Uganda über insgesamt 21 west-, zentral- und ostafrikanische Länder
Gefährdungsstatus Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Schimpansen insgesamt als „stark gefährdet“ und die Westafrikanische Unterart sogar als „vom Aussterben bedroht“
Bestandsgröße • 181.000 bis 256.000 Ostafrikanische Schimpansen (2010, 2014)
• etwa 128.700 Zentralafrikanische Schimpansen (2018)
• 15.000 bis 65.000 Westafrikanische Schimpansen (2017)
• maximal 6.000 bis 9.000 Nigeria-Schimpansen (2011, 2015)

Unsere nächsten Verwandten

Schimpansen stellen neben den Bonobos unsere nächsten Verwandten dar. Sie sind sogar näher mit uns verwandt als mit Gorillas und Orang-Utans. Unter den Menschenaffen gehören sie zu den kleineren Arten. Die Männchen sind etwas größer und deutlich massiger als die Weibchen. Schimpansen leben in hierarchisch organisierten, gemischtgeschlechtlichen sogenannten Fission-Fusion-Gemeinschaften. Diese bestehen aus mehreren Männchen und Weibchen sowie einigem Nachwuchs. Je nach Situation teilen sie sich in kleinere Gruppen auf. Die Männchen müssen sich ihren sozialen Rang schwer erkämpfen, ihn stetig behaupten und dominieren über die Weibchen. Das ranghöchste Männchen wird Alpha-Männchen genannt. Die Mitglieder einer Schimpansengemeinschaft verhalten sich solidarisch, hilfsbereit und fürsorglich den anderen gegenüber. Wenn beispielsweise ein Schimpansenkind verwaist, wird es häufig adoptiert und über viele Jahre liebevoll großgezogen, obwohl dies aus evolutionsbiologischer Sicht für die häufig nicht verwandten Adoptiveltern keine Vorteile bringt. Gegenseitige Fellpflege dient der Festigung von sozialen Bindungen in der Gruppe. Das Ritual kann mehrere Stunden pro Tag dauern. Durch Hilfe und Unterstützung können sich Schimpansen die Gunst eines anderen Gemeinschaftsmitgliedes erwerben. Die Revanche findet häufig zeitversetzt und in Form eines Tauschgeschäfts von unterschiedlichen „Waren und Diensten“, beispielsweise Fleisch gegen Sex, statt. Benachbarte Gemeinschaften konkurrieren um Weibchen und Nahrung und bekriegen sich bei Begegnungen.Obwohl Früchte den größten Anteil in ihrer Nahrung ausmachen, fressen sie mehr Fleisch als andere Menschenaffen. Auf dem Speiseplan der Allesfresser stehen über 30 Säugetierarten, darunter vor allem kleinere Affen. Häufig jagen Schimpansen in gut koordinierten Gruppen mit verteilten Rollen.Die größten Bedrohungen für Schimpansen sind heutzutage Wilderei, Lebensraumverlust und Krankheiten sowie Klimawandel und Mensch-Wildtier-Konflikte. Bevölkerungswachstum in den Verbreitungsländern, Armut und Korruption, eine oft schwache Rechtsdurchsetzung sowie mangelhafter Strafvollzug leisten ihren Beitrag zur starken Gefährdung unserer Verwandten.

Systematische Einordnung

Der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes), meistens nur Schimpanse genannt, gehört zur Familie der Menschenaffen und zur Ordnung der Primaten. Gemeinsam mit den Gibbons und den Meerkatzenverwandten bilden die Menschenaffen die Gruppe der Altweltaffen. Die Alt- und Neuweltaffen sind die beiden Verwandtschaftsgruppen der Affen, die wiederum zusammen mit den Koboldmakis die Unterordnung der Trockennasenaffen bilden. Die Trockennasenaffen gehören neben den Feuchtnasenaffen zur Säugetierordnung der Primaten. Die Familie der Menschenaffen gliedert sich heute in vier Gattungen mit sieben Arten: Schimpanse, Bonobo, Westlicher Gorilla, Östlicher Gorilla, Sumatra-Orang-Utan, Borneo-Orang-Utan und Mensch. Dabei gehören die beiden Arten Schimpanse und Bonobo zur Gattung der Schimpansen. Die beiden Schimpansenarten sind die nächsten Verwandten des Menschen. Die Verwandtschaft der Gattung der Schimpansen zu uns Menschen ist größer als ihre Verwandtschaft zu den anderen Menschenaffen.

Bei den Schimpansen werden vier Unterarten unterschieden: Westafrikanischer Schimpanse (P. t. verus), Zentralafrikanischer Schimpanse (P. t. troglodytes), Ostafrikanischer Schimpanse (P. t. schweinfurthii) und Nigeria-Schimpanse (P. t. ellioti).

Merkmale

Schimpansen gehören zu den kleineren Menschenaffenarten. Bei ihnen sind die Männchen etwas größer und deutlich massiger als die Weibchen. Die Kopf-Rumpflänge beträgt bei Männchen bis zu 96 Zentimeter und bei Weibchen bis zu 91 Zentimeter. Stehend erreichen sie eine Größe von rund 1,2 Metern. Männchen wiegen etwa 28 bis 70 Kilogramm und Weibchen 20 bis 50 Kilogramm.

Schimpansen erscheinen robust und sportlich. Sie besitzen einen rundlichen Kopf, einen muskulösen Körper und lange Gliedmaßen, wobei wie bei allen Menschenaffen außer dem Menschen, die Arme länger sind als die Beine. Die Großzehen der Füße sind analog zu den Daumen wie bei den meisten Affen opponierbar. Aus diesem Grund können die Füße als sogenannte Greiffüße eingesetzt werden. Das Haarkleid der Schimpansen bedeckt Kopf und Körper, ist schwarz und kann im Alter sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen am Rücken, Po und Kinn ergrauen. Zudem können vor allem Weibchen im Laufe der Zeit eine Glatze bekommen. Das Gesicht, die Ohren, die Hand- und Fußsohlen sowie die Anogenitalregion sind unbehaart und meistens fleischfarben. Dabei wird das Gesicht mit den Jahren dunkler. Nur sehr selten haben Schimpansen auch sehr dunkle, fast schwarze Gesichter. Sowohl Männchen als auch Weibchen tragen im Alter häufig einen kurzen weißen Bart. Das Gesicht der Schimpansen ist flach mit einer vorgewölbten Kieferpartie und dunklen Lippen. Über den Augen befinden sich knöcherne Verdickungen des Stirnbeins, die sogenannten Überaugenwülste. Die großen Ohren ragen aus dem Kopfhaar heraus. Schimpansen haben eine ausgeprägte Gesichtsmimik. Diese ist der von uns Menschen sehr ähnlich und unterscheidet sich hauptsächlich durch eine größere Beweglichkeit der Lippen und eine geringere Entwicklung der Muskulatur an der Stirn.

Schimpansen sind sehr gute Kletterer. Am Boden bewegen sie sich ebenso wie die anderen afrikanischen Menschenaffen typischerweise vierfüßig im sogenannten Knöchelgang fort. Dabei treten sie hinten mit der ganzen Fußsohle auf, während vorne die Finger zu einer offenen Faust gekrümmt werden und nur die mittleren Fingerglieder und die Knöchel den Boden berühren. Zwischenzeitlich stehen Schimpansen auch gerne aufrecht und können kurze Strecken auf zwei Beinen laufen. Wenn das Wasser nicht zu tief ist, waten sie hindurch - sie können jedoch nicht schwimmen.

Die Zentralafrikanischen gelten als die größten Schimpansen, insbesondere die Männchen. Häufig unterscheiden sich die Schimpansen innerhalb einer gleichen Unterart mehr als es Unterschiede zwischen Schimpansen verschiedener Unterarten gibt. Schimpansen sind auch ihren nächsten Verwandten, den Bonobos zum Verwechseln ähnlich. Es gibt nur wenige Körpermerkmale, die sie unterscheiden. Während beide Arten fast gleich groß sind, unterscheiden sich jedoch ihre Körperproportionen. Schimpansen haben im Verhältnis längere Arme, kürzere Beine und einen kräftigeren Rumpf als Bonobos. Der Kopf der Schimpansen ist ovaler, das Gesicht knochiger und die Mundpartie ragt stärker nach vorne. So wirkt ihr Gesicht derber und kantiger als das der Bonobos. Außerdem haben Schimpansen meistens ein fleischfarbenes Gesicht mit dunklen Lippen im Unterschied zum schwarzen Gesicht der Bonobos mit roten Lippen.

Lebensweise

Schimpansen leben in gemischtgeschlechtlichen sogenannten Fission-Fusion-Gemeinschaften, die von mehreren Männchen und Weibchen sowie Nachwuchs gebildet werden. Die Anzahl der Mitglieder einer Gemeinschaft kann zwischen zwölf und 150 Schimpansen variieren und beträgt durchschnittlich 35 Mitglieder. Die Gemeinschaft teilt sich regelmäßig in kleinere Gruppen auf. Diese Kleingruppen zählen zwischen zwei und 20 Tiere und sind je nach Situation unterschiedlich zusammengesetzt. Es wird angenommen, dass sich die intraspezifische Konkurrenz um Nahrung reduziert, wenn die Schimpansen zeitweise in kleineren Gruppen in geringerer Zahl auf Nahrungssuche gehen.

Bei den Schimpansen sind die Männchen dominant. Unter den Männchen und Weibchen einer Gemeinschaft gibt es zudem jeweils eine geschlechtsspezifische lineare Rangordnung. Die Rangordnung der Männchen ist streng hierarchisch. Der soziale Rang eines Männchens ist schwer erkämpft und muss stetig behauptet werden. Das ranghöchste Männchen ist das sogenannte Alpha-Männchen. Die Männchen einer Gemeinschaft sind im Gegensatz zu den Weibchen oft miteinander verwandt, entwickeln starke Bindungen zu anderen ausgewählten Männchen, bilden Koalitionen und kooperieren unter anderem beim Jagen, bei Revierpatrouillen und in Auseinandersetzungen. Verbündete Männchen stärken sich gegenseitig bei der Behauptung oder Verbesserung ihres Ranges. Ranghöhere Männchen verhalten sich dominant gegenüber nicht verbündeten und rangniederen. In den meisten Regionen des Verbreitungsgebietes der Schimpansen sind mehrheitlich die Männchen an Konflikten beteiligt, die sowohl innerhalb einer Gemeinschaft als auch zwischen benachbarten Gemeinschaften tödlich ausgehen können. In einzelnen Studiengebieten wurde außerdem beobachtet, dass sich auch die Weibchen bei Auseinandersetzungen an Reviergrenzen zumindest vokal beteiligen. Die Weibchen einer Gemeinschaft sind normalerweise nicht miteinander verwandt. Ihre Rangordnung ist schwächer ausgeprägt. Außerdem gelten sie als weniger gesellig und bilden vor allem mit dem eigenen Nachwuchs Einheiten innerhalb der Gemeinschaft. Das Sozialverhalten der Weibchen weist in den verschiedenen Regionen des Verbreitungsgebietes der Schimpansen teilweise Unterschiede auf. Einzelne Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass sich die Weibchen in bestimmten Lebensphasen von den Männchen fernhalten, um An- und Übergriffe zu vermeiden. In manchen Regionen des Verbreitungsgebietes ist die intraspezifische Konkurrenz unter den Weibchen um Raum und Nahrung so groß, dass ranghöhere Weibchen sogar die Kinder von rangniedrigeren oder neu zugewanderten Weibchen töten. Neu eingewanderten Weibchen in Schwellung (vgl. Kapitel Fortpflanzung) gegenüber zeigen Männchen weniger aggressives Verhalten, während die ansässigen Weibchen den Neulingen gegenüber sehr aggressiv und gewalttätig auftreten, um die Konkurrentinnen um Raum und Nahrung möglichst wieder aus der Gruppe zu verjagen.

Die sozialen Bindungen unter den Schimpansen werden durch regelmäßiges, sogenanntes Grooming gefestigt. Grooming ist die gegenseitige Fellpflege und ein Ritual, welches mehrere Stunden pro Tag in Anspruch nehmen kann. Durch engagiertes Lausen, die Unterstützung in Auseinandersetzungen, das Teilen von Nahrungsmitteln usw. können sich die Schimpansen die Gunst eines Gemeinschaftsmitgliedes „erkaufen“. Die Revanche findet häufig zeitversetzt und in Form eines Tauschgeschäfts statt. Dabei handeln sowohl Männchen als auch Weibchen mit unterschiedlichen „Waren und Diensten“. Männchen tauschen beispielsweise Fleisch gegen Sex.

Schimpansen besitzen die Fähigkeit zur Empathie. Die Mitglieder der Gemeinschaften verhalten sich solidarisch, hilfsbereit und fürsorglich den anderen gegenüber. Wenn ein Schimpansenkind verwaist, wird es unabhängig von Verwandtschaft häufig von einem Mitglied der Gemeinschaft adoptiert und über Jahre liebevoll großgezogen. Die Adoptionen bringen aus evolutionsbiologischer Sicht keinerlei Vorteile für die Adoptiveltern und zahlen sich nur im Falle von männlichen Waisen bezüglich der Gruppenstärke aus.

Die Reviere der Schimpansen sind je nach Art des Lebensraumes sieben bis 65 Quadratkilometer groß und werden streng gegen benachbarte Schimpansengruppen verteidigt. Die Männchen zeigen auf ihren regelmäßigen Patrouillen Präsenz. Benachbarte Gemeinschaften konkurrieren um Weibchen und Nahrungsquellen im Grenzgebiet und bekriegen sich bei Begegnungen. Wenn junge Weibchen ihre Geburtsgruppe verlassen, schließen sie sich bevorzugt großen Gruppen, mit zahlreichen Männchen an. Wahrscheinlich ist dies der Grund dafür, dass es bei Kämpfen an den Reviergrenzen des Öfteren zu Tötungen der Männchen verschiedener Gemeinschaften kommt. So wird die Zahl der Männchen der konkurrierenden Gemeinschaft reduziert. Es wird angenommen, dass dadurch gegebenenfalls das Territorium ausgedehnt werden kann, die Gemeinschaft attraktiver für immigrierende junge Weibchen wird und die Männchen der stärkeren Gruppe somit letztlich einen größeren Zugang zu Weibchen erhalten. Dies wiederum kann in einem größeren Fortpflanzungserfolg resultieren. Trotzdem kommt es manchmal aber auch vor, dass sich nah verwandte Weibchen benachbarter Gemeinschaften friedlich besuchen.

Schimpansen sind tagaktiv und leben sowohl in den Bäumen als auch am Boden. Untersuchungen zur Folge halten sich weibliche Schimpansen tagsüber etwa 60 Prozent der Zeit in den Bäumen und 40 Prozent am Boden auf. Bei den Männchen ist es andersherum. Schimpansen verbringen etwa den halben Tag mit der Nahrungsaufnahme. Auf der Suche nach Nahrung und Schlafplätzen legen sie täglich durchschnittlich zwei bis drei Kilometer zurück. Zum Schlafen bauen sie sich jeden Abend ein neues Nest in den Bäumen, wobei sie dafür bestimmte Baumarten bevorzugen. In manchen Regionen des Verbreitungsgebietes schlafen sie gelegentlich auch in Nestern am Boden. Schimpansen haben ein ausgezeichnetes räumliches Gedächtnis. Zur Orientierung nutzen sie eine mentale Landkarte, in der Tausende ihrer bevorzugten Fruchtbäume verzeichnet sind, die sie dann je nach Saison auf direktem Weg aufsuchen.

Schimpansen sind bekannt für ihren äußerst geschickten und vielseitigen Werkzeuggebrauch. Neben ihnen gibt es zwar viele weitere Tiere, die Werkzeuge einsetzen, aber die Verwendung von Werkzeugen zur Erreichung eines bestimmten Handlungsziel sowie zur Veränderung der Umwelt nach bestimmten Vorstellungen ist bei Menschen und Menschenaffen von beeindruckendem Ausmaß. Dabei gelten die Schimpansen im Vergleich zu den anderen Menschenaffenarten bis auf den Menschen im Gebrauch der Werkzeuge am erfinderischsten. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass der Werkzeuggebrauch der Schimpansen einer kulturellen Tradition entspricht. Er erfolgt nicht instinktiv, sondern wird erlernt. Die Informationen werden von Generation zu Generation weitergeben. Der Werkzeuggebrauch ist bei Schimpansen in folgenden Situationen bekannt: zur Nahrungsbeschaffung, Verteidigung, Kommunikation, Umwelterkundung, Hygiene und zum Komfort. Häufig werden die Werkzeuge selbst hergestellt. Manchmal kommen in einer Situation mehrere Werkzeuge nacheinander zum Einsatz. Beim Ameisen Angeln besorgen sich die Schimpansen beispielsweise einen Zweig, bearbeiten ihn, bis er die passende Länge hat und halten ihn direkt in den Ameisenbau hinein. Sobald sich dann einige der Ameisen darin verbissen haben, befördern sie ihre Beute vom Zweig direkt in den Mund. Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz von selbst hergestellten Schwämmen aus zerkauten Blättern zum Aufsaugen von Wasser in mit dem Mund nicht erreichbaren Baumhöhlen. Wenn der Schwamm vollgesogen ist, wird er mit dem Mund ausgesaugt. Zum Schutz vor einem Leopardenangriff setzen Schimpansen Stöcke als Waffen ein. Insgesamt sind Schimpansen sogar dazu in der Lage, flexibel unterschiedliche Strategien des Werkzeuggebrauchs anzuwenden. An der Elfenbeinküste knacken Schimpansen beispielsweise Nüsse mithilfe von Hämmern. Einige Schimpansen passen die Auswahl des Materials des Hammers an die Härte der Nüsse im Laufe der Saison an. Wenn die Härte der Nüsse abnimmt, verwenden sie dann Holz- statt Steinhämmer. Zudem können sie eine bestimmte Werkzeugnutzung auf unterschiedliche Situationen übertragen. Es wird angenommen, dass die Konkurrenz um Nahrung mit Gorillas, mit denen sie sich weite Teile ihres Verbreitungsgebietes teilen und deren Nahrungsspektrum stark mit ihrem überlappt, eine Ursache für den Gebrauch von Werkzeug bei Schimpansen dargestellt hat. Durch die Entwicklung von innovativen Ernährungsstrategien können Schimpansen mehr Nahrungsmittel nutzen, die für Gorillas nicht direkt zugänglich sind. Im Vergleich zu Bonobos scheinen Schimpansen in körperlichen Fertigkeiten leicht überlegen zu sein, dafür aber über eine etwas geringere Sozialkompetenz zu verfügen.

Insgesamt zeigen die verschiedenen Unterarten und Gemeinschaften der Schimpansen durchaus deutliche Unterschiede in ihrer Lebensweise, ihrem Verhalten und ihren kulturellen Traditionen. So gelten die Westafrikanischen Schimpansen beispielsweise als friedlicher und weniger von den Männchen dominiert als die anderen Unterarten. Dafür benutzen manche Ostafrikanischen Schimpansen kaum Werkzeuge zur Nahrungsbeschaffung. Dies lässt auf eine allgemein hohe kognitive Flexibilität und Anpassungsfähigkeit schließen.

Zu den natürlichen Feinden der Schimpansen gehören vor allem Leoparden. Nahrungskonkurrenz besteht insbesondere zu Gorillas. In der Hochsaison kommt es vor, dass beide Arten friedlich nebeneinander fressen. Bei Nahrungsknappheit vertreiben sie sich hingegen gegenseitig, wobei sich je nach Gruppengröße mal die einen und mal die anderen durchsetzen.

Fortpflanzung

Bei Schimpansen kommen die Männchen und Weibchen etwa mit sieben bis acht Jahren in die Pubertät. Bis zum Alter von etwa 15 Jahren erreichen die Männchen die volle Geschlechtsreife. Die Weibchen bekommen meist im Alter von etwa 13 bis 14 Jahren ihren ersten Nachwuchs. Schimpansen sind promiskuitiv. Die Paarungsbereitschaft der Weibchen wird ebenso wie bei Bonobos durch eine zyklusabhängige, hormonell bedingte Schwellung und Pinkfärbung der Genitalien angezeigt. In der Schwellung paaren sich die Weibchen besonders häufig und mit mehreren Geschlechtspartnern der Gemeinschaft. Dabei können sie nicht immer frei wählen, sondern werden manchmal von den Männchen durch aggressives Verhalten gefügig gemacht. Die Möglichkeit zur Paarung ist bei den Männchen von ihrem sozialen Rang abhängig. Das Alpha-Männchen hat dabei den Vorrang und ist von durchschnittlich der Hälfte der Jungtiere der Gemeinschaft der Vater. Weibchen in Schwellung lösen bei den Männchen einen Anstieg des Testosteronspiegels im Blut aus. Dies wiederum erhöht die Bereitschaft für aggressives Verhalten gegenüber konkurrierenden Männchen und unwilligen Weibchen und maximiert letztlich den Paarungs- und Fortpflanzungserfolg der Männchen.

Nach einer Tragzeit von knapp acht Monaten kommt meistens ein einzelnes Junges zur Welt. Zwillinge sind selten. Die Geburten erfolgen das ganze Jahr über. Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist wie bei allen Menschenaffen sehr innig. Die Jungen sind vollständig von der liebevollen Fürsorge der Mütter abhängig. Die Väter beteiligen sich nicht an der Aufzucht ihrer Kinder. In den ersten Lebenswochen tragen die Weibchen ihren Nachwuchs am Bauch, danach auf dem Rücken. Schimpansenkinder werden vier bis fünf Jahre lang gesäugt. Die Mütter teilen ihre Schlafnester mit ihren Jungen, bis sie entwöhnt sind oder der nächste Nachwuchs erwartet wird. Die Sterblichkeit des Nachwuchses beträgt bei Schimpansen etwa 70 Prozent. Nur knapp ein Drittel erreicht das Erwachsenenalter. Dabei ist der Aufzuchterfolg abhängig vom sozialen Rang der Mutter. Je ranghöher ein Weibchen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie es schafft ihr Junges durchzubringen. Bei erfolgreicher Jungenaufzucht bekommt ein Weibchen nach viereinhalb bis sieben Jahren den nächsten Nachwuchs. Sie können bis zu einem Alter von Ende Vierzig Kinder bekommen.

Bei Schimpansen sind Fälle von Infantizid bekannt. Manche Männchen töten Jungtiere, die nicht mit ihnen verwandt und noch von ihren Müttern abhängig sind. Bald nach der Kindstötung werden die Weibchen wieder empfängnisbereit und paaren sich, häufig auch mit dem Männchen, welches ihr Kind getötet hat. Letztlich erhöht der Infantizid den Fortpflanzungserfolg der Männchen verringert jedoch den der Mütter. Deswegen verschleiern diese die Vaterschaft durch Promiskuität, provozieren dadurch, dass sich mehrere Männchen für den möglichen Vater halten und reduzieren damit die Gefahr, dass ihr Nachwuchs Opfer eines Infantizids wird.

Bis zur Selbstständigkeit der Jungtiere vergehen viele Jahre. In der Pubertät verlassen die jungen Weibchen die Gemeinschaft und schließen sich einer neuen an. Die jungen Männchen bleiben hingegen ihr Leben lang in derselben Gruppe und müssen sich einen Platz in der Rangordnung erkämpfen, sobald sie geschlechtsreif sind. Bei den meisten anderen, sozial lebenden Altweltaffen ist es genau andersherum.

Geografische Verbreitung

Schimpansen sind unter den Menschenaffen am weitesten verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im westlichen Äquatorialafrika von Senegal bis nach Tansania und Uganda über insgesamt 21 Länder und hat eine Gesamtfläche von mehr als 2,6 Millionen Quadratkilometern.

Im westlichen Teil des Verbreitungsgebietes leben die Westafrikanischen Schimpansen. Sie kommen in den Ländern Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Mali, Republik Liberia, Senegal und Sierra Leone vor. In Gambia sind sie bereits definitiv und in Benin, Burkina Faso und Togo wahrscheinlich ausgestorben. Bei einer Schimpansenpopulation im westlichen Nigeria ist bisher noch nicht geklärt, ob sie zur Unterart der Westafrikanischen oder Nigeria-Schimpansen gehören. Der Nigeria-Schimpanse kommt in den beiden Ländern Nigeria und Kamerun vor und hat das kleinste Verbreitungsgebiet der vier Unterarten. Der Fluss Sanaga in Kamerun begrenzt das Verbreitungsgebiet der Nigeria-Schimpansen im Süden. Südlich des Sanagas und nördlich des Kongoflusses erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Zentralafrikanischen Schimpansen über die Länder Äquatorialguinea, Cabinda (angolanische Exklave), Demokratische Republik Kongo, Gabun, Kamerun, Republik Kongo und Zentralafrikanische Republik. Der Fluss Ubangi trennt die Verbreitungsgebiete der Zentralafrikanischen Schimpansen, die westlich des Flusses vorkommen, und der Ostafrikanischen Schimpansen, die im östlichen Teil des Verbreitungsgebietes der Schimpansen leben. Die Ostafrikanischen Schimpansen kommen in Burundi, der Demokratische Republik Kongo, in Ruanda, im Südsudan, in Tansania, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik vor. Dabei ist die Region des Westlichen Rifts des Ostafrikanischen Grabens westlich des Victoriasees ein wichtiges Rückzugsgebiet dieser Unterart.

Während das Verbreitungsgebiet der Schimpansen in weiten Teilen mit dem der Gorillas überlappt, ist es durch den Kongofluss klar von dem der Bonobos getrennt. Wissenschaftler vermuten, dass einige der gemeinsamen Vorfahren der Schimpansen und Bonobos möglicherweise während einer Dürrezeit vor rund einer Millionen Jahre den Kongo überquert haben und sich die beiden Arten auf den zwei Seiten des Flusses seitdem getrennt voneinander entwickelt haben.

Lebensraum

Schimpansen bewohnen verschiedene Lebensräume des Tropenwaldgürtel Afrikas, darunter dichte Flachlandregenwälder, Bergwälder, Sumpfwälder, Sekundärwälder. Schimpansen sind sehr anpassungsfähig und können auch in Gebieten mit hohem Anteil an landwirtschaftlich genutzter Fläche überleben, solange sie genug Nahrung finden. In der angrenzenden Savanne kommen sie auch in Galerie- und Trockenwäldern vor. In Westafrika sind Schimpansen bis in Höhenlagen von rund 1.600 Metern zu finden, in Nigeria und Kamerun bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern, in Zentralafrika bis in Höhenlagen von knapp 750 Metern und in Ostafrika sogar in Höhenlagen von knapp 3.000 Metern.

Ernährungsweise

Schimpansen sind Allesfresser und ernähren sich von allem, was sie finden können. Den größten Anteil ihrer Nahrung machen Früchte aus, die allerdings in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes nur saisonal verfügbar sind. Dazu kommen Blätter, Stängel, Samen, Blüten, Baumrinde, Pflanzenmark, Honig, Pilze, Harz, Algen, Eier und Fleisch. Zum Beutespektrum gehören Tiere von Insekten bis zu mittelgroßen Säugetieren. Insgesamt stehen über 30 Säugetierarten auf ihrem Speiseplan, darunter vor allem Affen wie beispielsweise der Rote Stummelaffe. Damit haben sie den größten Anteil an tierischer Kost in ihrer Nahrung im Vergleich zu den anderen Menschenaffen. Die Schimpansen wenden bei der Jagd verschiedene Methoden an, darunter auch die koordinierte Gruppenjagd mit verteilten Rollen. Die Fleischbeschaffung erfolgt überwiegend durch die Männchen, wobei verbündete Männchen oft gemeinsam jagen. Bei erfolgreicher Jagd wird die Beute mit den anderen, zumeist verwandten Gemeinschaftsmitgliedern geteilt. Schimpansen, die in der Nähe von Siedlungen und Landwirtschaft leben, bedienen sich auch auf Feldern und Plantagen. Dadurch können sie große Ernteausfälle verursachen.

Die Nahrungsbeschaffung erleichtern sich die Schimpansen häufig mit dem Gebrauch von Werkzeugen. An der Elfenbeinküste knacken sie beispielsweise Nüsse mit Hilfe von Hammer und Amboss. Dabei dienen Steine oder Holzknüppel als Hammer und Steinblöcke oder harte Baumwurzeln als Amboss. Ein weiteres Beispiel ist das Erbeuten kleiner baumlebender Primaten im Senegal, die von Schimpansen mit spitzen Stöcken als Speere in ihren Baumhöhlen aufgespießt werden.

Insgesamt gibt es große Unterschiede bei den Nahrungsmitteln, Techniken der Nahrungsbeschaffung, Jagdmethoden und dem Werkzeuggebrauch in den verschiedenen Regionen des Verbreitungsgebietes und den unterschiedlichen Gemeinschaften der Schimpansen.

Schimpansen spielen wie die anderen afrikanischen Menschenaffen auch als „Gärtner des Regenwaldes“ eine wichtige Rolle in ihrem Ökosystem im mittleren Afrika. So sind die Verbreitung und das Überleben einiger Pflanzen von der Aussaat durch Schimpansen abhängig, indem sie aufgrund ihrer Ernährungsweise Samen verteilen. Dadurch tragen sie zur ständigen Regeneration des Regenwaldes bei.

Bestandsgröße und Gefährdungsstatus

Die letzte offizielle Angabe zur Gesamtzahl des Bestandes der Schimpansen stammt aus dem Jahr 2003 und ist heute veraltet. Damals wurde der Gesamtbestand auf 173.000 bis 300.000 Tiere geschätzt. In der Zwischenzeit sind die Bestände der vier Unterarten weiter untersucht worden. Die häufigste Unterart ist demnach der Ostafrikanische Schimpanse, gefolgt vom Zentral- und Westafrikanischen Schimpansen. Die seltenste Unterart ist der Nigeria-Schimpanse.

Im Jahr 2010 wurde die Gesamtpopulation der Ostafrikanischen Schimpansen auf 181.000 bis 256.000 Tiere geschätzt. Ein Großteil der Ostafrikanischen Schimpansen, nämlich 173.000 bis 248.000, ist vermutlich in der Demokratischen Republik Kongo zu Hause. Weitere ca. 5.000 Ostafrikanischen Schimpansen sollen in Uganda, weniger als 2.500 in Tansania, mehr als 400 in Ruanda und weniger als 400 in Burundi leben. Für die Populationen im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik gibt es derzeit keine Bestandszahlen.

Der Gesamtbestand der Zentralafrikanischen Schimpansen wird nach neuesten Untersuchungen aus dem Jahr 2018 auf etwa 128.700 Tiere geschätzt. Rund 40 Prozent von ihnen leben in der Republik Kongo, etwa ein Drittel ist in Gabun beheimatet und ca. 17 Prozent kommen in Kamerun vor. In Äquatorialguinea werden einige Tausend Zentralafrikanische Schimpansen vermutet und einige Hundert in der Zentralafrikanischen Republik. Dabei lebt der Großteil der Zentralafrikanischen Schimpansen außerhalb und nur knapp ein Fünftel innerhalb von Schutzgebieten. Für die Populationen in der angolanischen Exklave Cabinda und in der Demokratischen Republik Kongo gibt es derzeit keine Bestandszahlen.

Die Gesamtpopulation der Westafrikanischen Schimpansen umfasst nach neuesten Untersuchungen zwischen 15.000 und 65.000 Tiere. Es wird davon ausgegangen, dass es tatsächlich wahrscheinlich etwa 35.000 Westafrikanischen Schimpansen sind. Damit sind im Zeitraum zwischen 1990 und 2014 rund 80 Prozent des Bestandes dieser Unterart verloren gegangen. Die wichtigsten Verbreitungsgebiete in Westafrika befinden sich in Guinea, in der Republik Liberia und in Sierra Leone. Guinea beheimatet derzeit rund 17.700 Westafrikanische Schimpansen. In der Republik Liberia leben dem Ergebnis von Bestandsuntersuchungen aus dem Jahr 2014 zur Folge mehr als 7.000 Tiere. Zählungen in Sierra Leone im Jahr 2010 ergaben eine Populationsgröße von 3.100 bis 10.400 Westafrikanischen Schimpansen. An der Elfenbeinküste wurden im Jahr 2008 nur noch 1.000 bis 2.000 Schimpansen gezählt. Damit hat sie im Zeitraum zwischen 1990 und 2007 ca. 90 Prozent ihres Schimpansenbestandes verloren. In Ghana, Guinea-Bissau und im Senegal gibt es schätzungsweise jeweils wenige Hundert Tiere. Über die Bestände in Mali gibt es derzeit keine genauen Informationen.

Von den seltenen Nigeria-Schimpansen gibt es schätzungsweise maximal 6.000 bis 9.000 Tiere. Laut im Jahr 2015 veröffentlichten Untersuchungsergebnissen leben in Kamerun 3.000 bis 4.500 Nigeria-Schimpansen.

Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Schimpansen insgesamt als stark gefährdet und die Westafrikanische Unterart sogar als vom Aussterben bedroht. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES sind sie im Anhang I gelistet. Jeglicher internationaler, kommerzieller Handel ist somit verboten. Sie sind außerdem in allen 21 Verbreitungsländern nach nationalem Recht geschützt und dürfen weder gefangen, noch getötet oder gehandelt werden.

Bedrohungsfaktoren

In den Verbreitungsländern der Schimpansen gibt es ein großes Bevölkerungswachstum, viel Armut, Korruption, oft eine schwache Rechtsdurchsetzung und einen mangelhaften Strafvollzug. Im Jahr 2016 belegten diese Nationen in der Rangliste des "Index der menschlichen Entwicklung", einem Wohlstandsindikator der Vereinten Nationen, einen Platz zwischen den Rängen 109 und 188 von 188. Die größten Bedrohungen für die Schimpansen sind heutzutage Wilderei, Lebensraumverlust und Krankheiten sowie Klimawandel und Mensch-Wildtier-Konflikte. Durch die niedrige Reproduktionsrate, die lange Phase der Abhängigkeit der Jungtiere von ihren Müttern und die späte Geschlechtsreife können Schimpansen wie alle Menschenaffen Bestandsverluste nur langsam ausgleichen.

Die Tiere in den afrikanischen Wäldern gelten in vielen Regionen als eine wichtige Nahrungsquelle für die Bevölkerung vor Ort. Doch seitdem das sogenannte Buschfleisch nicht mehr nur zur Selbstversorgung dient, sondern auch in die Städte transportiert und dort verkauft wird, ist die Jagd nicht mehr nachhaltig. Die Kommerzialisierung des Buschfleischhandels hat mittlerweile dazu geführt, dass es in weiten Teilen der zentral- und westafrikanischen Wälder so gut wie keine großen und mittelgroßen Wirbeltiere mehr gibt. Auf der Suche nach Beute dringen die Jäger deshalb in immer entlegenere Gebiete vor. Dabei sind Rodungskonzessionen, die im letzten Viertel Jahrhundert für einen Großteil der ungeschützten Waldgebiete im Verbreitungsgebiet der Schimpansen vergeben wurden, und Bergbau verstärkende Faktoren für die Buschfleischproblematik. Zum einen ernähren sich die Arbeiter vor Ort gerne von Buschfleisch und zum anderen werden die bis dahin abgelegenen Lebensräume der Schimpansen von einem Netz aus Straßen durchzogen, die auch Wilderern den Zugang und den Abtransport von Buschfleisch erleichtern. Obwohl Schimpansen unter Schutz stehen, werden auch sie als Buschfleisch gejagt, verkauft und verspeist. Mitunter werden sie direkt bejagt. Wahrscheinlich machen die Wilderer meistens jedoch nicht gezielt Jagd auf Schimpansen, sondern jagen als Opportunisten alles, was zu finden ist. Dabei sind Schimpansen eine Verlockung für die Wilderer, da an ihnen mehr Fleisch dran ist als an den meisten anderen potentiellen Beutetieren. Es kommt aber auch immer wieder zu Unfällen, bei denen sich Schimpansen in den Fallen und Schlingen verfangen, die eigentlich für andere Tiere ausgelegt werden. Sollte es den Schimpansen gelingen, sich aus solch einer Falle oder Schlinge zu befreien, drohen ihnen tödliche Infektionen oder zurückbleibende körperliche Behinderungen wie eine abgetrennte Hand oder ein fehlender Fuß. Bei Marktstudien in Südost-Nigeria in den Jahren 2002 und 2003 wurden in sechs Monaten 240 gewilderte Schimpansen und in der Republik Liberia im Jahr 2015 in einem Monat 74 Kadaver entdeckt.

Der Buschfleischhandel ist jedoch nicht der einzige Grund für die illegale Jagd auf Schimpansen. Ihre Körperteile werden außerdem in der Traditionellen Medizin verwendet. Obwohl auch der Lebendtierhandel verboten ist, gibt es in einigen Regionen zudem einen Schwarzmarkt für lebende Menschenaffen, vor allem für Schimpansen. Sie werden illegal als exotische Haustiere verkauft oder landen in der Unterhaltungsindustrie wie private Zoos, Zirkusse und Freizeitparks. Insbesondere Jungtiere sind Touristenattraktionen und beliebte Accessoires bei Fotosessions. Einer Studie der Organisation GRASP aus dem Jahr 2015 zur Folge sind im Zeitraum zwischen 2005 und 2011 über 1.800 für den Handel gefangene Menschenaffen, darunter mindestens 643 Schimpansen gefunden worden. Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Experten gehen davon aus, dass tatsächlich mehr als 22.000 Menschenaffen in diesem Zeitraum in Afrika und Asien und durchschnittlich 2.021 Schimpansen pro Jahr gefangen wurden. Dabei existiert ein komplexes Länder und Kontinente übergreifendes Netz aus Wilderen, Schmugglern und Händlern. Im Zeitraum zwischen 2007 und 2012 sind beispielsweise 130 Schimpansen mit gefälschten Papieren von Guinea nach China exportiert worden. Angeblich sollten die Menschenaffen aus Nachzuchten in menschlicher Obhut stammen. Allerdings gibt es in Guinea keine einzige solche Einrichtung. In den Auffangstationen werden derzeit knapp 1.000 konfiszierte Schimpansen versorgt.

Eine weitere Hauptursache für die Abnahme der Schimpansenbestände stellen Krankheitsepidemien dar. Dabei können Schimpansen zum einen an natürlichen Erregern wie beispielsweise Ebolafieber erkranken. Aber auch vom Menschen übertragene Krankheiten wie Atemwegsinfekte und Darmerkrankungen, die bei Menschen eher harmlos verlaufen, können für Schimpansen tödlich enden. Vor allem das Ebolafieber hat in den letzten Jahren in Zentralafrika vielen Menschenaffen das Leben gekostet. Schätzungen zur Folge sind in manchen Gebieten in Gabun und der Republik Kongo seit den 1990er Jahren bis zu 90% der Schimpansen- und Gorillabestände durch Ebolafieber umgekommen. Ebolafieber ist hochansteckend und kann innerhalb weniger Wochen oder Monate große Teile der Bestände auslöschen. Bei guten Bedingungen würden die Schimpansen rund 100 Jahre benötigen, um sich von den bisherigen Verlusten zu erholen. Da das Ebolavirus im Verbreitungsgebiet der Schimpansen nach wie vor existiert, kann es jederzeit zu einer erneuten Krankheitsepidemie kommen. Seit einigen Jahren ist auch Milzbrand als eine häufige Todesursache von Schimpansen identifiziert worden. Das Vorrücken in die Naturräume und der zunehmende Kontakt mit Menschen durch die Buschfleischjagd sowie durch Forschung, Tourismus und Auffangstationen erhöht die Gefahr von Krankheitsübertragungen.

Schimpansen kommen ursprünglich in mehr oder weniger entlegenen Naturräumen vor. Doch diese geraten durch die wachsende Bevölkerung ebenso wie durch wirtschaftliche Interessen immer stärker unter Druck. In Kamerun hat sich die Bevölkerungszahl zwischen 1950 und 2010 beispielsweise etwa vervierfacht. Es wird weiter angenommen, dass sie sich bis zum Jahr 2035 gegenüber dem Wert von 2010 noch einmal verdoppelt. Durch Brandrodung werden traditionell landwirtschaftliche Flächen zur Subsistenzwirtschaft gewonnen. So wird im gesamten Verbreitungsgebiet der Schimpansen ihr Lebensraum Stück für Stück in Ackerland umgewandelt. In Westafrika sind auf diese Weise seit Anfang des Jahrtausends mehr als vier Fünftel des Waldes verloren gegangen. Neuerdings rückt Afrika zudem in den Fokus der industriellen Landwirtschaft. Weite Teile des Verbreitungsgebietes der Schimpansen bieten hervorragende Bedingungen für den Anbau von Ölpalmen, Kautschuk, Eukalyptus und Zuckerrohr im großen Stil. Entsprechende Aktivitäten der Agrarindustrie könnten sehr schnell zu massivem Lebensraumverlust für die Schimpansen außerhalb von Schutzgebieten führen. Weitere Konfliktthemen sind Holzeinschlag, Bergbau und Erdölförderung im Verbreitungsgebiet der Schimpansen. Durch selektive Holzfällung werden beispielsweise wichtige Futterbäume der Schimpansen entnommen und ihre Lebensweise dadurch mitunter stark beeinflusst. Die mit der Industrie einhergehende Infrastruktur führt wiederum unter anderem zur Zerschneidung des Verbreitungsgebietes durch Verkehrswege, Ansiedlungen von Arbeitern, Erleichterung und Zunahme des Buschfleischhandels, einer ansteigenden Gefahr für Krankheitsübertragungen usw. Wenn Gemeinschaften von Schimpansen aus ihren Revieren vertrieben werden und sie gezwungen sind in benachbarte Territorien auszuweichen, löst dies schwere Kämpfe unter den Schimpansen aus, die mit vielen Todesfällen einhergehen.

Die zunehmende Nähe von Menschen und Schimpansen und die Umwandlung von natürlichem Lebensraum in landwirtschaftliche Flächen führen häufig zu sogenannten Mensch-Wildtier-Konflikten. Der Anbau von Kakao, Ölpalmen, Mangos, Ananas und Bananen lockt Schimpansen an, die die Felder und Plantagen immer wieder plündern. Um die Ernte zu schützen, werden Schimpansen manchmal zur Vorsorge getötet, zum Beispiel mit Gift. Es kommt auch zu Rachemorden an Schimpansen, wenn diese beim Diebstahl erwischt wurden. Vor allem in Westafrika nehmen in letzter Zeit Konflikte zwischen Schimpansen und Menschen zu.

Ein weiterer bisher noch wenig einzuschätzender Bedrohungsfaktor ist der Klimawandel. Dabei wird zum Beispiel angenommen, dass die zunehmende Trockenheit mancher Region des Verbreitungsgebietes der Schimpansen zu negativen Veränderungen wie einer geringeren Nahrungsverfügbarkeit, einer zunehmenden Waldbrandgefahr und sogar einem Waldrückgang führen kann.

Der Artenschutz ist seit Jahrzehnten ein großes Thema für den WWF. Schimpansen gehören ebenso wie Gorillas, Bonobos, Orang-Utans, Eisbären, Nashörner, Elefanten, Große Pandas und weitere Arten zu den Flaggschiffarten des WWF. Der WWF ist weltweit in zahlreichen Projekten zum Schutz und zur Erforschung bedrohter Arten aktiv und hat bereits viel erreicht. Weitere Informationen über die Projektarbeit finden sich unter: www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten

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